Alles auf Anfang!

Jan 29, 2021 | LEBENSART

Gedanken einer Studentin aus dem Lockdown

Das neue Jahr begann, wie das alte endete: Mit einer Pandemie, die den gesamten Alltag bestimmt. Selbst ein Neujahrssturm hätte wohl neben der reduzierten Feuerwerksknallerei in der Silvesternacht nicht ausgereicht, um die Geister und Schatten des Vorjahres zu vertreiben. Sich der Pandemie zu entziehen, ist auch jetzt im noch jungen neuen Jahr nahezu unmöglich. Nicht einmal das Auswandern ist eine Option. Dabei ist die Sehnsucht nach einer Corona-freien Zone durchaus verständlich. Was war das für ein Jahr, das nun hinter uns liegt. Der erste Lockdown hatte noch etwas abenteuerliches, etwas spannendes, war es schließlich für Jeden eine ganz neue Situation.

Der jetzige Lockdown ist nur noch eine triste Endlosschleife, aus der wir alle schnellstmöglich entkommen möchten. Seit den ersten Meldungen über eine neuartige Infektion hat das Virus eine beeindruckende Welttournee hingelegt, begleitet von dramatischen Eingriffen in das öffentliche und private Leben. Die Pandemie teilt die Gegenwart in ein „Vorher“ und ein „Nachher“, wobei das „Nachher“ noch immer außerordentlich unscharf bleibt. Seit klar ist, dass der Lockdown sich verlängert, vorerst bis zum 14. Februar, aber vermutlich darüber hinaus ins Unbestimmte, so wie es derzeit scheint, können wir alle verstehen, deren persönlicher Vorrat an Hoffnung und Lebensfreude demnächst aufgebraucht sein könnte. Doch keine Sorge: Wir wollen hier weder die vergangenen Monate resümieren, denn die sind uns allen garantiert noch gleichermaßen präsent, noch negative Gedanken verbreiten. Stattdessen möchten wir euch einladen, gemeinsam nach vorn zu blicken. Auf Chancen,
Möglichkeiten, Freudiges.

Im Grund genommen hat das Virus uns alle im Griff, auch wenn es uns nicht infiziert hat. Auch ich als Studentin und wir als Verlag müssen uns ganz neu organisieren. Auch die soziale Distanz ist ein Problem, wodurch der Austausch und der kreative Prozess mit unseren Kunden und Partnern erschwert wird. Verglichen mit den Schwierigkeiten von Menschen aus der Gastronomie, aus dem Einzelhandel oder aus dem Kulturbereich mag das ein zu vernachlässigender Umstand sein. Wer tagsüber in der Innenstadt samt neuerdings verpflichtend FFP2-Maske statt bunter Stoffmaske unterwegs ist, vorbei an den geschlossenen Ladenfassaden, wähnt sich in einer Art andauernder Feiertage. Nur dass es nichts zu feiern gibt, außer einer Ruhe, die trügerisch ist. Während die Medien nahezu täglich mit Sondersendungen dem Virus und seinen Folgen nachjagt, zweifelt so mancher, ob es wirklich all dieser Worte bedarf, um der Pandemie Herr zu werden.

Schließlich stellt uns das Leben immer wieder vor herausfordernde Aufgaben und es ist müßig zu fragen, wieso sie überhaupt passieren. Dies gilt besonders in der aktuellen Krisensituation, für die wir aber alle nicht verantwortlich sind. Es ist jedoch unsere freie Entscheidung, wie wir darauf reagieren wollen. Wichtig ist, die aktuellen Gegebenheiten so zu akzeptieren, wie sie sind, um dann das Beste aus ihnen zu machen. Wir befinden uns zurzeit alle in der gleichen Situation, aber haben doch sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen: Die einen, ohne Familie und Partner, sind zurzeit intensiv mit dem Alleinsein konfrontiert und verlieren sich vielleicht in der Arbeit.
Menschen mit Vorerkrankungen sorgen sich um ihre bedrohte Gesundheit, andere stehen nun wirtschaftlich existenziellen Ängsten gegenüber und Eltern sind oft auf engstem Raum Lehrer, Motivator, Erzieher, Entertainer, Koch und Haushälter sowie Geldverdiener zugleich. Wir müssen uns auf das fokussieren, was trotz der Einschränkungen individuell möglich ist und uns an neuen Wegen und Ideen versuchen, um bestmöglich mit der Lage auszukommen. Zwar sind derzeit weiterhin alle Schulen geschlossen, und dennoch lernen wir alle täglich dazu, denn wir sind ein Volk von
Hobbyvirologen geworden.

Der Stammtisch, inzwischen natürlich auch digital, debattiert nicht mehr über Fußballergebnisse, sondern über Inzidenzzahlen und Virusmutationen und kennt sich bei gentechnischen Impfstoffen aus. Wir lernen auch in den Familien, am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, denn wir stellen fest, dass es sehr unterschiedlich ausgeprägte Sicherheitsbedürfnisse gibt. Da gibt es die Übervorsichtigen, die meistens selbst schon Corona-Erfahrungen im engen Umfeld gemacht haben, über die Regeltreuen, die sich an die offiziellen Regeln halten und sich nur wohl überlegte Ausnahmen erlauben, bis hin zu den Sorglosen, die sich unverwundbar fühlen und bereits resigniert haben. Das kennen wir auch aus anderen Zusammenhängen. Während dem einem kühl ist, findet der andere den Raum überheizt und während der eine sich beim Anblick eines geschlossenen Fensters kurz vor einem Erstickungstod wähnt, glaubt ein anderer, es drohten schon bei jedem kleinsten Fensterspalt eiszeitliche Verhältnisse.

Doch was kann uns helfen, damit wir uns alle trotz der aktuellen Situation wohl fühlen?

Viel zu oft jagen wir einem fernen Ziel nach, dem Ende der Pandemie, der nächsten Möglichkeit, dem nächsten Auftrag, dem nächsten Urlaub oder der nächsten Partnerschaft. Und dabei übersehen wir, was wir bereits haben. Bekanntlich ist oftmals der Weg bereits das eigentliche Ziel. Auch wenn es abgedroschen klingen mag. Vielleicht sind wir bereits glücklicher, als wir denken. Das finden wir aber nur heraus, wenn wir es uns erst einmal bewusst machen. Wenn wir die gegenwärtige gesellschaftliche Vollbremsung als Chance nutzen, um innezuhalten und uns immer wieder daran zu erinnern, den Moment bewusst zu erleben. Wir haben jetzt alle gerade die Zeit, nutzen wir sie! Und dazu hilft uns im Alltag vor allem mit viel Struktur zu arbeiten. Der Tagesablauf kann mit Routinen und Ritualen strukturiert und auch der Wohnraum gezielt in Arbeits- und Ruheplätze separiert werden. Das gibt Sicherheit. Regelmäßiger, ausreichender und ungestörter Schlaf ist ebenso wichtig für den Körper und die Psyche.

Der Corona-Nachrichtenkonsum sollte daher auf ein Minimum pro Tag begrenzt werden und kurz vor dem Schlafengehen ganz vermieden. Die aktuellen Nachrichten bewusst zu vermeiden galt vielleicht mal als eine Form der Wirklichkeitsverweigerung, tut in der aktuellen Krise aber wirklich mal ganz gut. Wir sollten auch jetzt im zweiten Lockdown wieder darauf achten, unsere sozialen Kontakte zu pflegen und uns regelmäßig mit Freunden und der Familie auszutauschen. Schließlich stehen uns trotz der Distanz allerlei Kanäle zur Verfügung, um uns nah zu bleiben: Telefon, Sprachnachrichten, Videochat, Mail oder vielleicht sogar mal wieder ein handgeschriebener Brief. Bleibt in Kontakt und verabredet euch virtuell zur Kaffeepause, zum Lunch, zum Feierabend-Bier, zum Musik machen oder einfach nur für den gegenseitigen Austausch. Bei Bedarf anderen Hilfe und Unterstützung anbieten. Das gibt einem das Gefühl, handlungsfähig zu bleiben und etwas verändern zu können. Das ist ein starkes Mittel gegen die Ohnmacht, die sich sonst auszubreiten droht. Statt negativer Gedanken, die Aufmerksamkeit auf das richten, was in der Krise getan werden kann.

Sinnvolle und abwechslungsreiche Beschäftigungen sind wichtig. Damit ist nicht gemeint, sich unter Druck zu setzen und in dieser Ausnahmesituation genauso viel zu schaffen und genauso produktiv zu sein, wie unter normalen Bedingungen. Sondern sich zwischendurch etwas Gutes tun, wie ein entspanntes Vollbad oder eine Meditation, dazu Duftkerzen anzünden. Sich leckeres Essen aus dem Lieblingsrestaurant nach Hause bestellen. Musik, Kunst und Kultur in den eigenen vier Wänden genießen. Online gibt es aktuell sehr viele Angebote an Live-Konzerten, 3D-Museumsbesuchen, Sportaktivitäten und vielem mehr. Heutzutage muss nicht ständig die gleiche Serie geschaut werden. In vielen Mediatheken schlummern wahre Schätze, die einen auf andere Gedanken bringen. Ebenso nicht immer die gleiche Playlist hören, sondern mal durch ganz neue Klangwelten stöbern. Vielleicht spornt das sogar dazu an, mal wieder das eigene Instrument abzustauben oder kreativ tätig zu werden wie zum Beispiel zu nähen oder zu zeichnen, um sich die Zeit sinnvoll zu vertreiben. Im vergangenen Monat kamen vermutlich bei vielen von uns unweigerlich die Gedanken, gute Vorsätze zu formulieren. Abnehmen, endlich mit dem Rauchen aufhören, die Ernährung umstellen, mehr Nachhaltigkeit in den eigenen Alltag integrieren – das sind nur die Klassiker in einer langen Liste von Vorsätzen und Beschäftigungsmöglichkeiten. Schlechte Gewohnheiten aufgeben, uns neue Ziele setzen, eine neue leere Seite im Buch unseres Lebens beschreiben und nicht einfach nur den Kopf in den Sand oder besser gesagt unter die Bettdecke zu stecken und die wertvolle Lebenszeit an einem vorbei plätschern zu lassen. Sich stattdessen mit viel Achtsamkeit auf das hier und jetzt konzentrieren. Und dabei auf gute Erfahrungen und Erinnerungen zurückgreifen. Auf das, was man im Leben schon erfolgreich bewältigt hat. Kraftquellen, aus denen wir schöpfen können, um möglichst optimistisch in die Zukunft zu blicken. Das neue Jahr hat uns zwar nicht das Ende der Pandemie gebracht, obwohl wir uns wohl alle den Reset-Knopf gewünscht hätten, um alles auf Anfang zu setzen. Aber wir haben in den vergangenen Monaten bereits viel geschafft und dazu gelernt für das neue Jahr.

Außerdem haben wir sogar verinnerlicht, Abstand zu halten, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sich regelmäßig die Hände zu waschen und zu lüften…. Wer hätte das vor der Pandemie gedacht? Dass sich aber sogar der fromme Wunsch „Bleiben Sie gesund“ mal zu einem richtigen Gruß wie „Auf Wiedersehen“ oder „Bis bald“ etabliert, hätten wir wohl alle wirklich nicht für möglich gehalten. In diesem Sinne: Bleibt gesund! Und positiv, in euren Gedanken, dagegen negativ bei eurem Testergebnis!

Ich bin Laura, 26 Jahre,
absolviere derzeit mein Masterstudium in Kommunikationsmanagement und arbeite nun schon seit einigen Jahren
als Redakteurin für den Mü12 Verlag.