ALTE LIEBE – NEU ENTFACHT

Aug 24, 2020 | ALLGEMEIN, LEBENSART

 

BBBC (Bocholter-Barloer-Barbeque-Connection)

„Im September gibt es ein Barbecue-Special“ frohlockte die Chefredakteurin des PAN – meine Frau Kirsten. Ich ahnte Böses – Unheil drohte. Spontan schoß mir eine Abwandlung von Rainer Maria-Rilke’s „Der Panther“ durch den Kopf … „Sein Blick ist vom Verglühen der Grillkohle, so müd geworden …“

Woran liegt es eigentlich, dass zwei Weber-Kugelgrills, nach etlichen Grill-Sessions, mittlerweile ein sehr trostloses Dasein auf unserem Private-Kitchen-Deck fristen? Ist es das Grillen an sich, was ich müde gemacht hat?Mit einem inspirationsauslösendem Glas Weissburgunder tauche ich ein, in meine Synapsen.

Nach zwei genüsslich geleerten Gläsern, ein paar Notizen auf weißem Papier, kristallisiert sich eine einfache und nüchterne Erkenntnis heraus:
Grillen im Kugelgrill ist für mich, wie Bonbonsmit Papier lutschen. Der geschlossene Grillraum bedeutet für mich Kontrollverlust über das Grillgut und zugleich, unterlassene Hilfeleistung an Augen und Nase.

Ich mag den unverbauten Blick auf die glühende Kohle, den unmittelbaren Geruch, wenn das Fett in die Glut tropft. Fernweh kommt auf nach den Braai-Abenden mit unseren Freunden Jacoline & Johan in Franschhoek / Südafrika. Unvorstellbar, dass sie sich dort den Blick auf das Bushman-TV (offenes Feuer) mit einer Halbschale verdecken würden.

Problem erkannt – aber wo liegt und wie heißt die Lösung? Schlicht und einfach:
BBQ-Disk! Ein Trend, den ich bislang nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte. Nicht wissend, dass es diese Disk inzwischen auch als Zubehör für den Kugelgrill gibt.

Okay, Deal! Ich kümmere mich um das Entmotten und die  rweiterung unserer Grill-Hardware und Kirsten begibt sich auf Software-Einkaufs-Tour.

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Seit der Umsetzung unserer „Kitchen-Stories“ auf der Messe in Essen im letzten Jahr, ticken wir noch extremer, was regionale Produkte und den Kampf gegen Billigfleisch angeht. Mit unserem Denken befinden wir uns in prominenter Gesellschaft. Zu Kirstens Geburtstag Anfang August trafen wir Udo Lindenberg im Hotel Atlantic in Hamburg. Der Abend war zu genial, um über Clemens Tönnies und seiner sehr eigenwilligen Interpretation von „Ich mach mein Ding“ zu plaudern. Komisch finde ich, dass dieses Video im Netz nicht mehr aufzufinden ist. Zurück zum Schönen, zum Genuss. Am Montag, dem 17.08.2020 traf die beschriebene Barbecue-Disc bei uns ein. Am Abend war dann das Einbrennen der Platte auf dem Kugelgrill angesagt – mit einer Mixtur aus Grill-Briketts und Buchenholzscheiten.

Meine wahrgenommene Lücke zum perfekten Grillgenuss wurde geschlossen. Die Disk hat zudem den Effekt eines Glühplattenherdes, der in der Gastronomie so geschätzt wird. Man kann am Inneren des Ringes scharf anbraten und dann das Grillgut zum weiter-brutzeln im eigenen Saft nach außen ziehen.

Als es dämmert, genießen wir bei einem Glas Wein den Schein der offenen Flammen, die durch das Loch in der Mitte der Disk nach oben schlagen. Ein wirklich geniales Teil!

Am nächsten Tag begibt sich Kirsten auf die Jagd, genauer gesagt auf Einkaufstour zu Familie Mölders vom Büffelhof Kragemann und zu Sarah & Dieter Konert von „Das Fleisch“ – beide Höfe sind in Barlo beheimatet.

Was dann folgte waren vier Tage Grill-Marathon.
Allesamt mit sehr beseelten Wow-Effekten. Ein kurzer Abriss, es gab:

– ein Flanksteak von „Das Fleisch“ mit Schmorgemüse

– ein Porterhouse-Steak von „Das Fleisch“ mit gegrillten Pfirsichen und Bratkartoffeln

– Eine Selektion vom Büffelhof Kragemann, bestehend aus: Büffelbratwurst mit einer wildaromatischen Note. Dazu Burger, Fenchel-Bratwurst, Kotelett und Bauch vom Barloer Berkshire-Schwein – einer der ältesten Edelschweinrassen in Europa. Dazu ein Tomaten-Carpaccio auf dem der Große Kragemann (ein Büffelmozzarella) thronte.

– „Surf & Turf“ mit einem Tomahawk-Steak von „Das Fleisch“ und Wildfang-Garnelen

– ausnahmsweise (noch) nicht aus Barlo.

Wir waren echt geflasht von der Qualität dieser Produkte. Die Prachtstücke von „Das Fleisch“ stammen allesamt von der Rinderrasse Blonde d’ Aquitaine – ich glaube ich habe mich ein wenig in diese Blondinen verliebt.

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Stefan Wiegrink: Mein lieber Freund, du als (ehemaliger) Flanksteak-Dealer meines Vertrauens, darfst dich auf ein FSB (Flank-Steak-Battle) freuen.

Liebe Sarah, lieber Dieter, auf eurer Homepage steht geschrieben, dass ihr immer ein „kleiner Geheimtip“ sein wolltet. Damit ist es jetzt leider Schluß – für uns seit ihr ein absolut „großer Geheimtip.“

Ebenso wie die Familie Mölders vom Büffelhof Kragemann mit ihren Produkten. Reinhard Nehls, der Gentleman-Driver (Artikel „Ready for Take-Off“) hatte uns im letzten Jahr schon von dem Umgang der Betreiber mit ihren Tieren und der Verschmustheit der Wasserbüffel vorgeschwärmt.

Lieber Reinhard, dich wird zeitnah eine Einladung von uns zum Wasserbüffel-Kuscheln auf dem Hof Mölders ereilen.

Wir waren wirklich sehr begeistert von der Qualität der Produkte dieser beiden Erzeuger. Ich hatte geplant, eine Homemade- Barbeque-Sauce zu kreieren für dieses Special. Dieser Gedanken geriet vollkommen in den Hintergrund. Den Geschmack dieser Produkte haben wir lediglich mit frisch gemörstem Pfeffer und Meersalz unterstrichen. Zu allen Barbeque-Sessions haben wir Weine genossen. Weine von Weingut Metzger – aufgrund der Nähe zum Thema, Weine von unseren Freunden Eckhard & Heike Kloster-Kraul und … aufgrund eines aktuellen, frankophilen Projektes, Weine von der Loire. Ich wollte ein paar junge Freunde den Unterschied zwischen den Trend-Weißweinen Sancerre und Poully Fumé erschmecken lassen. Beim Absortieren der Weine aus dem Regal hatte ich meine Lesebrille nicht auf und staunte nicht schlecht, als aus der gut gekühlten Sancerre-Bottle feinster Rotwein ins Glas strömte. Was ich bis dato nicht wusste, dass in und um Sancerre vereinzelt Pinot Noir (Spätburgunder) angebaut wird. Damit schloß sich durch Zufall der Kreis zu der Aussage unserer Freunde von Kloster-Kraul, dass man zu Gegrilltem auch gut einen gekühlten Spätburgunder verkosten sollte.

Wir haben jetzt Sonntag, ich höre Kirsten in unserer Küche brutscheln – es gibt Pasta mit Steinpilzen, worauf ich mich nach den Fleischorgien der letzten Tage tierisch freue.

Worauf ich mich nach den ganzen Home- Grilling-Sessions aber auch freue, sind die Besuche bei den Menschen, die diese Barbecue- Passion professionell betreiben. Ich freue mich auf ein gutes Stück Fleisch z.B. bei unseren Freunden von Mahl & Meute.

Mit dem Geschäftsführer Jan Scheidtsteger, habe ich während des Lockdowns das ein oder andere Weinchen, bei einem nächtlichen Zoom-Meeting geleert. Vielleicht sehen wir uns dort zu deren Meatwoch.

Ich freue mich auch auf den weiteren Austausch mit Menschen, denen ein gutes Stück Fleisch eine Herzensangelegenheit ist, wie z.B. die Metzgersfrau Claudia Buchow. Nur diese Insider können uns mit ihrem Wissen und ihren Ideen zu „vergessenen Fleischstücken“ inspirieren -schmackhafte Produkte jenseits der Mainstream-Auslagen der Discounter.

 

Viel Spaß am Grill …

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