Angekommen Was haben die Niagara-Fälle mit der Gastro-Szene in Bocholt zu tun?

Dez 2, 2019 | Menschen, PORTRAITS, TITELSTORY

Freitagvormittag – mit den Handys am Ohr und einem Kaffee in der Hand laufen wir durch die Räumlichkeiten unserer Agentur …
Punkt 11 Uhr, es klingelt es an der Tür.
Philip Traber… auf die Sekunden genau, betritt unsere Redaktion.
pan: Philip, deine Pünktlichkeit ist beeindruckend. War das Zufall oder ist dir das wichtig?

Philip Traber: So wurde ich erzogen.

pan: Okay. Klären wir dein Motiv für diesen Artikel. Was muss nach dem Lesen anders sein als vorher?

Philip Traber: Bestenfalls wissen die Leser des PAN’s, wer Familie Traber ist, was uns mit Bocholt verbindet und was man von uns erwarten darf. Zudem würden wir gerne etwas klarstellen.

pan: Okay, wer seid ihr? Baujahr,
Wurzeln, etc. Das ganze Programm …

Philip Traber: Meine Frau Belinda ist 38 Jahre alt. Ich bin 45 Jahre und unser Sohn Toni ist acht.

Wir kommen beide aus Düsseldorf.
Belindas Mama betreibt heute noch auf dem legendären Düsseldorfer Carlsplatz die Institution „Toni’s Reibekuchen.“ Unsere Wurzeln liegen im Schaustellergewerbe, in dem wir aufgewachsen sind.
pan: Der Name Traber ist weltweit bekannt. Wie sieht die Geschichte dahinter aus?

Philip Traber: Mein Bruder Kevin könnte das ziemlich genau sagen. Der hat unsere Wurzeln bis Ende des 16. Jahrhunderts zurückverfolgt. Kevin und ich sind Sprösslinge einer Artistenfamilie, genauer gesagt einer Hochseil-Dynastie. Unser Onkel hat auf dem Hochseil z.B. die Niagara-Fälle überquert. Unser Vater, der Mittelpunkt der damaligen Traber-Renz-Truppe, hat Mitte der 60ziger den Einstieg ins Schaustellergewerbe gesucht und gefunden. Als reisender Artist lag das Schaustellergewerbe am nächsten. Etwas weniger gefährlich und gleichsam genau so mutig, nur auf einem anderen Level. Unser Vater gab den großen mobilen Ausschankwagen in Auftrag, der heute noch auf den größten Kirmessen in Deutschland unterwegs ist.

pan: Und wie ist daraus “Traber Event” entstanden?

Philip Traber: Nach dem Tod unseres Vaters im Jahr 2004 haben mein Bruder Kevin und ich mit unseren Frauen einen neuen Weg eingeschlagen. Neben dem Bier-Business auf der Kirmes haben wir gemeinsam weitere Projekte kreiert und umgesetzt – auch hier in Bocholt. An der Schanze in der Innenstadt haben wir den “Bocholt-Beach” 2005 gegründet, der von Kevin und Diana geführt wurde. Ein Jahr später wurde die “Bocholt-Beach-Bar” zur Fußball-WM an die Ravardistraße vermietet. Durch den großen Erfolg in Bocholt sind daraus dann in NRW weitere “Beach-Clubs” entstanden. Belinda und ich haben parallel dazu den Ausschank 2.0 auf den Kirmessen betrieben. Nach dem Trend der Beach-Clubs” haben Kevin und Diana das Geschäft mit der Bayern-Festhalle deutschlandweit ausgebaut, die auch jahrelang Bestandteil der Bocholter Kirmes war. Wir haben als Familie für jedes Volksfest, auf dem wir vertreten sind, individuelle Konzepte entwickelt und gehören dort zu den festen Institutionen. Darauf sind wir unheimlich stolz. Wir haben mit jeder dieser Städte eine besondere Beziehung. Unser Lebensmotto “Keine Sekunde ohne Leidenschaft” ist nicht nur eine Floskel. Das merken die Menschen, die wir auf jedem Fest begeistern.

pan: Dein Bruder Kevin und du gehen seit diesem Jahr beruflich getrennte Wege. Wie muss man das verstehen?

Philip Traber: Wir haben gemeinsam als gesamte Familie unheimlich viel geschaffen und umgesetzt. Aber jetzt war die Zeit Reif für eine Veränderung. Nachdem Belinda und ich unser gesamtes Leben auf Reisen waren, war es nun an der Zeit, dass wir uns in Bocholt niederlassen. Unser Sohn Toni spielt dabei natürlich auch eine Rolle.

pan: Okay, verstanden. Aber warum Bocholt? Welchen Reiz strahlt dieses Städtchen an der Aa auf einen Reise-Erprobten wie dich aus?

Philip Traber: Mit etwas Melancholie könnte ich behaupten, dass es mein erster Kuss war. Ich war damals 14 und abermals auf der Kirmes in Bocholt. Ich bin auf dieser Kirmes groß geworden … na, ja …
zumindest 14 Tage in jedem Jahr.

Ohne diese Melancholie bleibt die Bilanz, dass wir schon seit 15 Jahren einen Fuß in der Tür dieser Stadt haben. Kevin hat damals am Aasee zunächst eine „BeachBar“ betrieben und schon damals habe ich mich in diese Kulisse am See verliebt. Als dann die Chance kam, das Strandcafe “Ottilie” zu übernehmen, mussten wir beide nicht zweimal überlegen. Das ist nun 12 Jahre her. Als wir dann auf der Suche nach einem Firmensitz für unseren Fuhrpark waren, sind wir in Biemenhorst schließlich fündig und dann auch gleich in Bocholt sesshaft geworden.

Kevin und Diana bleiben in Düsseldorf und führen ihre Geschäfte von dort aus weiter – außer natürlich in der Weihnachtszeit. Da sind die Zwei auch in Biemenhorst Zuhause.

In Bocholt haben Belinda und ich das Gefühl, angekommen zu sein. Die Menschen, die vielen Vorzüge dieser Stadt und natürlich die verschiedenen Möglichkeiten, unsere Erfahrungen im Eventbereich einzubringen, machen Bocholt zu dem Ort, wo wir sein wollen und uns als Familie etwas aufbauen möchten.

pan: Du spielst auch auf das Aasee-
Festival in 2020 an?

Philip Traber: Ja, natürlich auch. Wir denken aber auch an unsere Anfänge zurück, als wir vor 15 Jahren mit unseren verrückten Ideen das Vertrauen der Verantwortlichen geschenkt bekommen haben. Wir waren Schausteller der ersten Stunde des Bocholter Weihnachtsmarkts und waren immer Feuer und Flamme, wenn es darum ging, etwas Besonderes für Bocholt umzusetzen.

pan: Kommen wir zurück zum Thema Zäsur. Bei all den verschiedenen Projekten, die ihr beiden Brüder aus dem Boden gestampft habt, wo steht denn jetzt welcher Traber dran bzw. drin? Wo treffen wir deinen Bruder und dich an?

Philip Traber: Zunächst einmal das Wichtigste: Wir sind als familiärer Betrieb gemeinsam gewachsen und haben alles zusammen als Familie aufgebaut. Dazu zählen neben diversen Sonderveranstaltungen in ganz Deutschland, die bekannten Marken der Ausschank 2.0, die Bayern-Festhalle, der Golden Grill Club und natürlich auch das Bocholter-Strandcafé “Ottilie”. Mein Bruder und ich haben uns mit unseren Frauen die Aufgabenbereiche des Untermnehmens immer aufgeteilt. Jetzt ist der Punkt da, wo wir uns gemeinsam nach mehr Einfachheit und Selbstbestimmtheit gesehnt haben. Und so haben wir den gemeinsamen gebackenem Kuchen gerecht und einvernehmlich unter uns aufgeteilt. Um das speziell für die Bocholterinnen und Bocholter ein Stück greifbarer zu machen, obliegen Kevin und seiner Frau mit ihrem Umternehmen „Traber Event “ folgende lokale Projekte:

Kevin und Diana bewirtschaften jetzt den legendären “Traber-Stand” auf der Kirmes allein, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum in Bocholt gefeiert hat. Den großen Glühweinstand auf dem Bocholter Weihnachtsmarkt führen die beiden schon seit Bestehen. Die Eisbahn und die Almhütte kamen im Jahr 2016 dazu. Ich bin schon seit ewigen Zeiten parallel auf dem Weihnachtsmarkt in Moers. Das wir uns schon immer in der Weihnachtszeit aufgeteilt haben, wissen leider die wenigsten.

Belinda und ich konzentrieren uns fortan auf den Aasee in Bocholt und seit diesem Jahr auf meine “PT Eventagentur”. Belinda leitet mit viel Herzblut unser Strandcafe. Seit dem vorletzten Sommer haben wir dort auch eine Bootsvermietung angesiedelt und viele spannende Pläne für die Zukunft. Und wenn man ein solch schönes Areal täglich vor Augen hat und zudem eine DNA mit dem Hang zu gastronomischen Drahtseilakten, dann ist ein Aasee-Festival im Jahre 2020 eher Konsequenz als Utopie.
pan: Okay Philip, dann sind wir gespannt, was wir von Belinda und dir im nächsten Jahr erwarten dürfen und was ihr in eurer Eventagentur sonst noch entwickelt. Und natürlich schauen wir uns im Folgebericht im Januar-PAN 2020 einige Ideen von euch beiden genauer an – nicht auf dem Hochseil, sondern eher hinterm Tresen … aber nicht minder spannend.

Merci für deine Zeit, für das pünktliche, 55-minütige Gespräch.

Philip Traber: Sehr gerne.
Bis zum nächsten Mal.