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Au Backe

von | Jan 3, 2022 | VITAL

Auch Tiere haben Zahnschmerzen!

Von A wie Altdeutscher Schäferhund bis Z wie Zwerghamster gilt: Alle Tiere können unter Erkrankungen der Maulhöhle insbesondere Zahnschmerzen leiden. Häufig bleibt diese Problematik unentdeckt, da viele Tiere eine gründliche Untersuchung des Mauls kaum erdulden oder dem Besitzer das nötige Knowhow fehlt. Umso mehr ist die Information für Sie, liebe Tierhalter, wichtig, woran ein zahnkrankes Tier erkannt wird. Ein häufiges Symptom ist die Anorexie (Fressunlust). Darüber hinaus werden Beobachtungen wie Maulgeruch, schiefes oder zögerliches Kauen und unter Umständen sogar Schwellungen im Kopfbereich gemacht.

 

Heimtiere – wie Kaninchen, Meerschweinchen und Co – unterscheiden sich zahnheilkundlich sehr von den Fleischfressern. Sie haben fortwährend wachsende Zähne, die sich während der Kaubewegung abnutzen. Ungeeignetes Futter, erblich bedingte Fehlstellungen, Unfälle oder Verformungen des Kiefers im Alter lassen die Zähne aneinander vorbeiwachsen, so dass sogenannte Zahnspitzen entstehen können. Diese verletzen die Zungen- oder Backenschleimhaut. Fehlgestellte Schneidezähne können so lang werden, dass eine Futteraufnahme unmöglich wird. In solchen Fällen ist die Tierarztpraxis gefragt. Die Zahnspitzen müssen entfernt und überlange Zähne gekürzt werden. Bitte denken Sie daran, dass eine Backenzahnkorrektur nie am wachen Patienten erfolgen darf! Prophylaktisch kann bis auf die artgerechte Fütterung mit einem hohen Rohfaseranteil beim Einzeltier wenig getan werden. Aber erkrankte Tiere sollten unbedingt von der Zucht ausgeschlossen werden, um eine Weiterverbreitung der erblich bedingten Fehlstellung, die vor allem beim kurzköpfigen Tier auftritt, zu verhindern.

Hund und Katze hingegen wechseln im Alter von 3 – 6 Monaten ihr Milchgebiss und haben dann so wie der Mensch bleibende Erwachsenenzähne. Hauptproblem der Fleischfresser ist die Zahnsteinbildung. Die bakterielle Plaque auf dem Zahn lässt Kristalle ausfallen, die beginnend am Zahnhals den ganzen Zahn in Form von Zahnstein überwuchern können. Entwickeln sich dann Irritationen im Wurzelbereich entsteht eine Parodontitis, die die Zähne wackeln und ausfallen lässt. Aufgabe der Tierärztin oder des Tierarztes ist es dann, eine Zahnsanierung durchzuführen.
Nach Entfernung des Zahnsteins wird Zahn für Zahn auf seinen Erhaltenswert geprüft. Gelockerte Zähne müssen häufig gezogen werden, da beim Tier Parodontosebehandlungen auf einem humanmedizinischen Niveau in aller Regel zu aufwändig sind und in der Tiermedizin nur unter Narkose durchgeführt werden können.

 

Im Gegensatz zum Menschen leiden Tiere nur in seltenen Fällen an Karies. Dafür gibt es andere, noch wenig bekannte Erkrankungen. So leiden 75 % aller Katzen an Zahnsubstanzresorptionen (FORL). Hier bauen körpereigene Fresszellen den Zahn ab. Dies ist ein schmerzhafter Prozess und führt zu Zahnverlusten. Auch hier kann dem Patienten nur eine rigorose Operation helfen, um die Schmerzfreiheit zu erzielen. Der Gedanke an eine zahnlose Katze sollte Sie nicht abschrecken, da die meisten Tiere freundliche Dosenöffner haben und sich ihr Futter nicht selbst erjagen müssen.

Nicht zuletzt sei die Traumatisierung von Zähnen durch Unfälle oder durch starkes Benagen von hartem Material erwähnt. Frisch frakturierte Zähne werden in der Tierarztpraxis mit einer Kunststofffüllung versorgt, um ein Absterben des Zahns zu verhindern. Dem gegenüber steht gerade beim Hund das sogenannte Abrasionsgebiss. Das dauerhafte Spiel mit Steinen, Holz und sogar Tennisbällen führt zum Abrieb der Zähne. Oft bleibt der Nerv des Zahns aufgrund eines Reparaturprozesses trotz massiver Zahnverkürzung verschont, so dass ein tierärztliches Eingreifen nicht unbedingt nötig wird.

Stellt sich die Frage, was prophylaktisch für die Zahnerhaltung unserer Vierbeiner getan werden kann. Schon im Welpenalter ist den Tieren anzugewöhnen, dass eine gründliche Maulhöhlenuntersuchung zum Alltag gehört. Spätestens wenn der Zahnstein zu Zahnfleischirritationen führt, ist eine Zahnreinigung angezeigt. Der Einsatz von Trockenfutter, Kauknochen und speziell entwickelte Pasten aus der Tierarztpraxis vermindern die Plaquebildung an den Zähnen, so dass die Zahnsteinneubildung verzögert wird.

Ein besonderes Anliegen ist mir die kieferorthopädische Prophylaxe bei Jungtieren. Erblich bedingte Zahnfehlstellungen können gerade beim Hund Selbstverletzungen in der Maulhöhle verursachen. Dann ist eine Praxis mit entsprechender kieferorthopädischer Ausrüstung gefragt. An dieser Stelle sei nochmals auf die Zuchthygiene verwiesen, denn die wichtigste Prophylaxe bei kieferorthopädischen Problemen ist die Ausmusterung von Tieren mit erblich bedingten Zahnfehlstellungen. Dem Einzeltier kann allerdings in vielen Fällen durch eine frühzeitige Entfernung einzelner Milchzähne geholfen werden, um den bleibenden Zähnen Platz zu machen. Auch hier ist die Einschätzung einer fachkundigen Tierarztpraxis gefragt.

Ihnen und Ihren Tieren wünsche ich einen zahngesunden Start in das Jahr 2022 und verbleibe mit Grüßen bis zum nächsten Beitrag „Wenn Tiere sterben – Tod eines geliebten Haustiers“.

 

Ihre Dr. Simone Möllenbeck

Dr. Simone Möllenbeck
Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

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