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Auf ein Bier mit Frank Zander

von | Nov 29, 2021 | Lebensart, Personen, Portraits

Det Berliner Original in Bocholt

Es ist Samstag, der 13. November um kurz vor vierzehn Uhr. Wir treffen uns im Hotel Am Erzengel zum Exklusivinterview mit Frank Zander. Im Rahmen der Vernissage „Frische Fische für Bocholt“ der Artnetwork Galerie, dem Kunsthandel Koenen hat der Inhaber des Kunsthandels, Peter Koenen dieses Interview möglich gemacht. – Danke Peter, es war eine Wucht diesen überaus sympathischen Frank Zander kennenzulernen und zu sehen, was Ihr zusammen auf die Beine gestellt habt!

pan: „Frank, wir sind der Kulinarik sehr zugetan. Von daher ein paar „Warmquatschfragen“ aus diesem Bereich. Fisch oder Fleisch?”

Frank: „Fleisch! Nen Zander kommt mir nicht auf´n Tisch!“

pan: „Spaghetti- oder Kartoffelkind?“ 

Frank: „Spaghetti!“

pan: „Wein oder Bier?“

Frank: „Wein! Ick bin ja Kiez-Kneipen-Bewahrer von Schultheiss in Berlin und da ick immer 15 Kästen umsonst nach oben geschleppt kriege, trinke ick det. Aber ich liebe auch Wein. Weil, gestern ist mir det so aufgefallen. Rosé dachte ick zu diesem fantastischen Essen hier im Erzengel is och nicht schlecht. Bier klar, det wir Berliner Bier trinken, aber in diesem Fall sag ick mal Wein.“

pan: „Sekt oder Selters?“

Frank: „Ja, Sekt!“

pan: „Cognac oder Whiskey?“

Frank: „Oh! Det sind braune Getränke.
Die haben zu viel Energie. Also Wodka!“

pan: „Anis oder Pfefferminz?“

Frank: „Pfeffi, den lieb ich ja! – Dieser furchtbar grüne Pfeffi, det is so ein Schweinegetränk!

pan: „Frische Fische für Bocholt! Wie fing das mit der Malerei an?“

Frank: „Da war ick in Hamburg. Wir haben eine Galerie in einem Kaufhaus besucht, wo der Galerist seine Bilder ausstellt. Dort ganz oben, wo Lindenberg och mit seinen Bildern steht. Da wurde ick gefragt: „Wir haben gehört, Sie malen auch. Wollen Sie nicht hier ausstellen? Klar hab ick gesagt. Det kann ick! Det machen wa so! Denn ick meine, ich habe ja nun Malerei studiert. Und wenig später waren diese ersten Sachen da, in der Galerie! Udo malt Udo, Otto malt Ottifanten und ick zeichne die Fische! Det ist doch allet logisch ….

pan: „Lass uns über dein Herzensprojekt sprechen. Du engagierst dich unermüdlich für die Obdachlosen in Berlin. Rund 3.000 Obdachlose habt Ihr jahrelang im Hotel Estrel bewirtet, bis Corona kam. In diesem Jahr seid Ihr wiederholt mit Foodtrucks und Rundfahrten unterwegs.“

Ich bin ein kreativer Kneipen-Eckensteher. Da beobachte ich die Leute, da fallen mir Sachen ein und die schreibe ich auf. Daraus entsteht immer was.

Frank Zander

Frank: „Ja, dieses Projekt ist mir sowas von wichtig! Der Udo ja hat auch sehr viel gemacht und so. Er ist noch ein bisschen jünger als ich und wird immer dran bleiben. Wir würden uns freuen, wenn Udo sich mal bei unserem „Weihnachten mit Frank Zander“ sehen lassen könnte. Ich bin in diesem Projekt seit 1995 sehr sozial engagiert, deswegen habe ich natürlich dann so den Blick auf diese Dinge, wie er ja auch. Wir haben sehr viele Prominente, die uns unterstützen und die sagen, wenn der kommt, dann komm ich nicht. Der hat ja ne Präsenz! Aber ich warte ich mal. Vielleicht kommt er ja. Der ist glaube ich genau wie Otto. Wenn die irgendwo reinkommen, dann sind die anderen natürlich blass.“

pan: „Otto kennst du gut, oder?“

Frank: „Jawoll! Wir verstehen uns gut, weil wir haben ja eine Kinderstube. Beim WDR ist die erste „Otto Show“ entstanden. Der Produzent hieß Rolf Spinrads und sein Sohn ist heute noch unterwegs. Otto, die erste Show und dann auch meine „Platten Küche“ und „Bananas“. Oder auch Hape Kerkeling, all das sind wir, die Kinder vom WDR.“

pan: „Frank, du bist Baujahr 1942. Ein Highlight aus diesem Jahrgang. Fast 80zig – Unfassbar! Erzähl doch mal.…“

Frank: „Ok, ick bin ja Kriegskind. Das kann man gar nicht so verstehen, denn es war wirklich alles verrückt. Wir zogen aus Berlin ins Riesengebirge, wo wir ein paar Jahre gelebt haben. Da habe ich eine sehr schöne Kindheit erlebt. Da kommt oft die Frage: „Wie war denn Weihnachten? Winter?“ Da war die Kirche. Es war alles verschneit und es knirschte beim durch den Schnee Laufen. Man hat sich gefreut über einen Weihnachtsbaum. Kleine Kerzen waren da noch zuständig für das ganze Licht, denn es gab ja damals Stromsperren. Und ich habe die erste kleine Eisenbahn bekommen.

pan: „Dann kamst du wieder nach Berlin, nach eurer Rückkehr aus dem Riesengebirge. Berlin ist groß. Wo bist du aufgewachsen?“

Frank: „Ich bin am Karl-Marx-Platz groß geworden. Also wirklich tiefstes Berlin. Deswegen fühl ich mich auch als letzt-
lebender Berliner in meiner Branche, weil irgendwie viele zugezogen sind oder viele andere schon den Löffel abgeben haben.“

pan: „Fred Sonnenschein und die Hamster! Alles Gute zum Geburtstag war der Birthdaysong! Vermisst du die pelzigen Jungs manchmal, oder liegen sie gar im Winterschlaf irgendwo eingemottet?“

Frank: „Ja, die sind eingemottet, weil meistens waren da kleene Mädchen drin und die haben sich immer beschwert, weil es da drunter so stickig war. Es war aber auch sehr stickig! Hab ick damals ganz schnell bauen müssen. Diese Haube, also das Gesicht von Max war im Grunde ein Drahtgestell und die Windeln von unserem Sohn. Die habe ich dann mit Leim und Gummigespann modeliert. „Wenn wir alle Englein wären“, war plötzlich in den Hitparaden, da mussten wir loslegen. Ich hatte die gezeichnet, Mäxchen und Fritzchen. Nach der Zeichnung musste ich in einer Woche fertig werden. Ich konnte doch nicht in die Hitparade kommen und da singen, ohne die Hamster! Und so wurden die beiden Viecher dann fertig. Mit Hilfe von Freunden und Familie. Da war noch Pattex drin, dieser Quatsch. Da wankten die, die da drin waren vor lauter Pattexgeruch und wir haben det gar nich gemerkt …“

pan: „Einer deiner Erfolgssongs ist „Hier kommt Kurt!“. Du heißt Frank Kurt Zander. Warum ausgerechnet Kurt und nicht Frank?“

Frank: „Den hab ich mal auf Mallorca erfunden! Det ging ganz schnell. Innerhalb von drei Tagen haben wir det Ding geschrieben. (Bei anderen Songs schreibst du dir manchmal ´nen Wolf …) Ich brauche immer eine Figur, in die ich hineinschlüpfen kann. Kurt ist so einer! Kurt ist cool und ja, ich meine auch so ´n Frauentyp. Und irgendwie hat Kurt da ja auch wat von Frank. 

Außerdem gibt es Kurt Klein, einen Berliner Rennfahrer, der sich natürlich auf sein Schild geschrieben hat: „Kurt Klein, der Rennfahrer ohne Helm und ohne Gurt“. Oder Kurt Biedenkopf, der kam immer mit dem Lied rein ….“

pan: „Könntest du uns nur ein Musikstück vorspielen, von dem du nach wie vor total begeistert bist … welches wäre das?

Frank: „Ach ja, was mich durch mein Leben begleitet hat, das ist das Lied „Afrika“ von Toto! Das habe ich mal auf einem Segelboot gehört, bei Sonnenuntergang. Und das hat sich so eingebrannt bei mir. Det is immer haften geblieben, wie meine Frau!“

pan: „Das ist sehr schön, denn ihr habt 1968 geheiratet.“ 

Frank: „Also ja, ich meine, wenn ich Kollegen sehe, die zum sechsten Mal geheiratet haben oder sieben Kinder von unterschiedlichen Frauen haben und so …
Ja – ich meine, das kann man ja alles machen, aber das ist doch unfair! Klar kenne ich auch viele Frauen oder Models, die nach ´nem Konzert kommen, und sagen „Fränkilein“, komm doch mal ein bisschen näher. Aber meine Frau sagt dann immer im richtigen Moment, nicht so dicht jetzt!“ 

pan: „Wo und wie hast du Peter vom „Kunsthandel Artnetwork“ kennengelernt? Denn ohne die Malerei wärest du wahrscheinlich heute nicht hier, oder?“

Frank: „Naja, det war in Berlin irgendwann. Glaubt man gar nicht. Das war zu einer Veranstaltung meines Sohnes. Also, wir haben ja einen Verlag. Hab ich übrigens alles an meinen Sohn übergeben. Ja, da haben wir uns kennengelernt. Beim Record-Release. Det war nett mit einem Orchester und det war ziemlich elitär und so weiter. Peter war dort eingeladen über Matthias Kamps, der hier aus dem Nachbarort Rhede kommt. Matthias spielt bei der Komischen Oper in Berlin. Ja, so kam det! Und nun bin ick hier!“

pan: „Lieber Frank, es war mir eine Ehre mit dir zu plaudern. Wir hätten noch Gesprächsstoff von hier bis zum Mond … Danke Peter, dass wir diesen verrückt, ironischen und zugleich besonnenen wie tiefgründig und sozialen Frank Zander kennenlernen durften!“

Weitere Infos und Kontakte zu Frank Zander, seinen Bildern, seinem Projekt Obdachlosenfest und zum Spendenkonto gibt es hier:

www.frank-zander.de

www.artnetwork-shop.de

www.obdachlosenfest.de