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Autsch, auch Tiere haben Schmerzen!

Feb 25, 2021 | VITAL

Die Frage nach der Schmerzhaftigkeit einer Erkrankung bei Bello, Mieze und Hoppel begleitet mich täglich in meiner Kleintierpraxis und das insbesondere in der Tierzahnsprechstunde. Ein gemeinsamer Blick ins Maul lässt so manchen Tierbesitzer erschrecken und es folgt regelmäßig die Frage, warum der geliebte Vierbeiner denn keine Krankheitssymptome gezeigt hat. Diese Diskussion beschäftigt Forscher und Veterinärmediziner schon seit Jahrhunderten. Damals wurde den Tieren das Vermögen, Schmerzen wahrzunehmen, strickt abgesprochen. Uns Tierliebhabern ist es aber heutzutage ein ganz besonderes Anliegen, dass es den Fellnasen an unserer Seite gut geht. Mehr zum Thema Schmerzwahrnehmung und Schmerzausschaltung erfahren Sie beim Weiterlesen.

Au Backe! Zahnfraktur beim Hund, blutige Zahnfleischentzündung der Katze sowie Abszess im Kaninchenkiefer sind die typischen Diagnosen in der Tierzahnsprechstunde. Ein Blick ins Maul und die weitere Diagnosestellung durch das dentale Röntgen bringen regelmäßig Erschreckendes zu Tage. Oft ist es unvorstellbar, dass bei einer derartigen Diagnose der vierbeinige Patient überhaupt noch gefressen hat. Sicher ist ein genaues Hinschauen nötig, um beim eigenen Haustier einen schmerzhaften Prozess zu erahnen, denn nach dem Motto „Survival oft the fittest“ fressen Hund, Katze, Kaninchen und Co trotz heftigster Zahnschmerzen tapfer weiter. Aus diesem Grund wurde den tierischen Schmerzen auch lange keine besondere Bedeutung zuteil. Auch ich habe schon zu Zeiten praktiziert, in denen nach Operationen überlegt wurde, ob es überhaupt sinnvoll ist, den vierbeinigen Patienten die postoperativen Schmerzen zu nehmen. Denn Tiermediziner waren damals in Sorge, dass sich die Patienten nach großen Operationen möglicherweise nicht genug schonen würden.

 

Nur den Sprechenden kann geholfen werden?! Natürlich fehlt den Tieren das Sprachvermögen, ihre Schmerzen zu beschreiben. Da sind wir Menschen viel besser gestellt. Wir können den Ärzten stets sagen, wann es wo und wie zwickt. Was würde ich als Tierärztin darum geben, mit meinen Patienten wie Doktor Dolittle während der Konsultation ins Zwiegespräch zu kommen. In vielen Fällen hilft die Information, ob der Schmerz drückend, stechend oder pochend ist und ob er am Tag oder in der Nacht am schlimmsten quält, bei der Diagnosestellung sehr wohl. Aus diesem Grunde nehme ich die Beobachtungen der Tierhalter besonders ernst, denn Sie sind 24 Stunden am Tag mit Bello, Mieze und Hoppel zusammen und können sehr gut beschreiben, ob Bello sein Futter anders kaut, ob Mieze nicht mehr zum Schmusen kommt oder ob Hoppel sich immer wieder mit den Pfötchen das Mäulchen reibt.

Eine besonders wichtige Information für Sie ist, dass die meisten Tierarten gängige humanmedizinische Arzneimittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen überhaupt nicht vertragen und aus der Gabe tödliche Vergiftungen beim Tier entstehen können. Bitte fragen Sie erst in der Tierarztpraxis nach, bevor Sie voreilig in Ihre eigene Hausapotheke greifen. Hier kann Ihnen eine tierische Hausapotheke mit gut verträglichen Arzneimitteln zusammengestellt werden, um Ihrem Vierbeiner erste Hilfe bei akutem Schmerz leisten zu können. Inzwischen sind sogar Medikamente auf dem Markt, die bei chronischen Erkrankungen wie Arthrose oder palliativen Maßnahmen wie bei Krebserkrankungen lange Zeit fast nebenwirkungsfrei gegeben werden können. Die Gabe dieser besonderen Schmerzmittel ist eine wichtige Maßnahme fürs tierische Wohlbefinden, wenn eine Operation dem Patienten nicht mehr helfen kann.

Keine Angst vor der Narkose! Häufig handelt es sich um sehr alte Patienten, die in meiner Zahnsprechstunde vorgestellt werden. Aus diesem Grund ist mir der Hinweis sehr wichtig, dass das Alter des Patienten meist kein Narkosehindernis ist. Inzwischen werden auch in der Tierarztpraxis präoperative Blut- und Herzuntersuchungen vorgenommen, um die geeignete Narkoseart für eine große Operation auszuwählen. Ein kleines Restrisiko kann weder in der Human- noch in der Tiermedizin ausgeschlossen werden, aber es ist kein Grund, den Vierbeiner seinen Schmerzen zu überlassen. Zur Frage, ob der Patient sich nach einer Operation vielleicht nicht schont, wenn ihm die Schmerzen genommen werden, müssen Sie bedenken, dass sich Tierhalter lediglich an die Anweisungen der Tierärztin oder des Tierarztes halten müssen, um Überlastungen zu vermeiden. Neue Studien belegen sehr wohl, dass sich auch tierische Patienten nach einem Eingriff schneller erholen, wenn sie schmerzfrei sind. Diese Verantwortung obliegt heutzutage den Menschen, die den vierbeinigen Patienten nach einer Operation begleiten. Wussten Sie schon, dass es inzwischen Schmerztabletten mit Fleischaroma und Schmerzsaft mit Vanillegeschmack gibt? Dies ist ein Hinweis für den Fall, dass Bello, Mieze oder Hoppel das Medikament nicht einnehmen will.

 

Zum Schluss möchte ich Ihnen zusammen mit den Vierbeinern einen fröhlichen und vor allem schmerzfreien Frühlingsbeginn wünschen und ich verbleibe mit dem Ausblick auf meinen nächsten Artikel „Lebensrettung durch Blutspende“

 

Ihre Dr. Simone Möllenbeck