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BELLO IST WEG! TIPPS ZUM ANTIJAGDTRAINING

von | Okt 29, 2021 | VITAL

Geht es Ihnen auch manchmal so wie dem Komödianten Otto Waalkes?
Der sagt: „Mein Hund hört immer auf mich. Wenn ich rufe, Kommst du her oder nicht?‘ Dann kommt er oder halt nicht.“ Was manche Hundehalter erheitert, treibt andere in den Wahnsinn, denn das Jagen von Wild, Katzen oder gar Joggern sowie Skatern kann gefährlich werden.

Nichts ist schöner als ein entspannter Spaziergang mit Bello bei Sonnenuntergang. Aber gerade in der Dämmerung ist viel Wild unterwegs. Hundebesitzer mit einem Tier, das unerwünschtes Jagdverhalten zeigt, halten derweil unbewusst Ausschau, um die Beute schneller als ihr Begleiter zu entdecken. Der Hund spürt dieses Verhalten und stellt folgende Verknüpfung her: Wenn Frauchen hektisch wird, dann lohnt es sich erst recht, nach Jagdzielen zu spähen! So sollte es natürlich nicht sein. Um der Ruhe willen gehören Vierbeiner mit Jagdpassion immer an die Leine. Auf diese Weise können Sie sich entspannen und Ihr Begleiter kann in Ruhe schnüffeln.  Hierzu eignet sich eine 10 Meter lange Schleppleine und ein Geschirr, welches im Gegensatz zum Halsband ein Wirbelsäulentrauma verhindert, wenn Bello plötzlich in die Leine springt. Denken Sie daran: Nicht nur der Jagderfolg belohnt Ihren Hund, sondern bereits die Hatz führt zu einer Ausschüttung von Glückshormonen, die süchtig machen können.

Damit die Zeit an der Leine nicht eintönig wird, ist Kreativität gefragt. Schließlich muss der Verlust des Hobbies bei passionierten Jägern ausgeglichen werden. Der Halter muss klar signalisieren, was der Hund tun soll und dem Vierbeiner auf diese Weise Alternativen zur Solojagd bieten. Gehorsam trainieren gibt Sicherheit, das Einüben von kleinen Kunststücken vertreibt Langeweile und die Belohnung anderer Aufgabenstellungen, wie beispielsweise den Blickkontakt suchen, verstärkt die Bindung von Hund und Besitzer. Ich bin ein Fan von Apportierübungen, die dem vierbeinigen Begleiter nicht nur mit dem Futterbeutel Spaß bringen. Manche Hunde räumen den Wald regelrecht auf, um für einen besonders schönen Fund Lob und Leckerchen zu ernten. An dieser Stelle heißt es für den Halter, sich immer zu freuen, egal was der Freund so bringt, denn es könnte auch mal ein Giftköder sein, der apportiert und nicht gleich verschlungen wird.

Bei Junghunden gilt: Wehret den Anfängen! Es ist von Vorteil, wenn schon dem Welpen vermittelt wird, es sind weder Vögel noch Schmetterlinge zu jagen. Natürlich wird der Kleine noch keinen Jagderfolg haben, aber er übt für später. Lenken Sie beim Welpen den aufkeimenden Jagdtrieb um: Weg vom Vogel hin zum Spielzeug. Schon der Welpe sollte erlernen, dass beim Spaziergang Wege nicht verlassen werden. Wenn Bello dann doch Hackengas gegeben hat und Sie unglücklich am Wegesrand stehen, dann wird Ihnen eine besonders schwere Aufgabe zuteil. Irgendwann erinnert sich der Wilderer auf vier Pfoten an sein Rudel und kehrt zurück. In dieser Situation ist daran zu denken, dass Hunde nur Ereignisse verknüpfen können die unmittelbar, also im Abstand von 0,5 bis 1 Sekunde, erfolgen.  Wenn Bello bei seiner Rückkehr vom gefrusteten Besitzer Druck bekommt, lernt er folgendes: Jagen ist spitze und macht glücklich, aber das Zurückkommen bringt nur Ärger. Strafe führt an dieser Stelle zwangsläufig nicht zum Erfolg! Damit ihr untreuer Begleiter also nicht noch länger fernbleibt oder große Kreise um Sie zieht, ist es sinnvoll für diese Situation ein „Superwort“ mit einem Superleckerchen zu verbinden. Meine damalige und äußerst jagdtriebige Großpudeldame Zita wusste genau, wenn ich „Kehr um!“ rufe, dann zaubere ich ihre Lieblingsbelohnung Katzenfutter im Frischebeutel aus der Jacke. So entschied sie sich lieber für den Spatz in der Hand und jagte nicht weiter der Taube hinterher.

Übrigens gibt es erfolgversprechende und interessante Literatur sowie Seminare zum Thema Antijagdtraining. Aus eigener Erfahrung mit Zita kann ich Ihnen versichern, dass sich der Einsatz lohnt und auch jagdlich orientierte Hunde durchaus ohne Leine laufen können. Natürlich gibt es gravierende Rassenunterschiede und individuelle Eigenarten. Meine jetzige Riesenschnauzerhündin zeigt ein sehr überschaubares Repertoire an Jagdverhaltensweisen. Dafür stibitzt sie aber liebend gerne Nudelgerichte aus der Küche.

Den betroffenen Hundehaltern von jagdlich ambitionierten Tieren wünsche ich viel Erfolg und verbleibe mit der Aussicht auf meinen nächsten Beitrag „Das Silvesterproblem –  Geräuschangst!“.

Ihre Dr. Simone Möllenbeck