Bluthochdruck

Sep 23, 2020 | VITAL

Ist mein Tier gestresst, wenn es einen hohen Blutdruck hat?
Dieser Gedanke ist nicht weit hergeholt, da der häufigste Grund für Bluthochdruck in der Humanmedizin neben Übergewicht ein ungesunder Lebensstil beziehungsweise Stress ist. Auch Hunde, aber vor allem Katzen können im  Alter Probleme mit dem Blutdruck bekommen. Dieses Leiden bleibt bei den Vierbeinern oft lange Zeit unentdeckt und ist in aller Regel kein Stressphänomen, sondern ein Symptom einer anderen internistischen Erkrankung. Analog zur Humanmedizin resultieren Folgeschäden an wichtigen Organsystemen, wodurch die Lebenserwartung drastisch reduziert werden kann. Was Sie tun können, um Ihren Liebling vor der tickenden Zeitbombe Bluthochdruck zu schützen, das erfahren Sie beim Weiterlesen. 

Beim Menschen gehört die Blutdruckmessung während der klinischen Untersuchung zum normalen Checkup. In der Veterinärmedizin wurde die Blutdruckmessung jedoch lange Zeit vernachlässigt. Dies ist sicher dadurch begründet, dass die eigentliche Messung nicht ganz so einfach wie beim Zweibeiner und die Geräteausstattung erheblich kostspieliger als in der Humanpraxis ist. Spezialisten warnen aber vor einer laissez-fairen Einstellung und weisen auf die Wichtigkeit dieser Untersuchung hin. Prinzipiell kann der Blutdruck bei Hund und Katze innerhalb weniger Minuten im Rahmen der normalen Sprechstunde gemessen werden. Von Vorteil sind eine stressfreie Umgebung und ein möglichst entspannter Patient. Die Manschette wird bei den Vierbeinern an der Vordergliedmaße oder am Schwanzansatz angelegt. Die ermittelten Werte sind mit denen beim Menschen vergleichbar und umfassen den Spitzenwert (systolischer Druck) und den niedrigsten Wert (diastolischer Druck). Beim gesunden Tier sollten die Messergebnisse bei 110 bis 140 mmHg zu 60 bis 80 mmHg liegen. Hierbei existieren allerdings tierart- und rassebedingte Unterschiede. Um möglichst genaue Werte zu ermitteln, werden mehrere Messungen hintereinander durchgeführt. 

Ist der Blutdruck Ihres Lieblings im Normbereich? Das ist prima, dann ist die nächste Messung im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung in etwa einem Jahr sinnvoll. Wird jedoch ein erhöhter Blutdruck, also eine sogenannte Hypertonie, festgestellt, dann beginnt die Suche nach der Grundursache. Ein Nierenleiden oder ein Diabetes mellitus ist eine häufige Ursache bei Hund und Katze für Bluthochdruck. Außerdem zeigen Samtpfoten mit Schilddrüsenüberfunktion auch Blutdruckerhöhungen, die gigantisch sein können. In seltenen Fällen ist keine Grunderkrankung zu finden, dann sprechen wir von der idiopathischen Form. Aufgrund der Blutdruckerhöhung entstehen Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Niere und Gehirn inclusive der Augen. So sind unheilbare Nierenprobleme durch Fibrosierung des Gewebes, Herzschäden mit Verdickung des Herzmuskels, Netzhautablösungen mit Erblindung und nicht zuletzt Gehirnblutungen häufige Folgen der Druckerhöhung im Kreislauf. Viele Katzen zeigen infolge der zentralnervösen Schädigung verschiedene Verhaltensauffälligkeiten von Unruhe bis hin zu Krampfanfällen. Durch die genannten Organschäden am Herzen, in den Nieren und im Gehirn verschlechtert sich die Gesamtsituation des Körpers zunehmend und es entsteht ein Teufelskreis, in dem sich der Druck weiter erhöht. 

Früh erkannt kann eine Hypertonie analog zur Humanmedizin recht gut gemanagt werden. Zunächst werden zur Erkennung der eigentlichen Erkrankung Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Eine sehr sinnvolle Ergänzung ist das Schreiben eines EKGs und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens. Auch das Röntgen des Brustraums kann wichtige Informationen zur Erkennung der Grundursache geben. Schon die Behandlung des Ursprungs senkt den Blutdruck in der Regel wieder. Reicht diese Therapie nicht aus, dann werden Blutdrucksenker eingesetzt. Dies ist meist der Fall, wenn schon gravierende Organschäden vorliegen.

Somit ist die Prognose davon abhängig, wann die Hypertonie diagnostiziert wird. Früh erkannt und therapiert lassen sich Kreislaufkrisen vermeiden, so dass die Prognose recht gut ist. Wie bei allen Therapien hängt der Erfolg oft von der Compliance des Patienten ab. Nimmt der Vierbeiner die Medikamente nicht, dann verschlechtert sich die Prognose natürlich. Prophylaktisch gilt sowohl für den besten Freund des Menschen als auch für die Samtpfote, dass eine gesunde Ernährung mit angemessener Bewegung zur Vermeidung von Erkrankungen sowie zur Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems beiträgt.

Darum wünsche ich Ihnen und Ihren Vierbeinern eine stressfreie Zeit und viele schöne Spaziergänge im Herbstlaub. Im nächsten Artikel schreibe ich über „Mit Medical Training entspannt durch Diagnostik und Therapie“..

Ihre Dr. Simone Möllenbeck