Der hundefreundliche Tierarztbesuch

Mai 29, 2020 | VITAL

Hunde sind Rudeltiere und können prinzipiell gemeinsam mit ihrem souveränen Menschen beim Tierarzt auch unangenehme Untersuchungen und Therapien stressfrei erdulden. Trotzdem gibt es immer wieder Mensch-Hund-Teams, die schon beim Gedanken an den bevorstehenden Tierarztbesuch alptraumhafte Intuitionen haben. Woran liegt es, dass manch noch so mutiger Hund in der Praxis zum zitternden Nervenbündel wird, und was können wir gemeinsam tun, um Mensch und Tier den Stress während des Tierarztbesuchs zu ersparen? Das erfahren Sie beim Weiterlesen.

Übung macht den Meister. Gewöhnen Sie nicht nur Jungtiere spielerisch an den Tierarztbesuch. Auch das erwachsene Tier freut sich über Trainingseinheiten, in denen die tierärztliche Untersuchung daheim spielerisch geübt wird. Wenn Sie vor der Berührung der diversen Körperteile die entsprechenden Kommandos „Ohr“, „Zähne“, „Rute“ usw. sagen, dann ist der Überraschungseffekt für Ihren besten Freund während der Untersuchung nicht mehr so groß. Bitten Sie in der Tierarztpraxis doch einfach darum, Ihnen mitzuteilen, welches Organsystem als nächstes untersucht wird, damit Sie Ihrem Hund die nächste Berührung ankündigen können. Sollten Sie bei Ihrem Training und beim Tierarzt mit Leckerchen arbeiten, dann habe auch ich noch einen Tipp für Sie: Vor einer Maulhöhlenuntersuchung oder wenn eine eventuelle Sedation noch im Raum steht, dann ist die Gabe auch von geringen Futtermengen kontraproduktiv. Nach der Untersuchung ist dann natürlich das Superleckerchen angesagt.

Haben Sie gerade einen Welpen bekommen, den Sie das erste Mal in der Praxis vorstellen möchten? Dann vereinbaren Sie doch einfach einen Termin zur Erstvorstellung. Bei dieser Welpeneingewöhnung wird Ihr Hund an die Berührungen während der Untersuchung herangeführt und außerdem wird der Gesundheitszustand nach dem Kauf festgestellt. Zusätzlich können Ihre eventuellen Fragen in Ruhe geklärt werden. Wenn Sie die Schlafbox Ihres Hundebabys mitbringen, dann kann sich der Welpe nach der Aufregung auf dem Behandlungstisch schon einmal erholen und noch in der Praxis zur Ruhe finden, während Sie noch im Gespräch mit dem Praxisteam sind.

Und immer schön cool bleiben! Hunde sind hochsensibel und spiegeln unser Verhalten mehr, als so mancher Mensch glauben kann. Wenn Ihr Puls schon beim Betreten der Praxis rast, weil Sie vielleicht unschöne Erinnerungen an einen vergangen Tierarztbesuch oder Sorge vor einer ungünstigen Prognose haben, dann sollten Sie mit dem Training bei sich selbst anfangen. Planen Sie Ihren Praxisaufenthalt in Ruhe und ohne Zeitstress. Fahren Sie frühzeitig daheim los und entspannen Sie gegebenenfalls noch vor Ort. Ein kleiner Spaziergang lässt Sie zur Ruhe kommen und Ihr Hund kann die Situation viel besser mit leerer Blase ertragen. Wichtig ist eine freundliche Stimmlage und eine ruhige Atmung, damit sich die eventuelle Unruhe nicht auf den Vierbeiner überträgt. Natürlich verzichten Sie während der Wartezeit auf lange Augenkontakte und Mitleidsbekundungen, um Bello das Gefühl der Souveränität zu vermitteln. Grundsätzlich wissen Sie doch – zusammen mit dem Praxisteam – genau, was gut für den Patienten ist. Eventuelle Zweifel kommunizieren Sie am besten schon vorweg und erläutern, wie es um Ihren Gemütszustand bestellt ist. Man wird auch Ihnen helfen, die Situation besser zu meistern!

 Wenn sich die Ängste und die Aufregung auch bei Vierbeiner schon etabliert haben, dann fragen Sie doch mal in der Tierarztpraxis nach, ob die Möglichkeit besteht, außerhalb der Sprechzeiten mit Ihrem besten Freund eine Trainingseinheit im Behandlungsraum einzulegen. Hierbei kann Ihnen eine Tiermedizinische Fachangestellte zur Seite stehen. Viele Hunde sind in ungewohnter Umgebung aufgedrehter und weniger ansprechbar. Wie empfänglich Hunde bei starken Außenreizen sind, das hängt natürlich auch vom Alter, von der Rasse und der Persönlichkeit ab. Dennoch kann die Zuverlässigkeit bei starken Außenreizen trainiert werden. Hierzu gehört viel Geduld und Ruhe und manchmal auch der Rat eines guten Hundetrainers. Bei sehr nervösen oder sehr ängstlichen Tieren kann notfalls auch ein Beruhigungsmittel, das vorsichtig dosiert wird, nötig sein. Ob dies auf Ihren Vierbeiner zutrifft, das müssen Sie mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt besprechen.

Ich wünsche Ihnen für den nahenden Sommer viele stressfreie Momente und verbleibe mit freundlichen Grüßen aus dem schönen Krechting

Ihre Dr. Simone Möllenbeck