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Himmel und Äd – Bodenständig schräg

von | Nov 28, 2022 | Kulinarik

Fotos: Kirsten Buß Text: Roland Buß

One-Course-Dinner

Kennt ihr diese Momente, in denen man  sich nach dem Kehraus der Gäste mit einem letzten Glas Rotwein niederlässt, um den Abend zu reflektieren? – Noprot halten, wie der platt-affine Bocholter sagen würde – ich aber nicht zu schreiben weiß. 

Oft war unser Fazit, nachdem wir uns mit 4-5 Gängen aus dem Leben gekocht haben: Unsere Gäste sind wahrscheinlich auf ihre Kosten gekommen – zumindest kulinarisch. Doch wir als Gastgeber waren mehr in der Küche, als bei unseren Gästen. 

Mit diesem Unsinn ist seit einiger Zeit Schluss. Es gibt nur einen einzigen Gang. Den aber gerne anständig.
Was bedeutet für uns in diesem Zusammenhang anständig?
Jeder wird satt. Jeder kommt auf seine kulinarischen Kosten. Jeder nach seinem Gusto. Alles frisch und live gebrutzelt. Entspannte Stimmung an den Töpfen und das Glas Küchenwein mit den Gästen am Herd kreuzend. 

Suppen-Kasper

Seit wir von dem Brunnen der Erleuchtung gesüppelt hatten, waren wir die deutlich entspannteren Gastgeber. Apropos süppeln! Nebenwirkung dieses Ein-Gericht-Dinners war, dass es keine Vorsuppe gab. Für einen bekennenden Suppenkasper ein kleines Dilemma. Wie kann ein Schuh draus werden? 

Hauptgang-Soup 

Ich glaube, es war eine zu C-Zeit ersonnene Zwiebelsuppe, die uns den Horizont dafür öffnete, dass es jenseits der klassischen Unterteilung zwischen Suppe und Hauptgang etwas geben könnte, was dieses Dilemma auflöst. Ich bin zu sehr Nicht-Techniker, um beurteilen zu können, ob Hybrid-Soup das passende Wording sein könnte. Mir gefällt es jedenfalls. 

 

Bausatz-Food 

Habt ihr schon mal am Tisch bei Freunden gesessen, wo ihr sorgsam dekorierte Teller vorgesetzt bekommen habt, bei denen ihr nicht wusstet, wie ihr den Spinat unauffällig in der Yucca-Palme entsorgen könnt? Wie geht man mit Kindheitstraumata um, ohne Dörthe, die am Herd ihr Bestes gibt, zu düpieren? 

Die Lösung ist so einfach: Einfach keine Teller mehr anrichten! Stattdessen alles wie Mama Leone in die Mitte wuppen und ein jeder scheppt sich selbst auf, ganz nach seinem individuellen Gusto.

Die Veggies lassen Verschmähtes links liegen. Die Fischfreaks laben sich an, Wels, Gambas & Co. Die Fleischfreaks genießen das frisch durchgedrehte Gehackte vom Metzger des Vertrauens (Discount-Brät ist tabu!!!). Und die Crossover-Junkies feiern die Hochzeit von Chorizo und Kabeljau in ihrem Teller. 

Quasi ein Buffet, zu dem man nicht hinlaufen muss. Wo man sich die Pfännchen quer über den Tisch anreicht, wo Sharing von Food und Eindrücken im Vordergrund steht.

 

Kürbis-Bausatz – Der Beweisantritt 

Bis vor Kurzem war der Herbst temperaturtechnisch noch nicht so wirklich fühlbar. Das kümmert den gemeinen Hokkaidokürbis wenig, der sich uns mit seiner Farbenpracht zum Verzehr aufdrängt. 

Ein schöner Anlass, um uns an die Weiterentwicklung unserer Suppennummer zu wagen. Und so tischten wir ganz lieben Gästen einen Kürbis-Bausatz auf, der für echte Wow-Effekte sorgte. Wenn ihr zu den 31,9 Millionen Gesichtsbuch-Nutzern in Deutschland gehört, hier findet ihr Impressionen, Details und ein paar Secrets zu einer gänzlich anderen Kürbissuppe: 

https://www.facebook.com/media/setanity=1174192585&set=a.10226549155013148

Wenn Facebook nicht euer Ding ist, dann inspiriert vielleicht die nachfolgende Bauanleitung eure Kulinarik?          

Kartoffelsuppe im Christmasstyle 

Rezepte für Kartoffelsuppen findet ihr zu Hauf im Netz. Dafür müssen hier
keine Zeilen herhalten. Wichtig ist, dass ihr die Komponenten hinzufügt, die diese Suppe zu einem flüssigen Himmel und Äd machen. Dem Kartoffelpü, welches mit Äpfeln und Birnen angereichert wird, wie es insbesondere im Rheinland so gern gefuttert wird – dort bevorzugt in der Verbindung mit Flönz, der schwach geräucherten Blutwurst. 

Habe gerade nebenbei gegoogelt: „Flüssiges Himmel und Äd“, sprich in Suppenform, scheint bislang noch ein Novum zu sein. Statt den Gedanken an ein Copyright, widme ich mich lieber dem Teilen dieser Idee, weil Gaumen und Magen es auch danken könnten. 

Wo waren wir? Ach ja, beim besagten Äpfel und Birnen geschwängertem
Kartoffel-Pü, welchem ihr mit Gemüsebrühe, Milch, Kochsahne und einem
gesunden Stück Butter die Sämigkeit verleiht, die eine hausgemachte Suppe
ausmacht. Zu den weichgekochten Kartoffeln gebt bitte unbedingt einen
guten Apfelkompott (gerne mit Stückchen) und etwas Saft von Dosenbirnen. 

Statt Flöns haben wir uns für einen Ring Bratwurst von einem der Metzger unseres Vertrauens entschieden. Die rote Farbe der Blutwurst haben wir mit kleingeschnittener Chorizo kompensiert, die wir mit an die Bratwurst gegeben haben und die natürlich für die angenehme Schärfe sorgt. 

Da wir uns mit großen Schritten auf das bevorstehende Weihnachtsfest zubewegen, hat mich die Gemahlin angehalten, ein paar weihnachtliche Aromen einzuflechten. Während Kirsten rote Äpfel in Spalten schnibbelte (sehr zur Freude des Schmökeraffen), karamellisierte ich Walnüsse in einer Pfanne. 

Kirstens Apfelspalten folgten frische Birnenspalten, die mit etwas Butter in einer Pfanne dezent braune Farbe annahmen. Der richtige Zeitpunkt, um Sternanis und Zimtstangen hinzufügen – für den weihnachtlichen Touch. 

Ein paar Roscoff-Zwiebeln in Ringe geschnitten, bräunten sich um die Wette mit den Äpfeln und Birnen in der anderen Pfanne. Da hätte ich doch nun fast ein Pfännchen vergessen. Jenes, in dem sich verschiedene Pilzarten dem Rosmarin entgegen räkelten. 

Apropos Kräuter. Man sollte den Rosmarin nicht im Stich lassen. Solche Gerichte eignen sich ideal für das, was ihr an natürlichen Geschmacks-Untermalern auftreiben könnt. In diesem Fall war es frischer Kerbel, der seinen Einzug in die Himmel-und-Äd-Suppe feierte. Die purpurrote Kresse als stimmigen Kontrast zum Finale nicht zu vergessen. 

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt … 

So soll es Albert Einstein gesagt haben. Habe ich euch irgendein Geheimnis vorenthalten? Vielleicht die Erkenntnis, dass wir diese Experimentierfreude auf alle Suppen ausdehnen werden, die uns in den Sinn kommen. Mir fehlt die Phantasie zu glauben, dass irgendetwas nicht gehen könnte. Ich freue mich auf gebratenen Lachs auf Süßkartoffel-Püree mit Edamame … dann mit Erbsensuppe angegossen. Oder auf mit Goa-Curry lackierte Hähnchen-Innenfilets, auf einem Nest von geschmolzenen Honigtomaten, welches mit einer Gorgonzola-Lauch-Suppe umspült wird etc. Meine Phantasien nehmen ihren Lauf …

Wir überlassen euch jetzt eurer Phantasie und den eingefangenen Impressionen von Kirsten. 

Euer PAN-KitchenStorie-Team