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In the Mood for Müller … und Konsorten

Aug 31, 2021 | Kitchen

Ein unkompliziertes Ein-Gang-Dinner mit Freunden 

Text: Roland Buß Fotos: Kirsten Buß

Ein erstes Wiedersehen mit unseren kulinarischen Freunden nach mehr als 479 Tagen. Solange war es her, dass uns das C-Wort ein „P“ vor solche Szenarien gesetzt hat. Wo kommt diese antik anmutende Redensart überhaupt her?

Google verrät: 

Bei der Redewendung ein (großes) P vorsetzen / vorschreiben handelt es sich nicht um eine regionale oder dialektale Wendung, sondern vielmehr um eine schon sehr alte, wenngleich selten zu  hörende Redensart, die nach Heinz Küpper, »Illustriertes Lexikon der deutschen  Umgangssprache«, Stuttgart 1982, seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich ist, ihren Ursprung jedoch viel früher hatte. Ein (großes) P vorsetzen / vorschreiben bedeutet heutzutage, etwas zu verbieten, zu verhindern, eine Sache zu unterbinden. 

Sie rührt aus den Zeiten der Pestepidemien: Damals hat man ein großes P an die Haustür von „Pestkranken“ geschrieben, um vor dem Betreten des Hauses zu warnen bzw. das Betreten durch Nichtinfizierte zu verhindern. 

Quelle:  Gesellschaft für deutsche Sprache  e.V.

Upps … dünnes, gedankliches Eis.  Ich glaube zu ahnen, dass es Menschen gibt, die jetzt auf ganz komische Gedanken kommen könnten. Ich schweife ab …  zurück zu schönen Gedanken, zurück zum Abend mit unseren Freunden. Wir zehn Gaumen-Ganoven nahmen an unserer Tafel Platz. Mit der Herausgeberin (meiner Frau Kirsten) hatte ich ausgedealt, dass es nur einen Gang geben wird. Früher haben wir uns aus dem Leben gebrutzelt, um unseren Gästen nacheinander 4-5 Gänge zu servieren – bis wir irgendwann begriffen hatten, dass wir uns damit der Zeit und der Gespräche mit unseren Gästen beraubten. 

Und so sollte es ein Abend werden, wie ihn unsere südlichen Nachbarn in Italien, Frankreich, Spanien etc. zelebrieren – Pfannen und Platten unkompliziert auf dem Tisch drapiert und jeder futtert sich nach Herzenslust, bis an den Rand des Platzens.  

Und so gab es: 

hausgemachten Krautsalat aus jungem Spitzkohl

ein Safran-Kartoffel-Püree mit Kapern 

Wildfang-Garnelen in einem Sugo aus Honig-Tomaten und Knoblauch, mit geschmorten Zitronen

Meersalz-Kartoffeln 

ganze Lachsforellen und Wolfsbarsche, mit Butter und reichlich Kräutern im Ofen geschmort 

ein Tomaten-Spektakel mit Burrata und Krauskopf-Basilikum

 Insgesamt ein schnörkelloses kulinarisches Bild in der Mitte der Tafel und dankbare Genießer, die Gläser, Messer und Gabeln klingen liessen. 

Ein paar Anmerkungen zur Zubereitung: 

Die Safran-Kartoffeln haben wir in einer leichten Gemüsebrühe gegart. Zu Beginn haben wir Safranfäden mit ins Kochwasser gegeben – für den Geschmack und eine herrliche gelbe
Farbe. Ihr könnt auch Kurkuma als Safran-Ersatz nehmen … schmeckt dann aber irgendwie muffig … also besser lassen. Als die Kartoffeln gar waren,  haben wir den Sud abgegossen, die Kartoffeln gestampft und mit Oliven-Öl und einem Schuss weißen Balsamico-
Essig abgeschmeckt. Ein Handvoll  Kapern und Kapernäpfel dazu – fertig. 

Für das Sugo aus Honigtomaten haben wir ein Backblech mit Backpapier ausgelegt … Tomaten, Rosmarin und Salbei drauf. Dann mit reichlich Olivenöl gesegnet, weisser gemörster Pfeffer und Bergkernsalz drauf … und dann ab in den Ofen – solange, bis die Tomaten anfangen zu schmelzen. Dann findet deren Hochzeit (das Vermengen) mit den Wildfang-Garnelen statt, die in Olivenöl, Knoblauch und Zitronen in der Pfanne bis zu einer vornehmen Bräune gebrutzelt haben.

Die Zubereitung der Meersalz-Kartoffeln und den Krautsalat aus jungem Spitzkohl habe ich in den letzten Kitchen-Stories schon mal nieder geschrieben.

Die Fische stammten von Jan de Graaf und seinem Team vom Bocholter Wochenmarkt – Merci für die abermals tolle Qualität, lieber Jan. 

Neben der guten Stimmung begleiteten uns auch einige schöne Weine durch den Abend. Ein knackig frischer Vinho Verde,  ein wohlschmeckender Grauburgunder … und ein Wein, den ich niemals freiwillig in den Einkaufswagen gepackt hätte – ein Müller-Thurgau. Diese Rebsorte klang für mich bislang immer ziemlich unsexy … im Ohr, in der Nase und am Gaumen. 

Doch wenn ein Wein in dieser Aufmachung und dem verheißungsvollen Namen
„In the Mood for Müller“ mir aus dem Regal heraus ein Auge zukneift, kann ich nicht wiederstehen. Und so wanderte vor einigen Monaten ein Probier-Fläschchen in unseren Bestand. Ich kann mich noch heute an das Öffnen, das erste Hin-Riechen und den ersten Schluck erinnern. Ich war einfach geflasht von dem Wein, den Kellermeister und selbsternannter „Kellerkabarettist“ Christoph Hammel mit seinem Team auf Flaschen gezogen hatte. Das ist nicht nur grandioses Marketing, dass ist einfach auch ein ganz toller Tropfen – der seitdem aus unserem Weinkühlschrank nicht mehr wegzudenken ist. 

Wenn ihr ein Gefühl dafür bekommen wollt, wie der Christoph so drauf ist … oben findet ihr die passenden Links zu diesem lässigen Ohrenschmaus, der auch uns Freunde durch den Abend begleitet hat.

Sagen se mal, Frau (Ina) Müller … für sie als bekennende Weine-nach-Etiketten-
Käuferin, können wir uns spontan keinen besseren (vinologischen) Begleiter vorstellen. Wenn wir das nächste mal im „Schellfischposten“ einkehren, werden wir mal checken, ob der Hammel-Tropfen das dortige Getränke-Repertoire bereichert. Wäre ja vielleicht auch was für dessen Wirtin Ursula Müller? – quasi eine Win-Win-Müllerinnen-Situation. 

 Zurück zum Abend … es tat gut, mal wieder in größerer Runde zusammenzukommen, zu genießen und Spaß zu haben. 

In diesem Sinne, genießt anständig und pflegt eure Freundschaften.
Mit kulinarischen Grüßen
Euer PAN-Team