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„Ja is´ denn heut schon Weihnachten?“

von | Nov 29, 2021 | Kulinarik

Christmas Burger …

Erinnert ihr euch noch an den Werbespot, den E-Plus uns seinerzeit ins Ohr getutet hat – mit tatkräftiger Unterstützung von Franz Beckenbauer? 

So ging es mir am 10. November, als meine Frau / eure PAN-Herausgeberin Kirsten mich beim zweiten Sonntags-Cappuccino fragte, welches Weihnachtsgericht wir für diese Dezember-Ausgabe kreieren und in Szene setzen könnten. 

Damit hatte sie mich vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. 

Mein Christmas-Modus tendierte gegen Null – nicht nur wegen der Sonnenstrahlen, denen ich entgegen blinzelte. 

Das goldene Besteck und den
schwarzen Teller gibt es übrigens bei Cook doch…
mal bei Hungerkamp in Bocholt!

Folgender Dialog entwickelte sich: 

 

Ich: Wonach wäre dir denn? 

Kirsten: Vielleicht ein Klassiker aus der traditionellen Weihnachtsküche? 

Mein Unbehagen paarte ich mit spätpubertärem Trotz ….

Ich: Wie wäre es mit einer Runde gegen den Strom schwimmen? 

Kirsten: Was genau wäre das? 

Ich: Wieso essen wir zu Weihnachten Ente und Gans, während wir zu Ostern die Lämmer zum Schweigen bringen? Lass uns den Spieß doch mal umdrehen. Wie wäre es mit Weihnachtslamm?… einer Lammkeule, die in einer Sauce aus Spekulatius, Sternanis, Zimt etc. schmort? 

Kirsten: Klingt gut. Aber was ist mit den Menschen, die keine ganze Lammkeule im Bräter / im Ofen unterbekommen? Vielleicht sollten wir etwas kreieren, was eine Brücke zwischen Tradition und Zeitgeist schlägt …

Ich: Und das wäre was …. 

Kirsten: Ein Christmas-Burger

Normalerweise bin ich auf dem Burger-Ohr relativ taub. Ein Burger gehört für mich zu den ersten kulinarischen Zündstufen der Fastfood-Bewegung – einem Trend, dem ich wenig Gutes abgewinnen kann. Es ist ungefähr 20 Jahre her, dass ich den Diskussionen einiger junger Freunde gelauscht habe, die darüber stritten, wer denn den gesündesten Burger produzieren würde – McDonald’s oder Burger-King? Ich weiß nicht mehr, wer obsiegte, auf jeden Fall war es eine Tomatenscheibe mehr, die das Zünglein an der Qualitätswaage war. 

Es gibt aber auch positive “BurgErinnerungen” in meinem Leben. Der Besuch des Hot-Dog- und Burgerstandes, an der St. Georg’s Kirche zur Bocholter Kirmes, ist lieb gewordenes Pflichtprogramm für uns. Den bislang besten Burger unseres Lebens aßen wir mit unserer Freundin und Winemakerin Tanja Beutler in Stellenbosch / Südafrika.

Und unlängst waren es unsere Tischnachbarn im Restaurantbereich der Bahia-Sauna, die sich einen Bahia-Burger bestellten, der meine Blicke auf sich zog. Kirsten kannte dieses Prachtexemplar schon, weil sie ihn nebst anderen Gerichten mit ihrer Nikon für’s Marketing-Team vom Bahia einfangen durfte.

Ich konnte gar nicht anders, als mir dieses Teil zu bestellen – das war Notwehr für Augen, Gaumen und Magen. Kurzum: Der Bahia-Burger war mega-lecker.

Somit war der Nährboden für die Umsetzung von Kirsten’s Idee bereitet. Und so entstand am 11. November eine Mind-Map mit finalen Ideen zum Christmas-Burger, die wir gerne mit euch teilen:

Die Burger-Buns

…. so nennt man die runden Brötchen, die Fundament und Dachgeschoss eines Burgers bilden. Da bedurfte es keiner langen Diskussion, wir sind beide keine leidenschaftlichen Bäcker, weil es beim Backen auf Präzision ankommt. Mit Kirstens „Ich rufe Marion an“ waren wir uns gewiss, würdige Brötchen für unseren Burger zu bekommen. Marion ist die gute Seele und Chefin der Bäckerei Ullrich auf der Blücherstraße in Bocholt.

 

Die Burger-Patty’s

… gemeint sind sind die Hackfleischscheiben. Da entwickelt sich eine ganz eigene Burgersprache, die man verstehen sollte, wenn man sich auf dieses Feld begibt. Für die Patty’s verwendet man überwiegend Rinderhack. Wie wäre es mit Wildfleisch? So, schoß es mir beim Kreieren des Gerichtes in den Sinn. Okay Google! Suche nach „Wildfleisch + Bocholt.“

An erster Stelle stand:

Wildfleisch direkt vom Jäger. Privatverkauf von Wild aus der Region, stand auf der Website wildfleisch-aus-bocholt.de zu lesen.

Dahinter verbirgt sich ein gewisser Markus Bauhaus – ein passionierter Jäger. „Den kenne ich von früher“ …. und schon griff Kirsten zum Handy. Am Samstag drauf bereicherten ca. 1,2 kg Hackfleisch vom Reh und vom Hirsch unseren Kühlschrank. Fein säuberlich nach Sorten eingeschweißt. Das sah wirklich sehr appetitlich aus.

Am Sonntag stand dann das Brutscheln und Dokumentieren dieses Gerichtes an. Zunächst das Fleisch aus der Packung befreien und auf Zimmer-Temperatur kommen lassen. Es roch wirklich nach schierem Fleisch, nichts Muffiges, nichts Strenges …

Ein paar eingeweichte Brioche-Scheiben, eine weiße Zwiebel, zwei Eier, feingehackte Rosmarin-Nadeln, einen Esslöffel geräucherte Meersalzflocken und frisch gemahlener weißer Pfeffer untergemengt. Die Masse etwas ruhen lassen und dann mit einer Burgerpresse portionieren und auf einem Backpapier zum Braten bereit stellen. Weiter geht’s …

Das Orangen-Relish

… die erdachte Hauptkomponente für das Integrieren weihnachtlicher Aromen. Man gebe: Zwei Liter hundert-prozentigen-Orangensaft in einen Kupfertopf. Hierzu presst man zusätzlich sieben frische Organgen mitsamt Fruchtfleisch, dazu ein Glas Orangenmarmelade, einen ordentlichen Schuss Grand-Manier, zwei Sternanis, eine Stange Zimt, rosa (Pfeffer-) Beeren, Salz und Pfeffer.

Das Ganze kocht man auf und lässt es auf kleiner Flamme reduzieren. Wenn man sich einbildet, darüber ein kurze Mittags-Siesta einlegen zu dürfen, wird man (ich) halt vom Rauchmelder relativ unsanft aus dem Träumchen vom ultimativen Burger geholt. Neben der Tatsache, dass man sich einen neuen Kupfertopf kaufen muss, steht eine Wiederholung dieses Vorgangs an. Also, der Grad zwischen „optimal eingekocht“ und „kannste wegschmeissen“ ist ein sehr schmaler – also Obacht!!!

 

Pilze & Zwiebeln

Tomaten und Gurken schienen uns wenig weihnachtlich. Von daher gab es „Viererlei geschmorte Zwiebeln“ – bestehend aus roten und weißen Zwiebeln, rosa Zwiebeln aus der Bretagne und Schalotten.

Bei den Pilzen waren wir ebenfalls sehr variantenreich. So wanderten Shi-Take, Kräuterseitlinge und braune Champignons mit Butter, frischem Knoblauch und Rosmarin in die Pfanne.

Die Pilze, wie auch die Zwiebeln, waren als „Pack-Material“ für den Burger gedacht.

Zusätzlich reduzierten wir einen Sud mit eingeweichten Morcheln, Steinpilzen und „Vertrauens-Pilzen“ (einem Geschenk von selbst-gesammelten und getrockneten Pilzen unserer Freundin Elke).

Mit etwas Gemüsebrühe aufgegossen, ein ordentlicher Schuss Spätburgunder-Auslese, etwas Sahne und ein wenig Butter zum Binden bugsierten wir dieses Geschmackserlebnis in Richtung „Träufelbarkeit“ – einer Konsistenz, die wir über und um den Burger akzentuieren konnten.

Salat

Wir haben einen frischen Rotkohl verarbeitet, als wenn wir einen Krautsalat anmachen würden. Sprich mit feinen Zwiebelscheiben, etwas Brühe, Apfelessig, braunem Zucker, Salz und Pfeffer für 15 Minuten mit der Hand geknetet. Diese Rotkohl-Rohkost war die erste Etage unserer mit Mayo bestrichen unteren Hälfte des Burger-Buns im Erdgeschoß.

Als Beilagensalat dienten Sträusschen vom Feldsalat und Blätter vom Frisee, die wir durch eine Melange von Birnensenf aus dem Tessin und Birnen-Essig gezogen haben. Darauf setzten wir herbe Gorgonzola-Flocken und Granatapfel-Kerne. Das war schon großes Kino, diese Mixtur aus Frucht, Schärfe, Süße & Säure.

 

Selbstgeschmiedete Fritten

Im Nachhinein betrachtet hätte es diese nicht gebraucht. Zum einen wäre ein angenehmer Sättigungsgrad auch ohne diese erreicht worden und was das Wesentliche ist, es sind einfach ein paar Handgriffe mehr und ein wenig mehr Checkerei, was das „Fertigstellen auf den Punkt“ angeht. Sprich der Entspannungsgrad sinkt und das Hektik-Level steigt.

Unsere Empfehlung: Macht das nur, wenn ihr Helping-Hands in der Nähe habt, sprich liebe Menschen, mit denen ihr dieses Kitchen-Happening zelebrieren und feiern wollt.

Meine Helping-Hands, genauer gesagt, die von Kirsten, waren damit beschäftigt, die Impressionen für uns alle einzufangen. Dass es dabei nicht zu tiefgreifenden Zerwürfnissen kommt, deutet auf jahrelange Erfahrung im Teamplay hin und das Wort mit den fünf Buchstaben und dem L am Anfang. 🙂

Wir hoffen, euch inspiriert zu haben und wünschen euch ein entspannt-geselliges Weihnachtsfest. Mit oder ohne Burger. Bleibt gesund, pflegt eure Gastfreundschaft und genießt das Leben.

Ein herzliches Dankeschön an Marion Ullrich und Markus Bauhaus, als Qualitäts-Paten für dieses spektakuläre Gericht!

www.baeckerei-ullrich-bocholt.de

www.wildfleisch-aus-bocholt.de