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Kitchen-Stories in einer denkwürdigen Zeit

von | Mrz 28, 2020 | Lebensart

Gerne greifen wir die Passagen aus dem Lied von Sebel auf: 

„Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen das Große und Ganze sehen. Auch wenn es droht, dass es alles auseinander reißt, könnte es sein, dass es uns alle zusammenschweißt.“

Am 12. März 2020, als wir so langsam spürten, dass die Einschläge näher kommen, raubten mir meine Gedanken einen Teil der Nacht. Wie wird es werden? Wie werden sich unsere Einkäufe verändern? Kann eine Online-Order eines frischen Warenkorbs es tatsächlich mit einem deutlich emotionaleren, realen Marktbummel aufnehmen? 

Getragen von der Hoffnung, diese Frage mit einem deutlichen NEIN zu beantworten fragte ich Google. 

Vorschlag dieser Suchmaschine: 

HelloFresh – Deutschlands Kochbox Nummer 1. Okay, dann mal los! Alle Cookies akzeptiert, Kochboxen angesehen und für die Classic-Box entschieden. Für 2 Personen, bitte drei Gerichte pro Woche – als Test. Macht 39,98 Euro (inkl. Versand). Und nein, ich habe keinen Thermomix (was die alles wissen wollen?)

Ergebnis: Postleitzahl 46397 „Diese Region wird nicht beliefert.“
Gottseidank, weiter geht’s zum nächsten.

Eating with the chefs – Gourmetküche für alle. Jede Woche stehen zwei Vorspeisen, drei Hauptgänge und zwei Desserts zur Auswahl. Die Speisen werden von Sterneköchen aus ganz Deutschland kreiert und gekocht. Dann spült mir Google die erlösende Nachricht von gruenderszene.de vor die Augen: „Eating with the Chefs gibt endgültig auf.“ 

Ich will nicht wissen warum, ich bin froh, dass es so ist, wie es ist. Sorry für diejenigen, die dort Ideen und Engagement eingebracht haben. Hoffnung keimt auf, dass es tatsächliche Enklaven gibt, wo nicht alles durch-digitalisiert werden muss. 

Google lässt nicht locker. Marley Spoon winkt mit einem Gutschein. Bei meiner Testorder in Höhe von 42,90 Euro kommt es permanent zum Abbruch beim Einlösen des Zehn-Euro-Lock-Gutscheines. Irgendwo blinkt ein paar mal Paypal auf. Nach dem vierten Versuch gebe ich entnervt auf – getragen von der Hoffnung, dass ich nicht in den nächsten Tagen vier Foodboxen vor der Tür stehen habe, die ich eigentlich gar nicht will. 

Ich breche das Experiment erleichtert ab. Am 16. März 2020 geht die Herausgeberin des PAN einkaufen. Belohnungs- statt Hamsterkäufe ist die Devise. Für die #stayhomezeit wandern schöne Dinge von örtlichen Händlern in den Kühlschrank, sowie ein paar Beiwerk-Konserven vom Discounter. 

Am 22. März 2020 posten wir aus voller Überzeugung auf Facebook den „Vertrag mit uns selbst“ mit der Botschaft „buy local“. 

Am 25.März 2020 sind die Einkäufe fast aufgebraucht, die ersten Konserven müssen helfen, denn Lunch aufzupeppen. War sogar ganz lecker. 

Am 26. März 2020 kommen wir zu der Erkenntnis, dass es längst überfällig ist, auf die Angebote der hiesigen Gastronomie zurückzugreifen. Wir haben im Netz viele gute Initiativen gesichtet und sind durchaus in der Lage, uns abwechslungsreich und spannend in unserem Nest zu ernähren. Aber, ein ganz großes ABER! Uns fehlen unsere Besuche in der örtlichen Gastronomie. Uns fehlt der Kontakt zu den Gastgebern mit ihren verschiedenen Facetten und den Menschen, die man dort trifft. Uns fehlen die Speisen, die eben anders …. die nicht Homemade schmecken. 

Beim Schreiben spüre ich quasi Phantomschmerzen am Gaumen, als ich durch die Küchen der hiesigen Restaurants wandere. Damit wird Schluss sein. Ich werde die Herausgeberin bitten heute Abend den Abholdienst von Dimi, vom Mythos auf der Langenbergstraße in Anspruch zu nehmen. Ich glaube, ich habe Entzugserscheinungen nach deren frittierten Baby-Calamaris. 

Wir wissen nicht, wie lange diese Phase anhält. Was wir wissen ist, dass unsere örtliche Gastronomie in dieser schwierigen Zeit unserer aller Unterstützung braucht. 

Wir werden diesen Gedanken aufgreifen und mit in die kommenden Ausgaben tragen. Wir halten euch auf dem Laufenden. 

Für diejenigen, die das genussgetriebene Storytelling vermissen …. Wir haben euch ein paar Kitchen-Stories aus unserem Archiv angehängt. Gerne mit dem Apell, beim Nachkochen auf Produkte lokaler Händler zurück zu greifen, gleiches gilt übrigens auch bei Weinen.

 

Die Rezepte aus der Best of kitchen-stories findet ich im Pan April 2020 auf den Seiten 38 bis 47.