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Münsterstraße 12,
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„Koche nichts, worüber du keine Geschichte erzählen kannst.“

von | Dez 4, 2019 | Kolumne

Die Stammleser unter euch wissen um unsere Passion, unplugged und live mit großen Töpfen zu brutscheln und unsere Stories mit genussempfänglichen Zeitgenössinnen und -genossen zu teilen. Mitte 2017 haben wir mit unserem Kochformat „unplugged-Kitchen“ eine Sabbat-Phase eingeläutet. Als kulinarische Zigeuner wollten wir sesshaft werden und uns ausschließlich auf unseren MÜ12 Verlag mit seinen mittlerweile drei Magazinen, dem PAN, dem MY-LOCAL-WEDDING-GUIDE und dem PLATZHIRSCH konzentrieren. Fortan haben wir unsere Kochleidenschaft ausschließlich mit unserer Familie, unseren Freunden und vielen Menschen aus unserer Community an der Münsterstraße 12 geteilt. Vornehmlich in unserer Private-Kitchen-Suite, der PAN-Kitchen und gelegentlich auch im „Secret-Restaurant“ – den Räumlichkeiten, wo das Equipment unserer pop-up-Kitchen im Dornröschen-Schlaf schlummerte.

Und so besonnen wir uns auf private Koch-Sessions und auf das Teilen der Geschichten mit euch – bis zum 12.08.2019. An dem Tag ereilte uns die Lockruf-Mail eines alten Gefährten, einem Projektleiter der Messe Essen. Die Frage war, ob wir uns vorstellen könnten, mit der Messe eine „Kochshow“ zu organisieren. Und zwar im Rahmen der Messe „NRW – das Beste aus der Region.“ Ziel sei es, regionale Produkte und Spezialitäten zu vermarkten.

Wie macht man das? Wir haben uns zurückbesonnen auf unsere eigenen Messebesuche als Gast. Ich bin Ende der 90er auf der Pro-Wein in Düsseldorf für kalifornische Weine begeistert worden. Wie? Durch eine ambitionierte Crew von kalifornischen Köchen, die dort aus einem übersichtlichen Messestand heraus, Live-Gebruzzeltes kostenlos an die Besucher ausgegeben haben – natürlich mit begleitenden Tropfen. Ein Jahr später wurde ich von dem damals noch mittel-jungen Ralf Bos für frische Trüffel angefixt. Abermals durch eine großzügige, kostenlose Bewirtung. Mittlerweile ist dieser Food-Passionist Weltreisender in Sachen Delikatessen und und kreativer Kopf eines kleinen Genussimperiums mit dem Namen BOSFOOD. Die Krönung des Ganzen bildete ein legendäres Antinori-Wein-Event in einer Düsseldorfer Trattoria, wo ich heute noch eine Gänsehaut bekomme, wenn ich an das Erlebte denke. Was hatten diese drei Schlüsselmomente gemein? Großzügigkeit, Passion und echte Stories! Geschichten, die von den Protagonisten erzählt wurden, ohne zu belehren, die wachrütteln, die Lust machen, die inspirieren und die sich ein Leben lang in die Gehirnwindungen eingraben.

„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen –
Erwachsenen, damit sie
aufwachen.“

Jorge Bucay *1949 in Buenos Aires, argentinischer Autor, Psychiater und Gestalttherapeut.

Damit war der Ansatz klar, wie wir das Thema Regionalität an die Besucher dieser Messe ran tragen, sowie der Titel „Kitchen-Stories“. Informationen und Botschaften emotional und kulinarisch aufgeladen und als mentale Häppchen zu servieren – neben den kostenlosen „Happen“ von unserer Kochbühne. In der Bilanz waren dies 3.150 Portionen, die wir Kitchen-Friends mit unserem Team an vier Messetagen mit den Messebesuchern geteilt und verteilt haben.

Die Geschichten, die wir dort erzählt haben und die, die wir dort erfahren haben, werden wir in den nächsten PAN-Ausgaben mit euch teilen. Wir verraten euch ein Geheimnis, wir sind ja quasi unter uns: Es ist längst überfällig, dass wir alle unsere Küchen-Geschichten (aus dem PAN, von der Messe, aus unseren Notizen….) einkochen, um sie euch appetitlich zu präsentieren. Vielleicht schon Ende 2020.

Soweit zur Geschichte „Kitchen-Stories.“ Jetzt wäre es vermutlich nicht schlecht, einen kulinarischen Impuls mit einer Kurzgeschichte zu setzen, die ihr sofort nachkochen könnt, bevor wir im Januar-PAN 2020 mit einem „Plädoyer für die Metzger“, mit Tiefgang und Anstand in das Thema Regionalität einsteigen. Dann folgen sympathische Stories, wie z.B. „Sexy Ei“ von unseren Freunden Annegret und Dietrich Vriesen, „Tuffel-Bolo“ oder auch „Wo die Bolognese tatsächlich erfunden wurde“, „Forellen-Tango“ und viele mehr.

Und dann stellen wir euch unsere Kitchen-Friends-Crew vor. Wegen der unmittelbar bevorstehenden Weihnachtskonzerte unseres Freundes „Lou“ darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben, dass Markus Ludynia mit zahlreichen musikalischen Häppchen die Messe-Besucher verwöhnt und unsere Kitchen-Stories begleitet hat.

Jetzt zu der möglicherweise unkompliziertesten Tomatensuppe auf diesem Planeten, die am letzten Messe-Tag „us de la meng“ (aus dem Handgelenk) durch uns ersonnen wurde. Wir hatten von den vielen regionalen Erzeugern des Vereins Ernährung NRW tolle Lebensmittel zur Verfügung gestellt bekommen, die wir verarbeiteten durften. Unser Ziel war es, mit einem leeren Kühlanhänger die Messe zu verlassen. Jetzt thronten darin u.a. noch sechs Kisten Strauchtomaten und ein Kilogramm wohlduftendes Basilikum. Was tun? In unserem zweitgrößten Topf wurden zwei Pakete Butter erhitzt. Dann flogen die entrappten Tomaten hinzu. Deckel drauf und in Ruhe brutscheln lassen. Nachdem es den Tomaten in ihrer Pelle zu heiß wurde, sprich diese aufriss, haben wir zwei Liter Weisswein und reichlich Gemüsebrühe angegossen, bis alle Tomaten bedeckt waren. Zwischendurch umrühren, damit nichts anbrennt. Wenn man mit einem Kartoffelstampfer leichtes Spiel hat, die Tomaten zu zerlegen, ist das Finale angesagt. Will meinen…. die Tomaten lediglich zerstoßen, nicht pürieren. Wir wollten ja zeigen, dass wir frische Produkte und keine Sugos verarbeitet haben. Dann reichlich Sahne und Creme-Fraiche dran, mit einem guten Natursalz und einem frisch gemörsten Pfeffer würzen. Und zum Schluss das fein geschnittene Basilikum unterheben.

Das war es auch schon. Jetzt müsst ihr nur noch die so entstandenen 200 Portionen auf die von euch benötigte Menge runter rechnen. Und als Beilage einfach eine Scheibe frisches Haus- oder Landbrot vom Bäcker eures Vertrauens.

In diesem Sinne,
mit inspirierend-kulinarischen Grüßen
Eure Kitchen-Friends