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Lebensrettung Blutspende!

Mrz 24, 2021 | VITAL

Wussten Sie, dass es in großen Tierkliniken Blutbanken gibt? Wie der Mensch können auch Hund und Katze einen medizinischen Notfall erleiden, in dem eine Blutspende lebensrettend ist. Der Fortschritt in der Veterinärmedizin ermöglicht inzwischen, dass Blutverluste mit entsprechenden Konserven individuell ausgeglichen werden können. Was bei einer Blutspende beachtet werden muss und wie Ihr Tier vielleicht zum Lebensretter wird, das erfahren Sie beim Weiterlesen.

Es ist erschreckend, wie schnell und unverhofft ein Blutverlust entstehen kann. Ursächlich sind Unfallverletzungen, Geburtsstörungen, Blutarmut aufgrund von Autoimmunkrankheiten, Gerinnungsstörungen und eine Rattengiftaufnahme zu nennen. Schon ein Verlust der Hälfte des Blutvolumens kann für den vierbeinigen Patienten sehr gefährlich werden. Laut einer Faustregel bemisst das Blutvolumen bei Katze 5-6% und beim Hund 8-9 % des Körpergewichts. So besitzt ein 10 kg schwerer Hund etwa 850 ml Blut und schwebt bei einem Verlust von über 400 ml voraussichtlich in Lebensgefahr. Probleme bereitet in der Praxis allerdings die Abschätzung des wirklichen Blutverlustes, da das verlorengegangene Volumen kaum gemessen werden kann. Letztendlich muss ein Blutbild angefertigt werden, um mit Hilfe der relevanten Laborparameter die Situation besser einschätzen zu können.

Blut kann nicht künstlich hergestellt werden und es hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Große Kliniken verfügen über eine Blutspenderkartei oder sogar über eine eigene Blutbank, auf die im Fall der Fälle zurückgegriffen werden kann. Hier lagert das Blut von gesunden Spendertieren, die vor ihrer Spende ein Checkup durchlaufen müssen. Der ideale Spenderhund ist 1 bis 9 Jahre alt, mindestens 20 kg schwer, besitzt einen zuverlässigen Impfstatus, ist frei von Parasiten, war in der Vergangenheit nicht im Ausland, hat selbst nie eine Blutspende erhalten und braucht selbst keine Medikamente. Soll eine Katze Blut spenden, dann darf auch sie maximal 9 Jahre alt sein, wiegt mindestens 4 kg, ohne an Übergewicht zu leiden, lebt ausschließlich in der Wohnung und ist frei von ansteckenden oder chronischen Erkrankungen. Hunde dürfen drei- bis viermal und Katzen etwa zweimal pro Jahr ihr Blut spenden. Die eigentliche Entnahme dauert 15 bis 20 Minuten und findet über einen Zugang an der Halsvene statt. Das But wird in einem Blutentnahmebeutel, der Stabilisatoren enthält, aufgefangen. Eventuell wird das Spendertier zeitgleich mit einer Infusion versorgt. Weil frisches Vollblut nur wenige Stunden haltbar ist, wird eine Blutkonserve besonders aufbereitet, so dass nach der Trennung der zellulären Blutbestandteile vom Plasma eine längere Lagerung möglich ist und die Konserven individueller eingesetzt werden können.

Analog zur Humanmedizin sollte eine Bestimmung der Blutgruppe bei Spender- und Empfängertieren vor der Transfusion erfolgen. Katzen verfügen über ein AB-System. Samtpfoten der Rasse EKH tragen meist die Gruppe A und Rassekatzen die Gruppe B. Es ist bekannt, dass Gruppe-B-Katzen schon bei der ersten Spende mit heftigsten Reaktionen auf Gruppe-A-Blut reagieren können. Somit ist eine vorhergehende Blutgruppenüberprüfung unerlässlich. Hundeblut wird in 12 Gruppen eingeteilt, von denen die sogenannte Blutgruppe DEA 1.1 eine besondere Bedeutung besitzt (DEA = Dog Erythrozyte Antigen). Zwar hat der Hund keine natürlichen Antikörper gegen Fremdblut, aber es kann zu Unverträglichkeiten während und nach der Transfusion zwischen DEA 1.1 negativen und DEA 1.1 positiven Hunden kommen. Zur Sicherheit sollte also auch bei den Hunden eine Bestimmung der Blutgruppe erfolgen. Der Universalspender trägt das Dog Erythrozyte Antigen nicht und ist damit DEA 1.1 negativ, während DEA 1.1 positive Tiere ihr Blut nur an ebenfalls positive Tiere geben dürfen.

Nach der Blutspende sollte sich der Vierbeiner noch etwas schonen und natürlich ausreichend trinken und fressen. Wer daran interessiert ist, dass sein Tier Blutspender wird, der kann den Kontakt auf der Homepage größerer Kliniken suchen. In der Regel findet vor der Spende ein kostenloser Checkup inclusive Blutuntersuchung statt. Die Gesamtdauer der Blutspende inclusive Untersuchungen und anschließender Überwachung dauert in der Regel eine Stunde. Manche Kliniken bieten den Patientenbesitzern weitere Aufwandsentschädigungen an. Die größte Belohnung ist jedoch das Wissen, einem anderen Tier das Leben gerettet zu haben.

Ihnen wünsche ich frohe Ostertage und verweise schon jetzt auf meinen Artikel in der Aprilausgabe „Die artgerechte Haltung der Langohren“.

 

Ihre Dr. Simone Möllenbeck