Lou Dynia

Jul 28, 2020 | ALLGEMEIN, Menschen, PORTRAITS

Liebes PAN-Team, 

zunächst einmal von Herzen Danke für die „Bühne“, die ihr uns Künstlern immer wieder bereitstellt! 

Wir schreiben das Jahr 2020 und NEIN, ich bin kein Aluhut-Träger und bin normalerweise auch weit weg von Panik oder Existenzangst. Aber mittlerweile frage ich mich, wie unsere Welt in 2-3 Jahren aussieht!? Wollen wir das alles wirklich so? Wollen wir immer weiter alle Menschen schützen, impfen und „in Sicherheit“ bringen? 

Und dann ändert sich auf einmal etwas in mir: Ich habe Angst, denn das ist nicht mehr meine Welt. Meine Welt ist bunt, kreativ und frei und normalerweise gefällt sie mir sehr sehr gut. 

Also mal zurückgespult… 2020 – Corona kommt und ich bin dankbar, dass ich in Deutschland gesund, sicher, wohl behütet und ohne völlig verrückte Trumpel leben darf. Mein Vater war ein Flüchtlingskind, darum ist mir sehr bewusst, welch großartiges Glück ich habe – hier, so zu leben. Unsere Politiker machen einen unfassbar guten Job, müssen jeden Tag nie da gewesene Lösungen finden und ich möchte mit keinem Minister tauschen. Es werden Pläne geschmiedet, wie man zuerst Menschenleben, dann die Wirtschaft und das ganze Drumherum rettet.

Alles gut so! Ich fühle mich sicher! Wird schon, denke ich und außerdem lacht die Sonne. Es gibt immer einen Weg, immer! 

Dann kommen die ersten Kommentare netter Menschen:

 Na, haste schon neue Lieder geschrieben, wo ja jetzt keine Auftritte möglich sind? Bekomm ich Rabatt wenn ich jetzt für nächstes Jahr buche? Machst Du jetzt auch online Konzerte? 

Mach mal, finde ich super!
Wir klicken auch rein. 

„Jo denke ich, das ist ja super, wenn alle rein klicken… Ich mach dann meinen Kühlschrank mit „Gefällt mir“, „Herzchen“ und „Daumen hoch“ voll. Verhungern werde ich bestimmt nicht, denn die Politik überlegt gerade, 80.000 Menschen aus Osteuropa einzuladen, damit die unsere Erdbeeren pflücken und unseren Spargel stechen. Nur frage ich mich dabei, wer in der Politik wovon auch immer gestochen wurde. Mittlerweile sind wir im Juli 2020 angekommen, die Erdbeeren und der Spargel sind verdaut und es lockert sich, langsam. Gott sei Dank!

 Termine wurden ohne viel Tamtam ins nächste Jahr verschoben, und Menschen freuen sich für mich, sie verstehen trotzdem nicht, dass der Termin im nächsten Jahr kein „neuer Auftrag ist“, sondern Schadenbegrenzung. 

Die Hoffnung auf winterliche Konzerte bleibt – nur wie plant man(n) das sinnvoll, bleibt die Frage.

Dann klingelt plötzlich das Telefon und ein lieber Mensch fragt: 

„Lou – spielst Du eigentlich auch im Garten Konzerte?“ Mein Herz lacht und ich sage mit freudiger Stimme – JA klar, dafür lebe ich, das liebe ich, ob klein ob groß oder riesengroß. Wann soll es denn sein?“ 

Mein Herz pocht, ich bin gesund und es geht weiter und weiter… immer einmal mehr aufstehen als hinfallen! Dankbarkeit macht sich in mir breit – ich bin auf einem guten Weg! 

PS: Ohne ein kleines Zitat möchte ich nicht gehen, denn dann wird man mich (vielleicht noch besser) verstehen:

„Erst wenn das letzte freie Theater pleite ist, der letzte Bühnentechniker umschult und der letzte Clown keinen mehr zum Lachen bringt, werdet ihr zu Hause Frauentausch und die Geissens gucken und feststellen, dass RTL2 mit Kultur so viel zu tun hat, wie Fußpilz mit veganer Ernährung.“ 

(Barbara Ruscher)

Foto (oben): gedankentanken,

Fotos (unten): Hartmut Springer

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