Marco Büning – Corona, Frida und die Kunst

Apr 30, 2020 | LEBENSART, Menschen, PORTRAITS

Als ich zum ersten Mal das Wort „Corona“hörte, dachte ich an mexikanisches Bier und nicht an eine Pandemie, die alles verändert, uns isoliert und unsere Gesellschaft auf die Probe stellt. 

Aus  meinem offenen Atelier wurde ein Ort mit verschlossener Tür und mit dieser verschlossenen Tür blieben zunächst nicht nur die Kundschaft, das bestellte Material sondern eben auch die Inspiration aus. Die Arbeitstage wurden kurz, sehr kurz, ein ambivalentes Gefühl, weil mit der „Kurzarbeit“ eben auch die freie Zeit kam, die ich wundervoll mit meiner Frau Andrea und mit unserer gerade erst geborenen  Tochter Frida verbringen konnte.  Aber ich bin Künstler, ich muss arbeiten, schaffen, meine Gedanken in Form und Farbe bringen, ohne Material gestaltete sich das schwierig.

Beim Aufräumen fiel mir dann ein altes, völlig zerstörtes Ölgemälde in die Hände und aus der Not wurde eine Tugend. Aus dieser alten Landschaft, aus den Fragmenten, wurden neue kleine Kunstwerke. Das Thema „ The early bird“ beschäftigt mich schon länger und so sind jetzt so einige frühe Vögel in meinem Atelier zu sehen. 

Inzwischen hat sich die Lage entspannt, ich bekomme wieder Material und ich kann aus dem Vollen schöpfen. Es entstehen Werke, groß, schnell, frei. Mein Atelier ist wieder ein offenes Atelier. Ein bisschen ist es wie vor ein paar Monaten, aber im Grunde ist doch alles anders, weil so ein kleines Virus die gesamte Welt in ihre Schranken verwiesen hat. Ich trage beim Einkaufen und Verkaufen einen Mundschutz und bin dennoch der glücklichste Mann der Welt, weil trotz der Krise mein Leben so reich geworden ist. Am Abend komme ich nach Hause und höre meine Frau sagen: Frida- da kommt der Papa! Und ich lächle, auch unter meinem Mundschutz.