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Martina & Moritz

von | Jun 20, 2022 | Kulinarik

Text: Roland Buß // Fotos: Kirsten Buss

Küchenunterhaltung vom Feinsten

Sonntag, 22. Mai 2022, 15:00 Uhr 46399 Bocholt, Westend 2,
Ausstellung der Aloys Hungerkamp GmbH & Co. KG

Prolog 

Die Geschäftsführerin Petra Hungerkamp begrüßt die ca. 100 Gäste der zweiten Koch-Show von Martina & Moritz am heutigen Tag. Ein historisches Datum, da es auf den Tag genau 100 Jahre her ist, dass die Firma von Aloys Hungerkamp gegründet wurde. 

Petra moderiert die Protagonisten Martina Meuth und Bernd Moritz Neuner-Duttenhofer an, die daraufhin die Kochbühne erklimmen und das Publikum sympathisch für sich vereinnahmen. 

Seit 1988 sind die beiden im WDR präsent. 2.500 Rezepte haben sie in den zurückliegenden 34 Jahren vorgestellt. Und ja, sie brauchen beim Einchecken im Hotel keine zwei Einzelzimmer, sie sind miteinander verheiratet – auch wenn die Nachnamen das nicht erkennen lassen. Beide sind Wiederholungstäter in Sache Ehe – wobei sie im nächsten Jahr ihr Vierzigjähriges feiern. Was es da wohl zu Essen geben wird? 

Moritz, der mit bürgerlichem Namen Bernd heißt, der auch schon als Moritz Duttenneuner-Hofer anmoderiert wurde, klärt auf, wie er zum „Moritz“ mutierte. Bernd schien den Programm-Direktoren des WDR zu bieder, so dass er nach weiteren Vornamen in seiner Geburtsurkunde befragt wurde. Dort prangte noch ein Maximilian – als Hommage an seinen Opa. Die Abkürzung Max wäre naheliegend gewesen – allerdings nicht für die Leute vom WDR – die in Anlehnung an das Märchen „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch, das „Moritz“ in Stein meißelten. Und so wurde aus dem Paar „Martina & Moritz“ (M&M), dass die Menschen vor den Fernsehern dieser Republik zum Nachkochen animierte. 

Während des süffisanten Geschichten-Teiles von Moritz, enteilte Martina in den Backstage-Bereich – mit eingeschaltetem Headset-Mikrofon. Und so bekamen die Zuschauer eine erste Hörprobe davon, dass Martina im Leben abseits der Mattscheibe wesentlich umgänglicher ist, als sie uns das geraume Zeit haben glauben lassen – mehr dazu im Interview mit Martina & Moritz im kommenden PAN.  

Ein Tag ohne Kartoffelsalat

ist kulinarisch betrachtet

ein verlorener Tag.

Ein Plädoyer für die hausgemachte Mayonnaise

Diese gehöre natürlich mit einem guten Olivenöl zubereitet, auch wenn viele Menschen mittlerweile Rapsöl verwenden würden. Aber … Millionen Griechen, Franzosen, Italiener, Spanier etc. könnten nicht irren, so Moritz, während er der mit Pürierstab mixenden Martina ein gutes ligurisches Olivenöl ans Eigelb, Dijon-Senf, Zitrone und Salz goß. 

Serviert wurde die Mayo auf frisch geschnittenem Kohlrabi. Der jüngste Gast war mit seinen acht Jahren voll des Lobes und ließ sich beim Nachschlag nicht zweimal bitten. 

Ein Tag ohne Kartoffelsalat … 

… ist kulinarisch betrachtet ein verlorener Tag. Mit diesem Zitat ihres Mannes enthüllte Martina eine von Moritz Leidenschaften für alles rund um dieses Thema – inkl. des gleichnamigen Kochbuches, welches im Jahre 2020 von den beiden herausgegeben wurde. 

Moritz Ansatz „Meine 10.000 liebsten Kartoffelsalate“ wurden vom Verleger auf 100 Rezepte eingeschmolzen. Wahrscheinlich in der Sorge, dass eine Kartoffelsalat-Enzyklopädie sich schwerer verkaufen lasse. 

Beim anschließenden Storytelling zu einem tollen, schwäbischen Kartoffelsalat, der mit warmer Brühe aufgegossen wird, gab Moritz zum Besten, dass die richtige Konsistenz erreicht sei, wenn der „Kartoffelsalat anfängt mit dir zu schwätzen“. Ich denke, dass damit die Schlotzigkeit gemeint ist, die auch beim Risotto-Kochen des Öfteren von Fernsehköchen beschworen wird. Dann nämlich, wenn die Masse einen Zustand erreicht, den man auch mit sämig, cremig oder auch schleimig bezeichnen könnte. 

Ein solcher „geschwätziger“ Kartoffelsalat wurde dann als Probierportionen von den fleißigen Hungerkamp-Ladies & Klaus van Gelder unters lauschende Volk getragen. Garniert mit fangfrischem Matjes von der Küste – wie Moritz betonte. 

Es war ungewohnt anders, Moritz als Frontmann und Chief-Storyteller zu erleben, während Martina mit einer souveränen Ruhe um ihn herum wuselte und sich um das Finale der Probierportionen kümmerte. Mal wieder vergessend, dass ihr Mikro auch im Backstage-Bereich funktionierte, wie ein „Huch, ist das heiß“ für Schmunzeln im Publikum sorgte, was sich sichtlich bestens unterhalten fühlte. 

Abstieg aus der 1. Bundesliga

Während Martina den 11 kW-Wok neben der Bühne zündete, erzählte Moritz von ihren Anfängen im Öffentlich-Rechtlichen. Damals gestartet im ARD, als Nachfolger eines Formates des Gastro-Kritikers Wolfram Siebeck. 

Martina berichtete von einem kurzem Intermezzo mit dem „WDR Gasthaus“ – was nach zwei Folgen eingestellt wurde, weil Wolfgang Menge (der Ideengeber für die Figur „Ekel Alfred“ – Ein Herz und eine Seele) „keinen Bock mehr hatte“. Möglicherweise umschlichen Drehbuchautor und Akteur Alfred Tetzlaff (alias Heinz Schubert) eine Art Seelenverwandtschaft. 🙂

So seien die Beiden irgendwann im Dritten Fernsehen, dem WDR gelandet und dem jahrzehntelang treu geblieben. 

Bärlauch meets Chili 

Martinas Werken am Wok wurde begleitet von einem Plädoyer für eben diesen. Der sei beinahe täglich (auch privat) bei den Beiden im Einsatz. Heute, um darin Bärlauch-Blutwurst vom Metzger ihres Vertrauens aus dem Schwarzwald anzubraten, der anschließend auf ebenfalls angebratenem Spitzkohl serviert wurde. Dieses war im Wok mit einem Schuss heimischen Cidre’s abgelöscht und mit asiatischen Noten, wie Ingwer und Chili gewürzt worden. 

Das Verteilen der Probierportionen geriet zu einer Art „russischem Roulette.“ Die legendäre Blutwurst vom Metzger gab es mit Chili und ohne Chili – wobei deren dunkle Pelle dies nicht verriet. Währenddessen erfuhren die Gäste, dass Martina & Moritz auf einem 134 Jahre alten Apfelgut im Schwarzwald leben und der Cidre aus eigener Produktion stammt. 

Erdbeeren, Orangen und dickmachendes Fernsehen 

Im vierten Gang erfuhren die Gäste, dass frische Erdbeeren & Orange kongenial seien – z.B. in Verbindung mit einem Orangennektar, einem Orangen-Geist … was auch immer. Es käme auf die Mischung dieser beiden Fruchtnoten an – eine Inspiration, die die Beiden aus der mediterranen Küche übernommen haben. 

Der Küchentalk wurde bisweilen mit kleinen Fernseh-Geschichten gewürzt. Wusstet ihr eigentlich, dass Helmut Kohl in Wirklichkeit gar nicht so dick war, wie wir annahmen? Das sei der Wölbung der damaligen TV-Geräte geschuldet gewesen. So sei Martina mal auf einer Raststätte von einem Fan erkannt und begrüßt worden mit den Worten: „Sie sind ja gar nicht so dick, wie im Fernsehen“ – ist sie auch wirklich nicht! 

 

Wertschätzung

Nach 80 Minuten köstlicher Küchen-Unterhaltung bedankten sich Moritz und Martina beim Publikum und beim Team Hungerkamp. Moritz Worten „Mit Ihnen könnte man sofort ein Restaurant eröffnen“ folgte Martina’s Lob „Sie verstehen Ihr Geschäft.“ Diese Wertschätzung wurde auch vom Publikum geteilt, so wurden wir Ohrenzeuge vom Ausspruch eines begeisterten Pärchens an Klaus van Gelder: „Sie sind hier ein tolles Team. Wir sind kurzentschlossen Ihrer Einladung gefolgt und haben es zu keiner Sekunde bereut. Wir sind froh, dass sie uns jetzt als Kunden haben.“ 🙂 

 

Das vorletzte Wort gebührte der Gastgeberin Petra Hungerkamp, die sich bei ihrem Team, bei den Protagonisten Martina & Moritz und bei ihrer Freundin Christa Hoffs von der Bühne Peperoni bedankte, für die Unterstützung bei diesem tollen Format. 

 

Books

Zum Abschluss wiesen Martina & Moritz auf den Büchertisch hin – mit anschließender Signier-Stunde. Ihr neuestes Buch „Reiseführer durch den Schwarzwald“ und Moritz „Kartoffel-Salat-Bibel“ wanderten in unseren Einkaufskorb. 

 

Fazit & Ausblick 

Wir haben den offiziellen Teil sehr genossen – am Gaumen und in unserer Food- & Storytelling-Seele. Es war sehr angenehm Moritz mit seiner immer leicht heiser klingenden Stimme zu lauschen und … etwas anders als erwartet 🙂 … eine so harmonisch-sympathische Martina zu erleben. Aber dazu mehr in der nächsten PAN-Ausgabe, wo wir unser Interview mit den beiden extrem sympathischen Menschen mit euch teilen.