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Neues aus der Parasitenprophylaxe

Sep 1, 2021 | VITAL

Erinnern Sie sich daran, dass ich Sie schon im Jahr 2010 mit meinen Artikeln „Da ist der Wurm drin“, „Herbstzeit – Zeckenzeit“ und „Flohzirkus“ über die wichtigsten Erkenntnisse und die passenden Maßnahmen aus der Parasitenprophylaxe informiert habe? Damals hatte ich meine Kleintierpraxis in Rhede-Krechting gerade eröffnet. Die Zeit ist so schnell vergangen. Heute muss ich ein wenig schmunzeln, wenn ich mir die alten Beiträge nochmals anschaue. Alles ein alter Hut? Ganz bestimmt nicht, denn inzwischen gibt es neben dem Altbewährten neue Präparate gegen äußere und innere Parasiten, die durchaus ihre Berechtigung finden und die inzwischen auf dem tiermedizinischen Markt aufgrund der Weiterentwicklung einen großen Verkaufsanteil eingenommen haben. Ob Ihr Tier eine Parasitenprophylaxe benötigt oder ob sogar eine Medikamentenumstellung bei Ihrem Vierbeiner sinnvoll ist, das erfahren Sie jetzt beim Weiterlesen.

Ektoparasiten wie Läuse, Flöhe, Zecken und Milben missbrauchen unsere Vierbeiner als Parasitenhotel. Die ungeliebten Würmer (Endoparasiten) besiedeln in der Regel innere Organe. Manche Parasiten sind für den Menschen harmlos, aber andere gefährden die Zwei- ebenso wie die Vierbeiner, so dass wir dann von einer Zoonose sprechen. Zoonotische Erkrankungen können vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Beispielsweise leiden Besitzer verflohter Hunde oder Katzen häufig auch unter den juckenden Stichen der blutsaugenden Plagegeister und manchmal richten Spulwurmlarven beim Menschen durch ihre Körperwanderung noch größeren Schaden als beim Tier an. Das Wurmproblem möchte ich nochmals erläutern. Nicht selten bleibt ein Wurmbefall unentdeckt, da die sichtbaren Erwachsenenwürmer natürlich im Wirt bleiben, während nur die mikroskopisch kleinen Wurmeier oder die leicht zu übersehenden Bandwurmglieder temporär über den Kot ausgeschieden werden. Besitzer, die ihren Vierbeinern möglichst wenig Medikamente zumuten möchten, bringen gerne Sammelkotproben für die labordiagnostische Untersuchung in die Tierarztpraxis. Hier wird mit Hilfe der Flotationsmethode versucht, einen Wurmbefall durch Wurmeinachweis zu bestätigen oder auszuschließen. Tierhaltern muss aber klar sein, dass die Methodik nur im positiven Fall ein sicheres Ergebnis repräsentiert, während im Fall eines negativen Ergebnisses ein kleines Restrisiko bestehen bleibt, da manche Würmer sich nicht mit dieser Methode nachweisen lassen oder trotz Sammelkotprobe gerade keine Eier ausgeschieden wurden. Daher empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation vierbeinige Familienmitglieder nach Risikoabwägung regelmäßig via Tablette, Paste oder mit einem Spoton, das auf die Haut geträufelt wird, zu entwurmen.

Ein besonderes Krankheitspotential für unsere Lieblinge bergen aber die Zecken. Sie sind Überträger von diversen Infektionskrankheiten wie Borreliose, Babesiose (Hundemalaria) und Ehrlichiose. Diese Infektionen gehören wie die von Mücken übertragende Leishmaniose oder die Herzwurmerkrankung zu den Reisekrankheiten, die vor allem durch Parasitenbefall in südlichen Regionen ausgelöst werden können. Die prophylaktischen Maßnahmen zum Schutz vor diesen Erkrankungen müssen vor dem Urlaubsantritt erfolgen und sollten mit der Tierarztpraxis abgestimmt werden. Wichtig ist, dass die eingesetzten Präparate einen abwehrenden Effekt haben und gar keine Zeckenbisse oder Mückenstiche zulassen. Hier stehen spezielle Halsbänder und Spotons zur Verfügung.

Juckt es Sie jetzt auch schon? Dann vergessen Sie bitte nicht, dass im Falle eines Flohbefalls oder -noch schlimmer – wenn die gefürchtete tropische Rattenmilbe bei Ihrem Tier nachgewiesen wurde, neben den Vierbeinern auch die Umgebung akribisch behandelt werden muss. Zur Umgebungsbehandlung stehen Sprays und Vernebler zur Verfügung.

Und was ist jetzt neu? Inzwischen wurden Tabletten aber auch Spotons entwickelt, die bei Hunden und Katzen gegen fast alle möglichen Ekto- und Endoparasiten wirken und je nach Präparat monatlich oder einmal im Quartal verabreicht werden. Gerade die orale Anwendung verhindert den Kontakt von uns Zweibeinern zu den Wirkstoffen, so dass diese Applikationsform von Familien mit Kindern bevorzugt wird. Durch den Rundumschutz können Sie sich sicher sein, dass in Haushalten mit Kleinstkindern oder immunschwachen Personen eine parasitäre Ansteckung durch die Vierbeiner sehr unwahrscheinlich ist. Bei manchen Präparaten ist es aber gerade beim Hund sinnvoll, ein zweites Medikament zum Schutz vor Bandwürmern zu kombinieren. Diesbezüglich und auch zu den Risiken und Nebenwirkungen der verschiedenen Antiparasitika sollten Sie sich in der Tierarztpraxis beraten lassen, denn die Auswahl des passenden Präparates hängt nicht nur von Ihrem Liebling, sondern auch von Ihren Lebensgewohnheiten ab.

Ich selbst entwurme meine Vierbeiner regelmäßig, achte gerade im Sommer auf einen sehr guten Zeckenschutz und würde meine Riesenschnauzerhündin Bella bei Reisen in den Süden zusätzlich mit einem abwehrenden Medikament gegen Zecken und Mücken behandeln, um sie vor Reisekrankheiten zu schützen. Inzwischen bin ich aus dem Urlaub zurück und hoffe, dass auch Sie unbeschwerte Sommerwochen genießen konnten. Nach der Urlaubssaison lesen Sie von mir „Der Urlaubsspeck muss weg“.

Ihre Dr. Simone Möllenbeck

Hovesath 7 · Rhede
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Mobil: 0151 / 569 64 364
www.rhede-tierarzt.de