Ready for Take off

Aug 24, 2020 | AKTUELLES, LEBENSART, PORTRAITS, Unternehmen

Morgenstund hat Gold im Mund

Montag, 17.08.2020, 06:25 Uhr
Wir klettern in unseren MINI-Cooper S Cabrio, um bei offenem Verdeck dem Sonnenaufgang entgegen zu fahren. Unser Ziel: Der Flugplatz in Stadtlohn-Wenningfeld oder richtigerweise Stadtlohn-Vreden.

Die Chef-Redakteurin des PAN (meine Frau) und Jens Feldkamp, Marketing Manager für die Autohäuser der Boomers Gruppe haben wieder eine besondere
Aktion ersonnen.

Dreimal „b“: ein besonderes Fahrzeug, an einer besonderen Location, mit einem besonderen Fahrer.

Klingt toll, ist aber deutlich zu früh für eine bekennende Nachteule, die so seine Schwierigkeit mit „der Frühe-Vogel-fängt-den-Wurm-Philosophie“ hat. Kirsten hat wohl weißlich zwei Kaffee in den Getränkehaltern des MINI platziert. Morgensonne und Fahrtwind taten ihr Übriges, um meine Mundwinkel sanft anzulupfen. 

 

„Sag mal, ich hoffe, dass es an der Location einen zweiten Kaffee und ein Brötchen geben wird, oder? Nur Morgenstund wäre mir zu wenig im Mund.“
Kirstens Schweigen verrät ein nicht ganz perfektes Drehbuch für das Shooting – zumindest was das Crew-Catering angeht.

 

Familien-Treffen auf dem Flughafen Stadtlohn-Wenningfeldt 

Auf der Hinfahrt resümieren wir die Inhalte und Ziele dieser Aktion. „Warum Stadtlohn?“ hatte ich Jens während einer telefonischen Nach-Vernehmung gefragt. Wir mögen es, wenn eine Story rund ist, wenn die Details einen Sinn ergeben. „Wegen der naheliegenden Symbiose zwischen Flughäfen, Flugzeugen und sportlichen Autos. Wir mit unseren vier Standorten in Bocholt, Borken, Ahaus und Haltern am See sind regional verwurzelt, da ist der Flugplatz in Stadtlohn naheliegender und sympathischer als z.B. Düsseldorf“, so die Antwort vom Marketing-Experten Jens.

Klang schlüssig und so erfolgte die Kontaktaufnahme zu Norbert Hetkamp, einem der beiden Geschäftsführer der Flugplatz Stadtlohn-Vreden GmbH. Ein ganz unkomplizierter Austausch, wie Kirsten bilanzierte und richtigerweise eine Verlagerung von einem geplanten Sonnenuntergangs-Shooting zu dieser frühmorgendlichen Aktion. Zwei Stunden Zeit bis zum Einsetzen des normalen Flugverkehrs versprachen einen geschmeidigeren Ablauf, als die anvisierte Zeit zwischen Ende des Flugverkehrs (21:00 Uhr) und Sonnenuntergang. 

Montag, 17.08.2020, 07:00 Uhr 

Wir steuern unseren MINI zum Meeting-Point an der Tankstelle, am Rande des Flugplatz-Geländes. Wir parken unseren Cooper S zwischen seinen beiden großen Brüdern:

– dem aktuellen John Cooper Works GP vom Autohaus Boomers 

dem Vorgängermodell, ein John Cooper Works GP ebenfalls vom Autohaus Boomers 

Kurz nach uns gesellt sich Reinhard Nehls, ebenfalls mit einem Vorgängermodell des John Cooper Works GP, aus seinem eigenen Fuhrpark dazu. 

Die vier MINI’s haben bestimmt viel zu erzählen – über sich und ihre Fahrer. Das ganze mutet an, wie ein Familientreffen. Wir wollen nicht stören und platzieren die Erörterung des Drehbuchs für das Shooting etwas abgesetzt. 

 

Wir, das sind die Protagonisten: 

Jens Feldkamp und Gerd Boomers, vom Autohaus Boomers 

der Rennfahrer Reinhard Nehls 

der Photograph Theo Barth, ein Spezialist für Impressionen rund um den Rennsport (theodorbarth.de)

Pierre, Kirsten und ich vom MÜ12-Verlag 

Irgendwie scheint sich die Harmonie, die unter unseren Fahrzeugen zu herrschen scheint, auch auf uns und das Setting zu übertragen. Wir begrüßen Herrn Hetkamp corona-gerecht. Zeitgleich schaltet der Mann im Tower die Beleuchtung der Start- und Landebahn an – ein irres Zusammenspiel mit den Wolkengebilden, durch die gelegentlich die Sonne blinzelt. 

Ein jeder von uns weiß, was er zu tun hat. Lediglich der Kaffee-Verantwortliche wird vermisst. Gerd Boomers verspricht Heilung bei der nächsten gemeinsamen Aktion. Mit solchen Menschen kann man arbeiten! 

Technische Daten

– Zweiliter-Vierzylinder Turbomotor mit 225 kW / 306 PS 

– maximales Drehmoment von 450 Nm

– 265 km/h Höchstgeschwindigkeit 

– von null auf 100 km/h in 5,2 Sekunden –
damit ist er der schnellste serienmäßig hergestellte Fronttriebler der Welt

– Leichtbau-Dress, d.h. nur 1.225 kg 

Der John Cooper Works GP – eine Legende

 

Bevor es los geht, widmen wir uns dem Hauptdarsteller des heutigen Tages, dem aktuellen John Cooper Works (JCW) GP. Die Abkürzung GP steht für Grand Prix, ganz im Sinne der langjährigen Rennsport-Tradition des MINI.

 Gegründet wurde das Unternehmen John Cooper Works im Jahr 2002 von Michael Cooper, dem Sohn von John Cooper, einem Sportwagen-Konstrukteur und  Autotuner des originalen MINI Cooper. In den ersten Jahren trat John Cooper Works als unabhängiger Tuner auf. Die Produktpalette umfasste Tuning Kits für die Modelle MINI Cooper und MINI Cooper S. Im Januar 2007 erwarb BMW die Markenrechte von John Cooper Garages, wodurch die Marke John Cooper Works seit 2008 offizieller Bestandteil der Marke MINI ist.

Bei unserem Hauptdarsteller handelt es sich um einen straßentauglichen Rennwagen in einer limitierten Auflage von 3.000 Stück weltweit. Lediglich 515 davon haben Einzug in den deutschen Markt gehalten. Damit ihr ein Gefühl für diese Rarität bekommt – zum 01. Januar 2020 verzeichneten wir mit 47.700.000 angemeldeten PKW den höchsten Wert aller Zeiten. Daran wird wahrscheinlich auch Covid-19 nichts verändert haben.  Die Wahrscheinlichkeit eine Rarität wie diesen JCW GP auf Deutschlands Straßen anzutreffen liegt somit bei 1 : 92621. Viel Spaß beim Zählen und Erspähen auf der Autobahn. 

Kleiner Leidenschafts-Exkurs: Als Viel-Schreiber und Notizen-Junkie hatte ich jahrelang ein besonderes Schreibgerät im Focus: einen Montblanc Great Characters Limited Edition Leonardo da Vinci Rollerball aus dem Jahre 2014. Von dem gibt es weltweit ebenfalls nur 3.000 Exemplare – ich besitze Nummer 1.370. Von daher kann ich den Stolz des Autohauses Boomers nachempfinden, den neuen John Cooper Works GP sein Eigen nennen zu dürfen.  Bei der aktuellen Version handelt es sich um den stärksten und schnellsten MINI, dieser britischen Traditionsmarke, den es je gab. Für die Rennstrecke designed – in Oxford gebaut und seit März 2020 im Handel – und doch wieder nicht. Warum? 

Weil dieses Modell in „normalen Systemen“ nicht verfügbar ist, so Jens Feldkamp – eine vornehm-bescheidene Umschreibung für: „wird handverlesen zugeteilt.“

Mein erster Eindruck zu diesem Fahrzeug

 

Es handelt sich um die Fahrzeugnummer 1.427 dieser Limited-Edition. Diese Zahl prangt auf dem Kotflügel vorne rechts (aus recyceltem Carbon) und auf dem Dash-board im Bereich des Armaturenbrettes auf der Beifahrerseite. Die Carbonelemente lassen ahnen, dass es bei diesem Modell auch darum ging, Gewicht zu sparen, um noch mehr Speed aufbauen zu können. 

Aus diesem Grund sucht man auch vergeblich die Rücksitzbank, die ebenfalls dem Abspecken zum Opfer fiel. Der Maxi-Cosy müsste dann schon auf dem Beifahrersitz montiert werden, was erfahrungsgemäß Gesprächsbedarf mit der potenziellen Beifahrerin, dem potenziellen Beifahrer mit sich bringen könnte. Kurzum, der JCW ist ein eher suboptimales Familienfahrzeug. Der nicht zu übersehende Heckspoiler, verrät eine weitere Fokussierung – die Aerodynamik des Fahrzeugs. Hier wurde viel Aufwand betrieben, um für den nötigen Downfource zu sorgen. In meinen Recherchen habe ich die Passage gelesen „damit er wie auf Pattex durch die Kurven zieht.“ Ich mag eine solche bildhafte Schreibe. Spontan steigt mir der Geruch dieses Klebstoffes wieder in der Nase, obwohl ich seit meiner Schulzeit keinen Kontakt mehr mit ihm hatte. Schnüffelt ihr gerade gedanklich mit?

Die Farb- und Stilberater von MINI haben bei diesem MINI-Boliden ein Rouge aus Racing-Grey-Metallic aufgetragen. Das Dach und die Außenspiegel glänzen in Melting-Silver. Wichtige Details werden durch Chili-Red akzentuiert. Bei den Logos nimmt man sich wieder vornehm zurück – Understatement in Piano-Black. 

Als weiteren, visuellen Appetithappen gönnt euch diese 09:02 Minuten:

Bei den Recherchen ist mir auch diese Passage untergekommen: „Diese dreitürige Knutschkugel misst in der Länge gerade mal 3,88 Meter und liegt mit seinem 2,50 Meter Radstand nur knapp über einem Bobbycar.“

 Der Verfasser dieser Zeilen dürfte über ein gestörtes Verhältnis zu Relationen verfügen – Qualitäts-Jounalismus geht anders. Ein Bobby Car Classic misst exakt 58 Zentimeter. Damit müsste man 6,69 dieser Baby-Mobile hintereinander stellen, um die Länge des JCW abzubilden. Wir wollen den Begründern der Fake-News-Plattitüden keinen weiteren Nährboden für ihre hohlen Phrasen bieten. Zurück zum Thema, lasst uns kurz über den Preis sprechen, obwohl … macht das Sinn, wenn der Markt leergefegt ist? Wer weiß, vielleicht ergibt sich für jemanden von euch die Gelegenheit, als Zweitbesitzer diese Legende unter den berühmten vier Buchstaben zu spüren. Dann solltet ihr wissen, dass der Erstbesitzer seinerzeit mindestens 45.000,- Euro berappen musste.

Das scheint auf den ersten Blick viel Geld zu sein, für ein solch übersichtliches Auto. Gemessen an dem, was es kann und wie limitiert es ist, erschien mir dieser Preis extrem fair. 

Die Umsetzung des Drehbuchs

 

Jens Feldkamp und Gerd Boomers bestiegen die Fahrzeuge BOR-GB 10 (aktuelles Modell) und AH-GB 11 (Vorgängerversion). Ihr dürft raten, wer in welchem Fahrzeug saß. Manchmal sind es winzige Details, die etwas über die Kultur eines Unternehmens verraten.

Photograph Theo kletterte in den Heckraum von Pierre’s Familienauto – dem einzigen Nicht-MINI am Set. Was auch gut war, denn als Basis für einen solchen Rolling-Shot erscheint der Kofferraum eines MINI eher ungeeignet. 

Und so gab es die ersten Standbilder und Bilder mit moderaten Geschwindigkeiten. 

Neben uns schien sich Reinhard Nehls schon mental auf seine Jungfernfahrt vorzubereiten. Ihr werdet Reinhard auf den folgenden Seiten intensiver kennenlernen. 

Als Reinhard dann endlich in den neuen JCW GP kletterte, war dieses Momentum in seinem Gesicht, das wir alle noch von Weihnachten kennen – der Moment, wo Kinder das große Geschenk auspacken durften, deutlich zu erkennen. Dieses süffisante Lächeln mutiert von Runde zu Runde zu einem ganz-gesichts-umfassenden Dauergrinsen. 

Der Slalom durch die Pilonen wechselte sich ab, mit rasanten Spurwechseln auf der Landebahn. Das Röhren des Doppelrohres aus dem Endschalldämpfer im Duett mit den driftenden Reifen. 

Hier waren zwei Profis auf der Piste – ein brillant konstruiertes Fahrzeug und ein Fahrer, der es beherrscht.  Bei all meiner Begeisterung habe ich glatt vergessen, selbst eine Runde zu drehen – und der fehlende Kaffee hatte auch keinen Raum mehr in meinen Gedanken. 

Ein herzliches Dankeschön an die Crew des Flugplatzes, die spontan zwei Hangertore öffneten, um eine Szenerie mit einer Propellermaschine preiszugeben. Dankend angenommen von Theo und seiner Canon. Das einzige Fluggerät, das während der uns zugestandenen Zeit abhob, war Theos Drohne, die mit ein paar Impressionen aus der Luft das Drehbuch das Shootings abrundete.

 Merci an alle Protagonisten, das war ein extrem kurzweiliger Start in die Woche, der mit einem wohlverdienten Frühstück in Oeding soft gefeiert wurde. 

Ich möchte mich an dieser Stelle für das nicht immer motorsportgerechte Wording und das teilweise fehlende technische Verständnis entschuldigen. Aber, wir sind ja der PAN und nicht Auto-Motor-Sport … 

Der Gentleman-Driver Reinhard Nehls
und seine Facetten

Mittwoch, 19.08.2020, 14:00 Uhr
Bocholt, Harderhook 31, Sitz des Unternehmens Caisley International GmbH 

 

Ich treffe mich zum Kaffee nebst Interview mit Reinhard Nehls, dem Rennfahrer und Unternehmer, der seit 1989 das Unternehmen Caisley zu einem Weltmarktführer in Sachen Tierkennzeichnung entwickelt hat. Ziemlich viele Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen auf diesem Planeten sind mit Ohrmarken aus diesem Unternehmen gepierct – um es vereinfacht darzustellen.

Reinhard, älter als 60, jünger als 70 – sehr oft ein leicht verschmitztes Lächeln im Gesicht.

 

pan: Reinhard, was ist ein Gentleman-Driver?

Reinhard Nehls: Ein Fahrer über 40 (grinst) 

Zwischengedanke 

Mehr als das, wie meine Recherchen verrieten … 

Steve Mc Queen, der amerikanische Schauspieler, der nebenbei auch Autorennen fuhr, wird in dem Artikel ebenfalls als entleman-Driver bezeichnet. Auch er fuhr einen MINI-Cooper – einen „S“ aus dem Jahre 1967 in braun-metallic.

Ein Cooper S in einer ähnlichen Lackierung, ebenfalls mit Zusatzscheinwerfern auf der Stoßstange, stand auf dem Parkplatz von Caisley. Zufall? 

Apropos Recherchen, wenn ihr Reinhard Nehls bei YouTube googelt, stolpert ihr über Innenraum Sequenzen des Renn-MINIs mit Reinhards frenetischem Jubel nach dem Überqueren der Ziellinie. Über seine bescheidene Aussage nach der Siegerehrung: „Das war die Leistung des Teams, ich bin nur gefahren“. 

Aber auch über einen spektakulären Überschlag auf dem Sachsenring im Jahre 2014.

pan: Was macht die Faszination Rennsport aus?

Reinhard Nehls: Der Rennvirus ist wie ein Herpes, den bekommst du nicht weg, der kommt immer wieder. Ich finde es faszinierend, ein Auto im Grenzbereich zu bewegen und mich dabei mit coolen Typen zu messen. 

pan: Gab es ein auslösendes Momentum? 

Reinhard Nehls: Ja, es war eine Orientierungsfahrt mit meinem Vater, organisiert durch den Bocholter Automobilclub – dass müsste 1967/68 gewesen sein. 

Danach habe ich angefangen Rally’s zu fahren – insgesamt 13 Jahre. Dann haben meine Frau und ich geheiratet, unsere Tochter Cornelia kam zur Welt und wir haben das Unternehmen Caisley aufgebaut – da war kein Raum mehr für den Motorsport. 

pan: Wann brach der Herpes denn wieder aus? 

 Reinhard Nehls: Das war Ostern 2002. Meine Frau, unser Hund und ich sind zum Wandern in die Eifel gefahren. Wir haben in einem Hotel in der Nähe des Nürburgrings übernachtet. Dort gab es eine Porsche-Veranstaltung. Ich hatte zu der Zeit auch einen Porsche. Ein Bekannter hat mich animiert mitzufahren. Ich habe mir einen Helm geliehen und los ging es. Ich habe in der Gleichmäßigkeitsprüfung direkt den zweiten Platz gemacht. 

pan: Was ist eine Gleichmäßigkeitsprüfung? 

Reinhard Nehls: Da geht es darum, möglichst die gleichen Rundenzeiten zu fahren. Das kann man sehr taktisch angehen – das geht aber in die Hose – zumindest bei mir. Meine Philosophie war … ich fahre einfach so schnell wie ich kann und das in jeder Runde.

Diese Strategie ging auf – und ich hing wieder am Gaspedal – sprich, mein Herpes brach wieder auf. 

pan: Wann kam die Faszination MINI ins Spiel? 

Reinhard Nehls: Das war Anfang 2005. Ich hatte vom Porsche die Nase voll – das gab mir nichts mehr.

Mein Freund und Rennmonteur Klaus Willnich sagte: „Dann gibt es nur eins, die MINI-Challenge.“ Der Gedanke versprühte sofort seinen Reiz. Das erste Auto meiner Frau war ein MINI. Wenn ich wirklich Spaß haben wollte, bin ich auch damals schon MINI gefahren. Die Direktheit dieses Fahrzeugs fasziniert mich einfach – auch schon bei den Serienmodellen. Ich habe dann bei BMW angerufen. Drei Tage später bekam ich das Angebot einen MINI-Rennwagen für die MINI-Challenge kaufen zu können.
In diesem Wettbewerb waren immer 42 MINI’s am Start, allesamt mit verplombten Motoren und Getrieben. Die Voraussetzungen, die Leistung der Fahrzeuge waren für alle gleich, da kam es vornehmlich auf das fahrerische Geschick an. 

Aus der MINI-Challenge sind viele große Fahrer hervorgegangen.

 

Wenn ich wirklich Spaß haben wollte, bin ich auch damals schon MINI gefahren. Die Direktheit dieses Fahrzeugs fasziniert mich einfach – auch schon bei den Serienmodellen. 

Reinhard Nehls 

Alle MINI-Fahrerinnen und alle MINI-Fahrer fahren MINI
– alle anderen fahren Autos.

Reinhard Nehls

pan: Gibt es die heute noch? 

Reinhard Nehls: Leider nicht, sie ist 2011 ausgelaufen und mündete in die MINI-Trophy, die weitere drei Jahre später ebenfalls eingestellt wurde. Ich bin dann, nach einer Aufrüstung meines MINIs, mit meinem Team bei der DTC der Deutschen Tourenwagen Challenge angetreten. Dort trafen wir auf eine Vielfalt von Fahrzeugtypen, auf echte Schwergewichte. 

pan: Klingt nach nicht ganz fairen Voraussetzungen oder? 

Reinhard Nehls: Auf den langen Geraden hatte ich natürlich keine Chance, aber in den Kurven konnte ich die Boliden schon kräftig ärgern (sein verschmitztes Lächeln nimmt relativ viel Platz in Reinhards Gesicht ein). 

pan: Wie ist dein aktueller Status im Motorsport? 

Reinhard Nehls: Wir haben meinen Renn-MINI kompromisslos auf den Rennsport umgerüstet, der hat jetzt 330 PS – mehr geht nicht. Damit fahre ich in der sogenannten NES 500. Das sind 3-4 Stunden-Langstrecken-Rennen. Aber auch da ist Covid-19 bedingt gerade mal Sparflamme angesagt. 

pan: Gibt es einen zeitlichen Horizont, wann der Gentleman-Driver Reinhard Nehls endgültig seinen Rennoveral einmottet – die 70-Jahre-Ziellinie ist ja nicht so ganz weit weg? 

Reinhard Nehls: Ich sage schon seit 10 Jahren nach jeder Saison „Es reicht“ und dann … du weist ja, wie das ist mit dem Herpes. Ich bin gut damit gefahren, dies von Jahr zu Jahr zu entscheiden …

pan: … auf Sicht fahren, wie unsere Politiker dies in der Corona-Krise oft bezeichnet haben.

Reinhard Nehls: Genau. Es ist schon so, dass die Anforderungen an die Konzentration im Cockpit steigen und mit zunehmendem Alter der Blickwinkel schmaler wird. Noch kann ich das durch Routine ausgleichen.

pan: Was rätst du jungen Menschen, denen es ebenfalls im rechten Fuß kribbelt, die der Geruch von Benzin und Gummi ähnlich stimuliert?

Reinhard Nehls: Es ist heute schwieriger geworden, seinen Fuß in die Rennsport-Szene zu setzen. Früher war der Rennsport auch für Privatpersonen noch finanzierbar – die MINI-Challenge war ideal dazu. Heute gibt es eigentlich nur noch den BMW 318ti-Cup, als vergleichbar günstigen Einstieg.

Wir rekrutieren unseren Nachwuchs fast ausschließlich über’s Kart-Fahren. Dort lernt man ein Balance-Gefühl zu entwickeln … auch wenn das sehr anstrengend ist, weil du im Kart kaum Zeit zum Luftholen hast. 

pan: Was macht die Faszination MINI für dich aus – eine Liebe, die dich offensichtlich schon lange begleitet? 

Reinhard Nehls: Alle MINI-Fahrerinnen und alle MINI-Fahrer fahren MINI – alle anderen fahren Autos. Das ist einfach ein geiles Auto. Wenn du an der Tankstelle einen MINI stehen siehst, dann schau dir mal an, wer da ein- oder aussteigt. Das sind in der Regel Menschen, die gut drauf sind, die Spaß an ihrem Auto haben. MINI ist einfach ein Stück Lebensgefühl – frustrierte MINI-Fahrer kenne ich persönlich nicht (breites Lachen).

pan: Jetzt ist der John Cooper Works GP, den du vorgestern über die Landebahn in Stadtlohn getrieben hast,
ja eine Klasse für sich und auch schwer zu bekommen. Hast du eine Empfehlung, mit welchem Modell man sich ein kleines Stück dieser Rennsport-Legende gönnen kann?
 

Reinhard Nehls: Grundsätzlich schlummert das in der DNA eines jeden MINI. Man macht aber nichts verkehrt, wenn man sich mit dem MINI-Cooper S oder den John Cooper Works-Modellen beschäftigt. Da stimmt einfach alles, die Mischung aus Leistung ist im Einklang mit den Bremsen, die ja gelegentlich auch betätigt werden müssen. Da fängt es an, richtig Spaß zu machen. Übrigens auch mit den Clubmann-S-Modellen, die haben eine 8cm breitere Spur und liegen noch besser auf der Straße – meine Tochter Cornelia fährt so einen.

pan: Gibt es eigentlich jemanden in eurer Familie, der keinen MINI fährt? 

Reinhard Nehls: Nein. Meine Frau fährt einen Cooper Works S, meine Tochter Britta einen MINI Cooper S.

Ich habe neben meinem aktuellen Rennwagen noch einen John Cooper Works GP aus der vorherigen Serie – das Teil, dass ich mit am Flughafen hatte. 

pan: Wie kommt man da dran, von dem gab es ja nur 2.000 Stück und nur 250 für den deutschen Markt?

Reinhard Nehls: Wenn man einen guten Autohändler zu seinen Freunden zählen darf (schmunzeln). Mit meinem Start bei der MINI-Challenge im Jahre 2005 begann die Zusammenarbeit mit dem Team vom Autohaus Boomers – eine Connection, die im Laufe der letzten 15 Jahre immer enger wurde. Ich mag den persönlichen Flair dort. Die Werkstatt ist klasse. Mit Gerd Boomers verbindet mich mittlerweile eine tiefe Freundschaft.

Ich hatte teilweise bis zu drei MINI’s in meinem Team, u.a. auch gefahren von Cora Schumacher, der Exfrau von Ralf Schumacher. Tim Hertz, ein absoluter MINI-Spezialist im Werkstatt-Team Boomers, verstärkt unser Technik Team rund um meinen Freund und Rennmonteur Klaus Willnich. 

pan: Okay, sprechen wir über vorgestern – deiner Premiere in dem neuen John Cooper Works GP. Gab es da für einen alten Hasen noch echte Wow-Effekte?

Reinhard Nehls: Ich bin extra mit meinem Vorgängermodell dieses Fahrzeugtypen zum Flughafen Stadtlohn gefahren, um einen direkten Vergleich zu haben.

Ich brauchte wenig Eingewöhnungszeit, d.h. das Fahrzeug fühlte sich toll an und ich war nach kurzer Zeit extrem gut unterwegs. Dieses Fahrzeug ist schon eine andere Dimension. Der ist etwas breiter als der Vorgänger und mit dem neuen 2-Liter-Motor schon ein sehr heftiges Auto – der gehört auf keinen Fall in ungeübte Hände. Ich war echt beeindruckt von seinem Vorwärtsdrang – wie er seine Leistung entwickelt. Beim Spurwechsel zwischen den Bahnen habe ich bewusst eine Bodenwelle genommen. Bei diesem „Schnippeln“ habe ich gespürt, wie gut sich dieses Fahrzeug kontrollieren lässt.

Der wird seinem Zusatz GP (Grand Prix) zu 100 Prozent gerecht. 

Zwischengedanke

Ich war beeindruckt von diesem 105 Minuten-Gespräch mit dem Gentleman-Driver Reinhard Nehls, von seiner Leidenschaft für die Marke MINI, für die Faszination der Büffel vom Hof Kragemann und deren Sensationskalb, für seinen Faible für kubanische Salsa-Musik, insbesondere, wenn ein Saxophon den Ton angibt. Ich bedanke mich auch für das Vertrauen in Bezug auf die Secret-Stories zu seinem Überschlag, seiner Sicht zu Cora Schumacher und anderen Randnotizen. 
Ein sehr facettenreicher Mensch, mit einer großen, von Erfahrung getriebenen Gelassenheit

pan: Lieber Reinhard, letzte Frage: Wenn ich mir deinen Enthusiasmus und die Brisanz deiner Manöver in den Videosequenzen in Erinnerung rufe, dann empfinde ich das als etwas gegensätzlich zu der Gelassenheit, die dich ansonsten umschleicht. 

Reinhard Nehls: Mein lieber Roland, dass verändert sich, wenn beim Start die roten Ampeln ausgehen. Dann gilt hopp oder top.

 

Die komplette Fotostrecke findet ihr hier in der Bildergalerie:

Fotos: Theodor Barth
Text: Roland Buß