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Reine Herzenssache

Aug 25, 2020 | ALLGEMEIN, LEBENSART, VITAL

Fühlen Sie sich bei hohen Sommertemperaturen und drückender Luftfeuchtigkeit auch so belastet? Das Klima macht nicht nur uns Menschen zu schaffen, sondern auch so mancher Vierbeiner verzeichnet in diesen Wochen ein Handicap. Die Medizin-Meteorologen sprechen vom Gesundheitswetter und prognostizieren, welchen Einfluss die tägliche Witterung auf das Wohlbefinden hat. 

Als Tierärztin mache ich die Beobachtung, dass sich das schwülwarme Sommerklima auch auf die Gesundheit der Vierbeiner auswirkt. Gerade Herzpatienten gehören zur Risikogruppe, die es bei dieser Wetterlage schwer hat. Wie Sie Herz-Kreislauf-Probleme frühzeitig erkennen und was Ihrem Liebling im Falle einer Herzerkrankung hilft, das erfahren Sie beim Weiterlesen. Leidet ein Tier unter einem Herzproblem, dann pumpt das Herz nicht mehr genug sauerstoffreiches Blut in den Körper. Der daraus entstehende Sauerstoffmangel führt zu verminderter Belastbarkeit, frequenterer Atmung, Husten infolge eines Lungenödems, und in hochgradigen Fällen ist bereits ein Blauwerden der Zunge (Zyanose) zu verzeichnen. Vorberichtlich beschreiben die Tierhalter neben der Bewegungsunlust auch nächtliche Unruhe mit Hecheln sowie Husten bei Aufregung. Sollten Sie diese Symptome bei Ihrem Vierbeiner feststellen, dann ist es Zeit die tierärztliche Sprechstunde aufzusuchen. Übrigens können nicht nur Hunde an einer Herzinsuffizienz erkranken, sondern auch die Herzen von Katzen und der kleinen Heimtiere wie Frettchen, Kaninchen sowie Meerschweinchen können Schwächen zeigen.

In der Tierarztpraxis wird während der Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems zunächst das Herz mit dem Stethoskop auskultiert und der Puls an der Innenschenkelarterie ermittelt. Leider sind viele Erkrankungen mit diesen einfachen klinischen ntersuchungsmethoden nicht fassbar. Daher müssen bildgebende Maßnahmen wie die Radiologie und die Ultraschalluntersuchung eingesetzt werden. Mittels einer radiologischen Untersuchung lässt sich die Herzgröße und -form sowie die Lungenstruktur darstellen. Am genauesten ist jedoch die Untersuchung mittels Echokardiographie, da bei dieser Ultraschalldiagnostik auch die Dicke des Herzmuskels, die Herzkraft und die Strömungen des Blutes ermittelt werden. Nicht zuletzt seien das EKG zur Diagnostik von Arrhythmien und das Messen des Blutdrucks erwähnt.

Ursächlich werden angeborene und erworbene Erkrankungen des Herzens unterschieden. Herz- und Gefäßmissbildungen sind Leiden, die von Geburt an Probleme bereiten. Viele Tiere weisen neben der Herzbeeinträchtigung dann weitere angeborene Fehlbildungen wie beispielsweise fehlender Hodenabstieg, Nabelbruch oder Kieferverkürzung auf. Die Welpen zeigen möglicherweise eine Belastungsschwäche oder es wird ein Herznebengeräusch bei der Erstuntersuchung festgestellt. Allerdings lässt sich nicht jedes Herzproblem auskultieren, so dass im Zweifelsfall auch beim Jungtier unbedingt eine Herzultraschalluntersuchung durchgeführt werden muss. Die erworbenen, degenerativen Herzerkrankungen treten früher oder später im Alter auf und sind verschleißbedingt. Hierzu zählen die 

Erkrankungen der Herzklappen, die Schwäche des Herzmuskels, der Erguss des Herzbeutels und diverse Tumoren im Herzbereich.Wird eine Herzproblematik diagnostiziert, dann ist es unabdingbar, das Tier fortan regelmäßig untersuchen zu lassen, da es sich um eine fortschreitende Erkrankung handelt und die genaue Einstellung mit Herzmedikamenten die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung des vierbeinigen Lieblings deutlich erhöht. Es kommen Präparate zum Einsatz, die den Kreislauf entlasten, den Körper entwässern, die Herzkraft stärken oder den Herzrhythmus beeinflussen. Welches Medikament vom Tierarzt verordnet wird, muss individuell entschieden werden und auch die Kombination diverser Präparate ist möglich.

Die Prognose für einen Herzpatienten ist von Fall zu Fall unterschiedlich und von der Compliance (Mitarbeit) des Tierhalters und des Patienten abhängig. Wird eine Herzerkrankung frühzeitig erkannt und werden die Medikamente regelmäßig verabreicht, dann dürfen Sie in der Regel davon ausgehen, dass Ihr Begleiter noch eine gute Zeit auf Erden verbringen darf. Zwar können wir unsere Fellnasen nicht vor Herzproblemen schützen, aber eine artgerechte Lebensweise mit entsprechender Bewegung, wenig Stress und gesunder Nahrung sowie die Aufmerksamkeit des Besitzers inclusive regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen trägt dazu bei, dass Hunde, Katzen und Co langfristig gesund bleiben.

Denken Sie bitte daran, dass auch das Laufen am Rad bei hohen Umgebungstemperaturen und das Warten im Auto in einer Hitzeperiode zu erheblicher Kreislaufbelastung bis zum Tode führen kann. In diesem Sinne wünsche ich allen Pfotenliebhabern feine Chillout-Phasen im Spätsommer an der frischen Luft, in der Sie zusammen mit Ihren vierbeinigen Gefährten die Seele baumeln lassen können und verbleibe mit der Aussicht auf meinen nächsten Artikel „Bluthochdruck“.

Ihre Dr. Simone Möllenbeck