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Surf & Turf Garnelen meets SteaK

von | Jul 13, 2021 | Kulinarik

Kokolores oder Gaumenschmaus – Ein Erklärungsansatz für ein erklärungsbedürftiges Gericht

Kirsten hatte mir in ihrer Doppelfunktion als Gattin und Chefredakteurin ein paar Impressionen zugeschoben, die sie anlässlich einer Grillsession auf der heimischen Terrasse geschossen hatte. Ihre begleitenden Worte „Das war kongenial“ waren zugleich Spiel- / Schreibaufforderung an mich, in Zeilen einzutauchen, die diese Bilder worttechnisch für euch unterfüttern mögen. 

Ein Lazy-Sonntag mit derzeit schwül-warmen 23 Grad. Noch 2 ½ Stunden bis hier die Welt untergehen könnte – gewittertechnisch gesehen. Bevor es draussen feucht wird, wässere ich den Gaumen mit einem erfrischenden Weissburgunder. Ähnliches könnten die Erfinder dieses Gerichts in den 60ern getan haben, als sie es ersonnen haben. Wie sonst kommt man(n) oder Frau auf die Idee, ein Gericht „Brandung und Rasen“ zu nennen? 

Mal abgesehen vom befremdlichen Wortlaut, tut es Not, dass man etwas zusammenfügt, was offensichtlich nicht zusammengehört? 

Den Überlieferungen nach, ist dieses Gericht 1967 im „Michael’s House of Steak“ in Buffalo / State New York / USA erstmals angeboten worden.

Ich weiß gerade nicht, ob der Staat New York bei den letzten Präsidentschaftswahlen zu den besagten Swing-Staaten gehörte – sprich den Staaten, wo die Entscheidung so oder so ausgehen könnte? Dann wäre es möglicherweise naheliegend und folgerichtig, sich für Ozeanisches und Fleischiges gleichsam entscheiden zu wollen. Ich schweife ab ….

Die Kritiker des „Surf & Turf“ verteufeln dieses Gericht als Firlefanz-Gehabe von Neureichen, um sich das jeweils Teuerste aus der Speisekarte in den Rubriken Fisch und Fleisch servieren zu lassen – als Ausdruck ihrer finanziellen Potenz. 

Die Positivdenker und Geschmacksjunkies hingegen werden nicht müde, dieses Gericht damit zu rechtfertigen, dass man das jeweils kulinarisch Beste aus Land & Meer vereint. 

Meine Gedanken können sich am ehesten mit der letzteren Sichtweise erwärmen. Auf geht’s! Probieren geht über studieren! 

Seit dem letzten Jahr bereichert eine sogenannte Barbecue-Disk aus dem Hause Moesta unseren Weber-Kugelgrill. 

Eine Feuerplatte, die auf den Grill aufgelegt wird – mit zwei tollen Effekten:

Zum einen bewahre ich uns den Blick in das offene Feuer aus trockenem Buchenholz und zum anderen habe ich die Gelegenheit, die Heiß- und Warmzonen dieses Arrangements optimal und flexibel nutzen zu können. 

Wir hatten im letzten Jahr im PAN schon darauf hingewiesen, dass wir mit Sarah & Dieter Konert aus Barlo und ihren Produkten „Das Fleisch“ unsere Brigade der „Metzger unseres Vertrauens“ erweitert haben.

So war es naheliegend, ein Prachtstück in Form eines Tomahawksteak vom Blonde d´Aquitaine Rind für unsere Interpretation von „Rasen und Brandung“ (klingt echt komisch) auszuwählen. 

Neben gedacht: Wie vermittelt man eigentlich denjenigen, die nicht mit Winnetou & Old Shatterhand großgeworden sind, was es mit dem Begriff Tomahawk auf sich hat? 

Wo begegnet uns der Begriff heute noch? Lediglich Wikipedia hält die Fahne des Wissens und damit der Herkunft dieses Begriffes hoch: Der Tomahawk ist eine der Streitaxt ähnliche Waffe verschiedener indianischer Stämme. Ansonsten ist der Begriff online-technisch nur noch durch das gleichnamige Steak besetzt – einem Ribeye mit einem langen Knochen – was hinsichtlich ihrer Form an die besagte Streitaxt erinnert. 

Als ebenbürtigen, ozeanischen Gegenspieler wählten wir ein paar Wildfang-Garnelen. Bei allem Hang zu regionalen Produkten, diese Spezies können wir ausschließlich in den Tiefkühlregalen gut sortierter Supermärkte oder beim Fischhändler unseres Vertrauens fischen. Für deren Zubereitung bietet sich ein Wok an, der genau in die Aussparung der BBQ-Disk passt. 

Wir ihr auf den Bildern erkennen könnt, ein eher puristisches Setting. Ein paar Kartöffelchen, frischer Knoblauch, Rosmarin, Zitrone, gutes Salz und weißer Pfeffer aus dem Mörser.

 Kein Schnick-Schnack! Nichts, was den Verdacht des Snob-Foods nähren könnte. Lediglich ein paar passende Tropfen vom Weingut Metzger (wie passend) als Begleiter und den Gaumen als Schiedsrichter. 

Apropos Schiedsrichter, erlaubt mir den kleinen Schwenk zu den Ballsportlern und einem Menschen, wo einige der Kicker einen klitzekleinen Teil ihres Gehaltes hintragen – zu Nusret Gökçe … besser bekannt als Salt Bae. Einem Gastronomen der von Istanbul aus sein Restaurant-Imperium startete. Jemand, der mit einer ähnlichen Anmutung eine Prise Salz über seinen Unterarm auf’s in Tranchen geschnittene Steak rieseln lässt, wie Christiano Ronaldo bei der Ausführung eines Freistoßes.

Ihr erinnert euch vielleicht an die Aufsehen erregende Steak-Story von Frank Ribéry im Jahre 2019 in Dubai. Seinerzeit hatte sich der Bayern-Star vom besagten Salt Bae ein vergoldetes Ribeye-Steak mit extralangem Knochen (Tomahawk-Steak) ziemlich spektakulär servieren und tranchieren lassen.

Kann man so machen … muss man aber nicht – weil Aperei (Affengehabe) … wie unsere Großeltern und Eltern sagen würden. Gleiches würden sie zum Preis von 1.200 Euro für ein solches Steak sagen – wir übrigens auch. Das sind umgerechnet etwa ein Euro pro Gramm.

Bei den Konert’s zahlt ihr ca. 3,3 Cent pro Gramm. Bei unserem Prachtstück, was den Weg auf unserern Grill gefunden hat, war jeder Cent davon extrem gut angelegt. 

Auch das Zusammenspiel mit den Wildfang-Garnelen war toll. Das herb-saftige Fleisch vom Blonde d´Aquitaine Rind im Zusammenspiel mit dem eher süßem Fleisch der Garnelen. Für unseren Geschmack ein perfekter Gaumenschmaus. Kokolores ist das, was man daraus macht – da gilt wie bei so vielem: „Too much is Quatsch.“