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Von Bocholt nach Berlin

Mrz 2, 2021 | ALLGEMEIN

Ein Leben zwischen Fußballern  Rotem Teppich und ernsthaften Geschichten

Text : Laura Janine Idem 
Fotos: Kirsten Buß & Lisa de Ruiter

 

Lisa de Ruiter, 29 Jahre jung und gebürtige Bocholterin, ist vor genau 10 Jahren flügge geworden und arbeitet heute als Sportjournalistin in Berlin. Alles begann bereits in der Kindheit mit ihrer großen Leidenschaft für den Fußball. Sie und ihr Patenonkel sind bis heute große Fans des FC Bayern. Früher sparte sie ihr Taschengeld, um zu den Spielen ihres Vereins zu reisen. Sie wollte schon immer Sportreporterin werden, oder Pilotin. Heute ist sie auf Du und Du mit der Fußball- und Promiwelt. 

Lisa de Ruiter hat eine steile Karriere im Journalismus hingelegt. In Köln studierte die Bocholterin Sportjournalismus, dann ging es weiter nach München, wo sie für Focus Online in der Sportredaktion arbeitete – aus einem Praktikum wurde eine freie Mitarbeit, die bis heute anhält. Nach knapp zwei Jahren verließ sie München trotz ihrer großen Liebe zum FC Bayern wieder, um ihre Karriere in Berlin zu starten – mit einem Volontariat bei Promiflash. Eine gute, aber auch harte Schule für ihren weiteren Werdegang, musste sie beispielsweise oftmals über den Ballermann auf Mallorca berichten. Was ein Kontrast: Das so saubere und schicke München und dann dieses laute, teilweise dreckige, aber ebenso tolerante Berlin. Muss sich in der bayerischen Hauptstadt am Morgen mindestens dreimal überlegt werden, was zur Arbeit angezogen wird, selbst in der Sportredaktion, darf in Berlin jeder einfach so sein, wie er ist. „In Berlin kannst du alles haben, wenn du willst“, sagt Lisa. Und das ist genau das, was sie seit sechs Jahren in Berlin hält. Hier wohnt sie in Friedrichshain, quasi in der alten DDR. Eigentlich wollte sie nie nach Berlin, München war immer ihre Lieblingsstadt. „Aber Berlin bietet so viel, tolle Plätze, Bars, Restaurant, Events und so viele unterschiedliche Stadtteile, überall tolle Ecken“, die sie aber noch immer nicht alle kennt. Selbst Berliner sagen, dass es fast unmöglich sei, jemals die komplette Stadt so richtig zu kennen. Trotz ihres Wohnorts Berlin kommt Lisa aber immer wieder gerne für einen Besuch zurück in ihre eimat nach Bocholt. 

Ihre Familie wohnt noch hier und ihr gesamter Freundeskreis von früher besteht bis heute. Sie ist die Einzige, die Bocholt langfristig verlassen hat. Lisa schwärmt von der Geselligkeit in Bocholt. Aus diesem Grund gehören die Bocholter Kirmes und der unheilige Morgen bis heute zu ihren Pflichtterminen. Inzwischen werden ihre Aufenthalte in Bocholt sogar wieder häufiger, um ihrer Verantwortung als Patentante des Kindes ihrer besten Freundin nachzukommen. Sie freut sich, wenn sie hier ist, aber genauso, wenn sie dann wieder zurück nach Berlin fährt. Diese gute Kombi aus ihren beiden Lieblingsstädten mit B macht es aus. Trotz der großen Verbundenheit zu Bocholt, könnte sie sich jedoch nicht vorstellen, irgendwann noch mal zurück in ihre Heimat zu ziehen. „Ginge ja auch vom Job her gar nicht“, sagt sie. 

Ihre Leidenschaft für das Schreiben machte sich schon in der Schulzeit
bemerkbar. Neben dem Schreiben für die Schülerzeitung schrieb sie in der 6. Klasse bei einem Aufsatz im Deutschunterricht eine acht-seitige Fabel. Gefordert waren eigentlich nur zwei Seiten. Stolz gab sie ihr Werk der Lehrerin, die ihr nicht glauben wollte, dass sie sich die Geschichte selbst ausgedacht hatte. Ein anderer Lehrer hingegen prophezeite ihr schon früh, dass sie das Schreiben später einmal beruflich machen würde. Damals nickte Lisa nur lächelnd zustimmend, ohne sich nur annähernd ausmalen zu können, wo sie heute tatsächlich steht. Aktuell arbeitet Lisa de Ruiter sowohl als Sportjournalistin und Redakteurin bei der Bild-Zeitung und als TV-Reporterin bei den Sendern RTL und n-tv. Eine spannende und abwechslungsreiche Arbeit. Rote Teppiche, Fashion Shows, Premieren, Promi-Partys. „Die Promi- und Trash-Welt war ja irgendwie auch schon immer so heimlich mein Ding“, sagt sie über sich selbst. Dabei ist all das nur ein Teil ihrer Arbeit. Hauptsächlich berichtet sie über Sport, vor allem Fußball. Aber auch Bereiche wie Wirtschaft und Kriminalfälle fallen in ihren Aufgabenbereich, aktuell führt sie auch viele Interviews mit Virologen und Ärzten über die Corona-Pandemie. Eine sehr anspruchsvolle Arbeit, bei der sie ständig auf dem neuesten Stand bleibt und fortlaufend ihr Allgemeinwissen vergrößert. Sehr zufrieden kann sie sagen, dass sie ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Es macht ihr genauso viel Spaß
hinter, als auch vor der Kamera zu stehen und Interviews zu führen. 

Inzwischen ist sie gar nicht mehr aufgeregt vor Interviews mit Prominenten und ist Profi im richtigen Fragestellen. „Die sind ja auch nur Menschen – und viele von ihnen kenne ich ja jetzt auch seit Jahren“, sagt sie. Zu einigen Promis pflegt sie inzwischen sogar ein freundschaftliches Verhältnis. Und selbst ihr Umfeld hat sich an ihre Tätigkeit über die Jahre gewöhnt. Familie und Freunde sind mächtig stolz auf sie, vor allem, wenn sie im TV zu sehen ist. Alles darf sie von ihrer Arbeit natürlich nicht weitererzählen, wie die Finalistinnen des Bachelors vor Ausstrahlung auszuplaudern, aber ihre Freundinnen lauschen natürlich gerne, wenn sie etwas Spannendes auf der Arbeit erlebt hat und davon berichten kann. Eine schöne Anekdote ist beispielsweise die Kino-Premiere in Berlin des Blockbusters „Once Upon a time in Hollywood“ im Jahr 2019. Ganz normale Aufgabenstellung der Redaktion nach dem offiziellen Roten Teppich: ‚Lisa, schau doch mal, wo die Stars danach noch anzutreffen sind.‘ Also setzte sich Lisa ins bekannte Promi-Restaurant Borchardt. Lange musste sie nicht warten. Tisch an Tisch saß sie nun da mit den Schauspielern Brad Pitt, Leonardo DiCaprio,  Margot Robbie und dem Regisseur  Quentin Tarantino. Danach zogen die Stars weiter in einen Club. Über den Kontakt eines Fotografen hatte Lisa durch den Hintereingang Zutritt in die nur etwa 60qm große Bar. Schulter an Schulter mit Brad Pitt an der Theke, zwei Meter weiter Leonardo DiCaprio. Das war er, dieser eine Moment, den jeder wohl nur ein einziges Mal in seinem Leben hat, um das perfekte Selfie zu schießen. War wohl nichts, denn es galt strenges Handyverbot, Securities bewachten alles genau. Dennoch ein  Moment, der ihr wohl immer in Erinnerung bleiben wird. Mit „It was a pleasure to meet you.“ verabschiedete sich Tarantino spät am Abend von ihr, bevor er ging. Ein einmaliger Moment. „Ich würde es selbst kaum glauben, wenn ich nicht dabei gewesen wäre“, schmunzelt sie.

Nach all diesem für sie schon gewöhnlichen Trubel kam es vor einem Jahr dann zum plötzlichen Stillstand. Die Corona-Pandemie beeinflusst Lisas Alltag bis heute erheblich. Keine Flüge und kein Herumreisen mehr, alle möglichen Presse-Events abgesagt. „Alles ist total entschleunigt. So viel zu Hause war ich in den letzten Jahren nicht annähernd.“ Nun werden Interviews per Skype, teilweise aus dem Homeoffice, geführt. Mühsam, wenn die Technik mal nicht so mitspielt. Einige wenige Interviews werden noch persönlich geführt, dann natürlich mit allen Corona-Schutzvorkehrungen. Das Team samt Kameramann und Tonassistent reist getrennt zum Termin an, es werden vorab oftmals Schnelltests durchgeführt und natürlich Masken getragen und Abstand eingehalten. Im Dezember letzten Jahres gab es nach fast zehn Monaten Ausfall zum ersten Mal wieder einen Roten Teppich bei der „Ein Herz für Kinder“-Gala in Berlin. Hier bekam jeder Sender eine eigene Box umringt von Plexiglasscheiben. Eine ganz neue Situation für alle anwesenden Journalisten, mussten sie sich nun ihren Platz nicht mehr auf engstem Raum mit Ellbogen erkämpfen. Und zumindest für einen kurzen Augenblick ein bisschen Normalität. Einen Menschen, den sie gerne mal interviewen würde? „Zlatan Ibrahimovic! Er ist eine Legende für mich – und mit seinen Sprüchen mit Sicherheit eine echte Herausforderung als Gesprächspartner. Und natürlich ein Doppelinterview mit Arjen Robben und Franck Ribéry, meine Lieblingsfußballer auf Lebenszeit.“

Unser Interview mit Lisa fand natürlich mit viel Abstand im frisch gelüfteten Meetingraum statt. Wir haben uns sehr über Lisas Besuch in unserem MÜ12 Verlag gefreut und finden es großartig, dass sie als Bocholterin so einen Weg hingelegt hat. Ihren Traumjob hat Lisa de Ruiter definitiv gefunden. Den Traum vom Fliegen verfolgt sie weiterhin. Irgendwann möchte sie noch ihren Flugschein machen, verriet sie uns.