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Wo sind sie hin …?

Mrz 24, 2021 | AKTUELLES

Eine Zeit lang war ein Leben ohne Telefonzellen unvorstellbar, doch mittlerweile ist es schwierig überhaupt noch eine zu finden. Ich habe mich mit der Frage „Wo gibt es noch Telefonzellen und kann man damit noch jemanden erreichen?“ beschäftigt. Gerade jetzt wird sehr viel telefoniert, gechattet oder generell auf Abstand kommuniziert. Da wäre es doch mal etwas Besonderes, Freunde auf altmodische Art anzurufen, oder? Dem bin ich auf den Grund gegangen.

Die erste Fernsprechkiste wurde 1881 in Berlin eröffnet. Diese hatte aber noch nicht so viel mit den kleinen, gelben Häuschen zu tun, welche wir kennen. 1920 kamen dann mehr von ihnen auf den Markt und ab 1946 hatten sie alle die typische, gelbe Farbe. Früher war das gelbe Häuschen ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. In den besten Zeiten waren über 100.000 im ständigen Gebrauch. Bis 1984 kostete es 20 Pfennig. Später sind die Preise gelegentlich noch auf bis zu 30 Pfennig gestiegen.  

Nach einiger Zeit hatte die Telefonzelle dann aber die besten Tage hinter sich gelassen. Durch neue Technik, Telefone, Smartphones, usw. wurde das Telefonhäuschen überholt und es gab einen immer geringeren Umsatz, weswegen die typischen, gelben Telefonzellen nach und nach abgeschafft und abtransportiert wurden.

Die letzte Telefonzelle stand bis 2019 in einem Bootshaus von St. Bartholomä am Königssee. Da dieser Ort nicht mit dem Auto zu erreichen war, wurde das Häuschen nach dem nur ca. 3-stündigen Abbau in traumhafter Kulisse mit einer Fähre über den Königssee abtransportiert. Obwohl das Abbauen nicht viel Zeit in Anspruch nahm, war die Vorbereitung (ca. 8-10 Wochen) umso zeitaufwändiger. 

Wer heute noch eine Telefonzelle nutzen möchte, muss sich mit einer kleinen, grau-magenta-farbenen Version der Telekom zufriedengeben. 

Vielen geht es jedoch weniger um das Telefonieren an sich, sondern eher um die nostalgischen Gefühle und Erinnerungen. 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich vor fast 5 Jahren ein Foto in so einem gelben, alten Telefonhäuschen gemacht habe, weil ich es so cool fand, dass früher in solchen telefoniert wurde. Zu der Zeit (2016) standen in Deutschland noch relativ viele Telefonzellen, doch genutzt wurden sie dann eigentlich auch schon nicht mehr. Jedenfalls habe ich oft die kleinen Häuschen gesehen, jedoch niemals, dass jemand hinein ging oder darin telefonieren wollte.

Sich komplett von den Telefonhäuschen zu trennen, fiel vielen Menschen schwer. Auch ich finde es sehr schade, dass nicht einmal das Letzte aufbewahrt bzw. ausgestellt wurde. Darüber hätten sich sicherlich viele gefreut.

Es gibt jedoch ein paar Ausnahmen. Bevor alle Telefonzellen eingesammelt, abtransportiert und schließlich zerstört wurden, sind ein paar von ihnen in so manchen Privatbesitz übergegangen. Ein Liebhaber hat sich beispielsweise einen Duschkopf in das Telefonhäuschen montiert und es zu einer Gartendusche umfunktioniert. Ein Altersheim hat sich Eines in sein Foyer gestellt, weil besonders alte Leute nach wie vor kein Handy haben oder damit nicht umgehen können. Musiker berichten, dass die Häuschen dank Schallschutz ein ideales Mini-Tonstudio hergeben. Eine Bibliothek nutzt Eines als Bücherschrank im Freien, der 24 Stunden geöffnet hat und Gäste eines Hotels können in einer Telefonhäuschenbücherei stöbern.

Am Straßenrand jedoch, werden wir keine Telefonzelle mehr finden, auch wenn wir gar nicht bemerkt haben, wie schnell sie alle verschwunden sind. Sie bleiben allein in Erinnerungen vorhanden, selbst wenn es bis 2019 noch ca. 16.000 funktionstüchtige gelbe Telefonhäuschen gab.

 

                                                                                                   Sarah Hübers