Mo.-Fr., 8 – 17 Uhr

Start Events - PAN Bocholt Laundromat Chicks

Veranstalter

Haldern Pop Bar
Haldern Pop Bar
Telefon
+49 (0) 2850-1000
E-Mail
info@haldern-pop.de
Webseite
http://haldernpop.com
Mehr lesen

Ortszeit

  • Zeitzone: Europe/Berlin
  • Datum: 09. 05. 24
  • Zeit: 19:00 - 19:00

Standort

Haldern Pop Bar
Haldern Pop Bar
Lindenstraße 1B, 46459 Rees
Kategorie

Weitere Informationen

Mehr lesen

Nächste Veranstaltung

QR Code

Datum

09. 05. 24

Uhrzeit

19:00 - 19:00

Laundromat Chicks

Laundromat Chicks (AT) at Haldern Pop Bar

Nach “Trouble” präsentieren Laundromat Chicks ein neues Album, das deutlich ruhigere Töne anschlägt. “Lightning Trails”, das Band-Mastermind Tobias Hammermüller mit Martin Rupp (Jansky) produziert hat, ist ein folkiges Manifest für die leisen Zwischentöne geworden, die wir bitter nötig haben.

Für zwei oder drei Sekunden hören wir nur Rauschen. Was dann aber passiert, lässt sich nicht so einfach beschreiben. Es ist ein bisschen so, als ob man mitten auf der Straße plötzlich in ein Loch fallen würde. Nach einem Augenblick der Unachtsamkeit öffnen wir die Augen und sind sogleich irgendwo anders; wir befinden uns im Sog der österreichischen Band Laundromat Chicks. Beamen ist zwar noch nicht erfunden worden, was die Platte Lightning Trails aber hinlegt, kommt ziemlich nahe ran. Das erste Album Trouble, mit dem sich die Band 2021 einen Namen macht, versteckt Musik und Gesang noch hinter allerhand Fuzz-Filtern und Slap-back-Delays. Lightning Trails wagt nun einen Schritt zurück – weg von Computer und Drummachines und hin zu allem, was klingt. Gemeinsam mit Martin Rupp (Jansky) nimmt Tobias Hammermüller sieben Songs auf – In einem kleinem Haus in Niederösterreich, das Tobi regelmäßig besucht, werden aus Songskizzen kleine Kunstwerke. Verstimmte Gitarren, sanfte Klavierfetzen, pelzige Klänge; es sind keine großen Gesten, die dieses Album größer machen, als die Summe seiner Einzelteile.

Lightning Trails wird das Album sein, das die Band auf eine Reise schicken wird, das ist sicher. Wer noch ein bisschen fühlen kann, merkt, dass Tracks wie Sunday Mystery oder Never Return aus so feinen Stoffen gestrickt sind, dass man fast vergessen hatte, dass es sie gibt. Da sind Songs, die dem Frühwerk von Belle & Sebastian um nichts nachstehen; Songs, die wir in Zeiten von domestizierter Egomanie mehr brauchen denn je. Indie beschwor schon immer irgendwie die Superkraft des Unaufgemotzten und pflegte die Überhöhung der vermeintlichen Normalität als gewähltes Stilmittel. Diesem Quiet-is-thenew-loud Dogma folgend entzieht sich Lightning Trails nonchalant zeitgenössischen Modeerscheinungen und wirkt als Gegenentwurf eines markschreierischen Pops. Und das, obwohl die Band selbst Teil einer immer größer werdenden Wiener Post-Punk-Szene ist, die unter dem Radar der medialen Berichterstattung wächst und wächst.

Lightning Trails nimmt uns zärtlich an der Hand und entführt uns auf eine Art und Weise, die heutzutage seinesgleichen sucht. In den Songs kreiert Tobias Hammermüller surreale Welten, zu denen sich der 19 Jährige von alten Filmen inspirieren lässt, um sie mit Geschichten aus der Vorstadt St. Pöltens zu verweben. So erzählt sein lyrisches Ich vom Weg zum Supermarkt, wo jemand genau dieselben Schuhe trägt wie er, nur cooler. Sogleich heißt es: “Do you wanna be in my band?” Zuckersüß, aber eine Band gibt es in Wirklichkeit bereits. Lena Pöttinger, Felix Schnabl und Theresa Strohmer komplettieren Laundromat Chicks. Theresa Strohmer ist es auch, die mit ihrer Stimme eine weitere Gänsehaut-Ebene beisteuert. Wenn sie auf dem oben schon erwähnten Never Return die Zeilen “You make me seasick / Just hanging around” singt, weiß man nicht mehr, wo oben und unten ist. Eine Magie, die den gemeinsamen Tracks von Kings of Convenience und Feist ähnelt.

Lightning Trails von Laundromat Chicks ist ein Meisterwerk an Musikalität und gleichsam Zurückhaltung, eine Ode an Verträumtheit und Bedachtsamkeit in Zeiten von Unruhe und gegeneinander antretenden Ideologien. Es ist eine Einladung, aus dem Fenster zu klettern, um von einem versteckten Vorsprung aus eine aus den Angeln gehobene Welt zu betrachten. Ähnlich dem Nachglühen eines Blitzes auf der Netzhaut, in der nahen Ferne.

(Paul Buschnegg)

 

Foto: Simon Legner

X