Mo.-Fr., 8 – 17 Uhr

Zweimal Salatiges von der Kartoffel

Nov. 28, 2025 | Portraits

in Gedanken an Oma | im Bohemian-Cooking-Style

Die kürzeste Kitchen Story ever | Black to the roots einfach & spektakulär

 

Wisst ihr eigentlich um Herkunft und Tradition des Klassikers Würstchen & Kartoffelsalat am Heiligabend?

In bürgerlichen Haushalten des 19. Jahrhunderts galt der 24. Dezember noch als Arbeitstag. Das eigentliche Festessen in Form von Braten fand damals nahezu überall am 25. Dezember statt. Der Heiligabend, anders als heute, war mehr der Vorbereitung des Weihnachtsfestes gewidmet.

In Haushaltsbüchern und bürgerlichen Kochanleitungen aus dieser Zeit tauchen Hinweise auf „einfaches Essen am Heil’gen Abend“ auf. Es wurde gekocht, was wenig Zeit brauchte und nicht „festlich“ wirkte. Kartoffelsalat – der gerade im 19. Jahrhundert in Deutschland populär wurde – passte perfekt dazu.

Im Einklang mit der Philosophie dieser Ausgabe haben wir uns kulinarisch entschleunigt, um uns aufs Wesentliche zu konzentrieren:

Einmal mit einem klassischen, hausgemachten Kartoffelsalat, wie er in den Rezeptbüchern unserer Mütter, Großmütter und Urgroßmüttern gestanden haben könnte. Falls euch keine „Bauanleitung“ überliefert wurde – im Internet findet ihr tolle Varianten.

Und … als zusätzliche Inspiration eine Variante, wie Kirsten und ich sie am Heiligabend zubereiten werden. Ein „anders gedachter“ Kartoffelsalat, der möglicherweise nicht im World-Wide-Web zu finden ist. Ersonnen und skizziert nach einem Bummel auf dem Bocholter Wochenmarkt … bei einem Cappuccino im Huckleberry’s.

Als Basis dienen festkochende Kartoffeln … in Meersalzwasser mit der Pelle gekocht.

Anschließend auf ein Backblech, ausgelegt mit Backpapier, mit dem Handballen zerdrückt. Mit Kräutersalz gewürzt und mit Olivenöl beträufelt. Dann bei 180 Grad ca. 20 Minuten in den Backofen … bis sich eine leichte, braune Kruste gebildet hat.

Mit einer mit Trüffelpaste aufgeschlagenen Mayonnaise legt ihr einen „weißen Weg“ (siehe Kirstens Foto) über die Kartoffelmasse. Garniert wird das Ganze mit in leichter Gemüsebrühe gegarten Morcheln, gebratenem Champignon-Confit, Granatapfelkernen und Petersilie. Obendrauf eine gute Bratwurst – selbstredend aus einer amtlichen Wursttheke (unsere stammt von Edeka Elskamp).

Mehr braucht es nicht – außer einem passenden Wein. Mit unserem vinologischen Gefährten Thomas Pfaffmann vom Weingut PAN, aus der Pfalz, haben wir deren Riesling „Kalkmergel“ als idealen Begleiter zu Omas klassischem Kartoffelsalat erkoren – klassisches Gericht trifft klassischen Wein. Wir dürfen zu Recht stolz auf den deutschen Riesling sein, um den uns die gesamte Weinwelt beneidet.

Zu dem eher experimentellen „deconstructed“ Kartoffelsalat im Bohemian-Cooking-Style habe ich den Merlot vom Weingut Pfaffmann zu mir gezogen, den wir auch zur Vesper entkorkt und empfohlen haben.

Warum? Weil er sowohl Schlichtheit wie Eleganz verkörpert. Wusstet ihr, dass der Château PETRUS, einer der preisintensivsten Weine unseres Planeten, zu fast 100 Prozent aus der Merlot-Traube gemacht wird? Je nach Jahrgang bewegen sich die Preise um mehrere Tausend Euro pro Flasche – bei Legendenjahrgängen werden sogar fünfstellige Beträge erzielt.

Toll, dass die Familie Pfaffmann die Preise für ihre tollen Tropfen mit so viel Augenmaß kalkuliert haben, dass der Wein wirklich nur den Begleiter darstellt. So bleibt genug im Geldbeutel, um die ein oder andere Marktrunde zu drehen. Selbst, wenn wir unsere beim Gläserkreuzen entstandene Idee eines PANtrus irgendwann realisieren 🙂

Zum Wohl, auf die BEGEGNUNG – wie Senior Theobald Pfaffmann anprostet – der Assistenz der Geschäftsführung, wie er mit einem Augenzwinkern verrät.