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Bewusst hinschauen – warum echtes Wohlbefinden mehr ist als Laborwerte und Tabletten

Nov. 28, 2025 | Portraits

Ein Telefonat und ein Interview mit Tiefgang Dr. Ulrike Frye über Stress, Schlaf, Selbstverantwortung …

… darüber, warum Heilung oft dort beginnt, wo wir anfangen, wieder bewusst hinzuschauen,  über sizilianische Küche und Amalfi-Zitronen …

Advertorial | Fotos & Text: Kirsten Buß

Ich war auf dem Rückweg von einem Fotoshooting im Sauerland, der Himmel schon tief im Novembergrau, als ich Ulrike anrief. Die Strecke zog sich, die Gedanken auch und ich hatte im Gefühl, dieses Gespräch würde anders werden. Kein Small Talk über Blutdruck, Laborwerte und Grippeschutz. Ein echtes Gespräch über das, was tiefer liegt. Über den Menschen hinter den Symptomen, über Stress, Schlaf, Ernährung, das Nervensystem und vor allem über Bewusstsein. Ulrike hatte auf meine Ankündigung hin, unter welchem „Motto“ unsere kommende PAN-Ausgabe steht, schon vielversprechende Andeutungen gemacht. Diese Jahreswende-Ausgabe des PAN setzt den Fokus auf „Quiet Season. Wir wollen ein Gegenzeichen setzen zu dem, was draußen laut, hektisch und voll von unterschiedlichen Meinungen wirkt. Es geht um Entschleunigung, Reflexion, Zuversicht. Und als Ulrike am Telefon begann, von Stress, Schlaf und Selbstverantwortung zu erzählen, war klar: Das ist genau das Thema, das jetzt wichtig ist.

Ulrike ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und hat ihre Praxis im Barloer Weg beim St. Agnes-Hospital in Bocholt. Wir kennen uns schon ca. zwei Jahrzehnte. Ich habe vor 14 Jahren ihre Hochzeit fotografiert, ihren Werdegang immer wieder verfolgt und erlebt. Zwischenzeitlich habe ich Ulrike und ihr Praxisteam fotografiert und privat sind wir uns immer mal wieder begegnet und haben auch schon „so ein paar Dinger miteinander gedreht“. Vielleicht war es genau diese Vertrautheit, die unser Gespräch sofort auf eine andere Ebene hob. Keine Distanz, kein Fachchinesisch, sondern ehrliches Interesse und echtes Hinhören.

 „Weißt du“, sagt sie als ersten Satz, als wir mit dem Thema starten, „die meisten Menschen schauen auf Symptome. Kopfschmerz, Müdigkeit, Rückenschmerz. Aber kaum jemand fragt, wo das eigentlich herkommt.“

Sie macht eine Pause, und ich höre das Lächeln in ihrer Stimme, als sie hinzufügt: „In der Regel ist die Schulmedizin gut darin, das Offensichtliche zu behandeln, aber nicht immer geeignet, das Verborgene zu verstehen.“

Genau das ist Ulrikes Ansatz. Nicht dämpfen, sondern verstehen. Ulrike spricht von Stress, aber nicht nur vom offensichtlichen. Nicht nur von Arbeit, Termindruck oder Familienorganisation. Stress, sagt sie, hat viele Gesichter: finanzielle Sorgen, Partnerschaft, Medikamente, Stromfelder und Strahlenbelastung, Umweltgifte, Fehl- oder Mangelernährung, Alkohol, Schlafentzug. Und nicht zu vergessen sind die Zähne und der Darm. „Zahngesundheit und Darmgesundheit sind zwei unterschätzte Baustellen. Wenn da etwas nicht stimmig ist, kann der Körper dauerhaft im Alarmmodus bleiben.“

Ich nickte, was sie am Telefon natürlich nicht sah. Auf der A3 zwischen Wesel und Bocholt wurde mir klar, dass war ein Gespräch über Haltung, über Wahrnehmung und über Vertrauen in den eigenen Körper.

Als ich auf die Autobahnausfahrt abbog, dachte ich, genau das brauchen wir jetzt. Menschen, die uns daran erinnern, wie man wieder hinhört, statt nur zu reagieren.

Am Ende unseres Telefonates fasst Ulrike es ruhig zusammen: „Man kann nicht alles im Außen verändern: Arbeit, Familie, Alltag. Aber man kann lernen, anders damit umzugehen. Nicht jedes Ziehen braucht eine Ibuprofen, die man oftmals als „Dämpfer“ obendrauf packt.  Manchmal reicht es, genauer hinzusehen, bewusst zu atmen, sich zu bewegen, genügend zu schlafen, Wasser zu trinken und den Körper wieder spüren zu lernen.“

Diese Sätze bleiben bei mir in den Gedanken hängen. Ulrike denkt Medizin nicht nur in Tabletten, sondern in Zusammenhängen. Für sie ist Stress nicht einfach das, was wir fühlen, wenn der Terminkalender voll ist, sondern viel mehr. Sie verbindet alles miteinander: Bewegung, Schlaf, Ernährung, Darm, Zähne, Atmung und immer wieder das vegetative Nervensystem. Das wollen wir unbedingt vertiefen. Wir verabreden schließlich, dass sie mir einige Stichpunkte zusendet, um dann noch einmal zu telefonieren …

Zeitsprung – Ich komme zu Hause an – und die Liste ist bereits da. So kenne ich Ulrike. Zuverlässig und schnell in Wort und Tat. Schon während ich die Stichpunkte kurz durchgehe, denke ich direkt, wie interessant so eine Auflistung doch sein kann, mit nicht enden wollenden Schlagworten, die genau auf diese Themen einzahlen. 

Mir hallt noch nach: „Ein gesunder Körper braucht einen gesunden Geist. Und das bedeutet auch, selbst Verantwortung zu übernehmen.“ Okay, das machen wir, und zwar auch in Bezug auf diesen Artikel … ein persönlicher Interviewtermin muss her. Ich freue mich über die schnelle und unkomplizierte Terminabsprache, auf unser Wiedersehen und so sitzen wir Anfang November am Meetingtisch bei uns im Verlag, um tiefer und im persönlichen Gespräch in dieses Thema einzutauchen.

Zeitsprung – 6. November, PAN Verlag & Agentur.

Es klingelt um fünf vor halb fünf. Fünf Minuten vor unserer verabredeten Zeit, was uns gar nicht wundert. Roland und ich freuen uns, Ulrike wiederzusehen, und nachdem auch Paula, unsere Labbihündin, die Besucherin mit einem freundlichen Wedeln begrüßt hat, setzen wir uns mit einer passablen Teeauswahl an den großen Holztisch in unserem Meetingraum. Natürlich mit der gewohnten Frage, ob Roland eine Aufzeichnung mitlaufen lassen darf, einfach weil Zuhören so leichter fällt. 

Ich hatte Roland natürlich von dem Telefonat erzählt und er hatte sich mit seinen Fragen anhand von Ulrikes Stichpunkten vorbereitet. Schon in den ersten Minuten wird uns beiden klar: Dieses Gespräch wird kein gewöhnliches Arztinterview. Sie steigt gleich ein, in die leisen Botschaften des Körpers, über den Ursprung von Symptomen, über Balance und Selbstverantwortung.

„Wisst ihr“, sagt sie, ähnlich wie im Telefonat am Freitag zuvor, und sieht uns dabei ruhig an, „die meisten Menschen schauen auf Symptome. Kopfschmerz, Müdigkeit, Rückenschmerz. 

Aber kaum jemand fragt: Wo kommt das eigentlich her? Genau dort setze ich an. Nicht dämpfen, sondern verstehen.“

Während sie spricht, liegt eine Klarheit und Leidenschaft für die Sache in ihrer Stimme, die man spürt. Kein Pathos, keine Theorie, sondern Erfahrung, die gelebt wird. Ulrike Frye will Menschen helfen, sich selbst wieder zu verstehen. Wir hören ihr gespannt zu und Uli erklärt uns anhand einiger Beispiele, wie sie in bestimmten Situationen vorgeht.

Um herauszufinden, wie sehr der Körper tatsächlich „unter Strom steht“, arbeitet sie mit der VNS-Messung, einer Methode zur Analyse des vegetativen Nervensystems. Diese Messung zeigt, ob jemand in Balance ist oder ob der Sympathikus, also der Teil des Nervensystems, der für Kampf oder Flucht („fight or flight“) zuständig ist, dauerhaft das Steuer übernommen hat. In diesem Fall kommt der Parasympathikus, der für Ruhe, Regeneration und Verdauung („rest and digest“) verantwortlich ist, kaum noch zu Wort. Durch bewusstes Atmen wird der Sympathikus beruhigt und der Parasympathikus unterstützt.

„Viele meiner Patienten kommen mit chronischer Müdigkeit, wiederkehrenden Infekten oder diffusen Beschwerden, die sich medizinisch kaum fassen lassen. Das sind oft sichtbare Signale einer unsichtbaren Dysbalance. Und genau da beginne ich zu arbeiten.“ Denn diese Dysbalance ist oft unsichtbar, aber messbar. Dagegen sind die unterschiedlichen Symptome nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.

Ulrike fragt uns, als sie vom IHHT-Training erzählt: „Kennt ihr IHHT?“

Ich lache: „Ehrlich gesagt, nein.“

„Dann stellt euch vor, man liegt entspannt auf einer Liege, atmet über eine Maske, und während man sich ausruht, trainiert der Körper auf Zellebene“, erklärt sie.

„IHHT steht für Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie, eine Methode, bei der abwechselnd sauerstoffarme und sauerstoffreiche Luft eingeatmet wird. Der Effekt ist, dass Zellen wieder lernen, effizient zu arbeiten. Die Mitochondrien, unsere Energiekraftwerke, werden aktiviert, die Regeneration verbessert sich, Stress wird abgebaut, Erschöpfung und depressive Verstimmungen können sich bessern. Ich nenne es gern ‚Liegen und schlafen mit Schnorchel‘ oder ‚Wandern und Trainieren im Schlaf‘“, sagt sie schmunzelnd. „Das ist wie Zellfitness im Schlaf. Es stärkt das System, bevor es krank wird.“

Sie spricht ruhig, fast beiläufig, doch es wird spürbar, wie sehr sie an das Zusammenspiel von Körper und Geist glaubt.

Auch der Physio-Key gehört zu ihren Werkzeugen. Ein kleines Gerät, das über die Haut mit dem Nervensystem kommuniziert und gestörte Bereiche erkennt. „Man kann sich das vorstellen wie ein Gespräch mit dem Körper“, erklärt sie. „Der Körper wird daran erinnert, wie Regulierung funktioniert. Genau das passiert bei chronischen Schmerzpatienten. Das System erinnert sich an den normalen Zustand, die Gesundheit.“

Fehlt dem Körper Substanz, greift Ulrike zu gezielten Infusionen. „Damit sättigen wir den Körper wieder auf. Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe. Alles, was das System braucht, um zu regenerieren. Manchmal braucht es einfach ein Reset von innen.“

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die AHNF-Methode, die autonome Atmungs- und Haltungsregulation nach Norbert Fuhr. „Damit holen wir den Körper über Haltung und Atmung aus der Anspannung. Wenn Menschen lange unter Stress stehen, verlernen sie, richtig zu atmen. Wir führen den Körper zurück in die Entspannung – und das verändert alles.“

Dann lehnt sie sich zurück, atmet selbst einmal tief durch und sagt leise: „Atmen ist Medizin.“

Haltung. Atmung. Bewusstsein. Ich muss lächeln, weil ich genau weiß, was sie meint. Ich erzähle ihr, dass ich über Yin-Yoga zur Wechselatmung gefunden habe und sie nickt begeistert. „Das ist wunderbar! Besonders abends. Es beruhigt den Parasympathikus und schafft Raum im Kopf. Atmung ist das älteste Werkzeug der Welt und gleichzeitig das am meisten unterschätzte.“

Natürlich sprechen wir auch über den Schlaf. Besser gesagt über das, was ihn stört. „Drei Stunden vor dem Schlafen kein blaues Licht, keine Bildschirme, kein schweres Essen“, rät sie. „Dafür Dunkelheit, Ruhe und Leichtigkeit. So banal es klingt, gesunder Schlaf ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit.“

Auch Bewegung ist für sie Teil der Regulation, aber ohne Zwang. „Es geht nicht darum, sich zu überfordern. Spazierengehen, frische Luft, Bewegung, die Freude macht. Auch Saunieren ist Training für das Nervensystem. Erst Reiz, dann Entspannung. So lernt der Körper, flexibel zu bleiben.“

Dann kommt sie auf eines ihrer Lieblingsthemen zu sprechen, die Ernährung. Man muss dazu wissen, dass Ulrike eine leidenschaftliche Köchin und ein Genussmensch ist. Gerne regional, saisonal, basisch. „Kohl ist mein Superstar“, sagt sie lachend. „In Scheiben geschnitten, gut gewürzt, richtig lecker. Da steckt alles drin, was wir brauchen.“ Sie erklärt, dass eine zu saure Ernährung Entzündungen fördern kann, während eine basische Ernährung den Körper beruhigt. Ebenso wichtig ist Trinken. „30 Milliliter pro Kilo Körpergewicht. Das ist unser inneres Reinigungsprogramm. Wasser hilft, Stoffe auszuschwemmen und Energie freizusetzen.“

Während sie spricht, entsteht das Bild eines in sich greifenden Systems. Bewegung, Schlaf, Ernährung, Atmung, Darm, Zähne. Nichts steht für sich allein. Alles hat eine wechselseitige Wirkung. „Ein gesunder Körper braucht einen gesunden Geist. Und beides beginnt mit Verantwortung für sich selbst.“

Sie erzählt, dass sich in ihrer Praxis in den letzten Monaten viel verändert hat. Seit dem ersten November arbeitet ein ärztlicher Kollege an ihrer Seite und übernimmt einen Teil des klassischen Praxisalltags. Dadurch kann sie sich stärker auf ihre Schwerpunkte konzentrieren und auf das, was sie ihr Herzensprojekt nennt: Prävention, Ursachenforschung, Regulation. „Ich möchte Menschen begleiten, die bereit sind, genauer hinzuschauen. Die verstehen wollen, was ihr Körper ihnen sagen will. Nicht jeder Schmerz ist ein Feind. Oft ist er ein Hinweis.“

Sie lächelt, nimmt einen Schluck Tee, und in diesem Moment wird klar, dass hier jemand spricht, der nicht belehren möchte, sondern begleiten. 

Draußen wird es langsam dunkel und in dem Moment klingelt es. Paula hebt den Kopf, bellt und läuft zur Tür, und ich weiß, dass gleich jemand hereinkommt, der in diesem Ganzen für Ulrike eine wichtige Rolle spielt. Sie lächelt, steht auf und sagt: „Das ist Andreas.“

Wenn Balance ein Zuhause hat

Andreas steht in der Tür, Ulrikes Mann. Er bringt eine angenehme Ruhe mit, die sofort den Raum verändert. Kein großes Aufsehen, eher dieses freundliche Da-Sein, so wie wir ihn kennen.

Ulrike lächelt, während ich auch ihm einen Tee anbiete. „Andreas ist mein Sparringspartner“, sagt sie und schiebt ihre Tasse leicht auf dem Tisch hin und her. „Er kennt meine Themen und er erinnert mich manchmal daran, auch mal abzuschalten.“

Er setzt sich, lehnt sich zurück, beobachtet … 

Wir sprechen über Balance, nicht nur körperlich, sondern auch im Leben. Über den schmalen Grat zwischen Verantwortung und Gelassenheit, zwischen Fürsorge und Selbstfürsorge. Ulrike sagt: „Wir unterschätzen oft, wie sehr unsere Beziehungen auf den Körper wirken. Liebe, Nähe, Verbundenheit. Das alles beeinflusst unser Nervensystem. Ein liebevolles Umfeld ist Heilung pur.“

Andreas nickt und sagt ruhig: „Manchmal reicht es, einfach da zu sein, ohne etwas erklären zu müssen.“  … und ich denke, ja, wie einfach es im Grunde oftmals sein kann. 

Ulrike lächelt. „Ja, das stimmt. Früher wollte ich immer alles verstehen und kontrollieren. Als Ärztin, Mutter, Chefin. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich dabei den Atem anhalte.“ Andreas schaut sie an. „Das tut sie manchmal immer noch“, sagt er und lacht leise, „aber sie merkt es jetzt wenigstens.“

Ich beobachte, wie sich die beiden einen Blick zuwerfen, der mehr sagt als die berühmten tausend Worte. Es ist ein gewachsenes Miteinander, das mich, als ihre damalige Hochzeitsfotografin, in diesem Moment tatsächlich berührt.  

Ulrike spricht von den letzten Jahren, von den Veränderungen, die sie in ihrer Praxis erlebt hat. „Es ist ein Geschenk, jetzt wieder mehr Zeit für das Wesentliche zu haben“, sagt sie. Andreas nickt. „Das wollte sie schon lange. Aber manchmal braucht es erst den richtigen Moment, damit sich etwas verändern darf.“

Wir reden über Routinen und über die Kunst, sie loszulassen. Über Patienten, die funktionieren, ohne zu spüren. Über Körper, die Signale senden, die niemand hört.

„Viele haben unzählige Untersuchungen hinter sich“, sagt Ulrike, „und trotzdem fehlt das Entscheidende. Der Blick auf das Ganze. Manchmal reicht ein Atemzug, ein Perspektivwechsel, und plötzlich versteht man, was der Körper sagen will.“

Ulrike spricht weiter über dieses Zusammenspiel. Über Ernährung, Schlaf, Atmung, das Nervensystem. „Der Körper ist ein Orchester“, sagt sie. „Wenn ein Instrument verstimmt ist, klingt das ganze Stück anders. Meine Aufgabe ist es, die Dissonanz zu finden und zu helfen, dass der Körper sich wieder einstimmt.“ 

Andreas hört ihr zu, lächelt, kommentiert hin und wieder mit einem leisen „Genauso ist es“. Man spürt, dass er ihre Sprache verstanden hat, nicht medizinisch, sondern menschlich. „Wir erleben ja beide täglich, wie stark Menschen in der Anspannung leben“, sagt Ulrike. „Viele atmen nur noch flach, schlafen zu wenig, essen zu hastig. Das vegetative Nervensystem steht unter Dauerstrom. Die Kunst ist, es wieder herunterzufahren, ihm Sicherheit zu geben. Erst dann entsteht Heilung.“

Andreas ergänzt: „Und Geduld. Das braucht Zeit. Veränderung passiert nicht über Nacht.“

Da es draußen nun vollends dunkel ist, beschließen wir, eine Flasche Terlaner zu entkorken, stoßen auf unser Wiedersehen und auf das Leben wie auf dieses schöne und interessante Interview an. Paula schläft friedlich zusammengerollt unter dem Tisch und uns gehts allen gerade wirklich gut.

Roland stellt Ulrike die Frage nach ihrer beruflichen Vita, wann sie eigentlich beschlossen hat, Ärztin zu werden und wo sie schließlich heute ihren ganz persönlichen USP, ihr Alleinstellungsmerkmal, sieht. Ich lehne mich zurück, denn ich ahne an ihrem Gesichtsausdruck, dass nun eine Geschichte kommt … Ulrike lächelt, holt kurz Luft und dann beginnt sie zu erzählen: „Ich war fünf Jahre alt“, sagt sie, „und lag als kleines Mädchen im Bocholter Krankenhaus. Ich habe immer furchtbar geweint, wenn meine Mutter gehen musste. So schlimm, dass sie irgendwann sagte: „Das geht nicht, die können wir da nicht einfach so liegen lassen.“ Schließlich kam Ulrike auf die Privatstation zu Dr. Lohmann, einem Arzt, der ihr späteres Leben entscheidend geprägt hat.

„Das fand ich großartig“, erinnert sie sich. Meine Kindergärtnerin hatte mir damals ein kleines Köfferchen geschenkt, mit einem roten Kreuz drauf. Quasi meinen ersten Arztkoffer. Dr. Lohmann hat mich tatsächlich an die Hand und mit auf seine Runde genommen, zu den Patienten auf seiner Station. Natürlich durfte ich nicht überall mit hinein, aber ich wollte anscheinend damals schon verstehen, was Menschen krank macht. Ich glaube, das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, ich werde Ärztin.“

Nach dem Medizinstudium und der Approbation im Jahr 1992 ging sie den klassischen Weg. Innere Medizin, Kardiologie, Gastroenterologie. Solide, präzise, schulmedizinisch. Sie sammelte über viele Jahre die schulmedizinische Erfahrung, die heute das Fundament ihrer Arbeit bildet. „Ich wollte verstehen, wie der Körper funktioniert – bis ins Detail“, sagt sie. „Und dafür war die klassische Medizin ein wichtiger Lehrmeister.“

Nach dieser intensiven Klinikzeit wechselte sie in die ambulante Medizin und war mehrere Jahre als angestellte Ärztin in einer Gemeinschaftspraxis tätig. Doch mit der Zeit merkte sie, dass sie ihren eigenen Weg gehen wollte. 

2001 eröffnete sie schließlich ihre eigene Praxis in Bocholt, zunächst als klassische hausärztliche Praxis, die sich aber im Laufe der Jahre immer weiterentwickelte. „Am Anfang war das ganz normaler Hausarztalltag“, erinnert sie sich. Sie erzählt ruhig, wie sie Schritt für Schritt begonnen hat, Medizin anders zu sehen. „Ich wollte tiefer verstehen, warum Körper und Seele manchmal so aus dem Gleichgewicht geraten. Warum die einen gesund bleiben, obwohl sie zu viel arbeiten, und die anderen krank werden, obwohl sie alles richtig machen.“

Also hat sie sich auf den Weg gemacht. Weiterbildung um Weiterbildung, Fortbildung um Fortbildung. Ernährungsmedizin, orthomolekulare Medizin, Regulationsmedizin, Coaching, Mikronährstofflehre, Frequenzmedizin. „Ich bin einfach neugierig geblieben. Ich lese bis heute Studien, die mich faszinieren. Ich will wissen, was im Körper passiert, wenn wir gestresst sind, wenn wir schlecht schlafen oder falsch atmen. Nur dann kann ich helfen. Ich wollte schnell verstehen, was dahintersteckt. Warum jemand Rückenschmerzen hat oder ständig müde ist, obwohl alle Blutwerte normal sind. Warum ein Körper die Balance verliert. Und genau da habe ich im Laufe der Jahre meinen Platz gefunden.“

Ulrike spricht von Medizin fast so, wie andere von Kunst sprechen. Mit Neugier und Respekt. „Für mich ist Medizin kein Reparaturbetrieb. Es geht um Beziehung, um Zuhören, um Wahrnehmen. Ich will die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele verstehen. Zwischen Laborwerten und Lebenswirklichkeit.“

Ihr USP liegt genau dort. In dieser Verbindung von Schulmedizin, Wissen, Intuition und echtem Interesse am Menschen. „Ich bin Hausärztin, ja, aber ich sehe mich auch als Übersetzerin. Ich übersetze, was der Körper sagt. Ich erkläre, was die Werte bedeuten und was sie vielleicht noch nicht zeigen. Ich will, dass meine Patienten verstehen, was in ihnen passiert. Dass sie Verantwortung übernehmen, dass sie sich selbst wieder wahrnehmen. Heilung beginnt da, wo wir anfangen, bewusst hinzuschauen. Und das gilt für mich genauso wie für meine Patienten. Ich sehe mich nicht als Ersatz für die Schulmedizin. Ich bin Teil davon und ich ergänze sie.“

Sie erklärt das ohne Fachjargon, mit klaren Worten, so dass wir als Zuhörer und Laien auf diesem Gebiet das alles auch verstehen. „Mir ist wichtig, dass meine Patienten verstehen, was in ihrem Körper passiert. Ich will, dass sie mitdenken, mitfühlen, mitarbeiten. Ich sage oft: ‚Setz deine Sherlock-Holmes-Mütze auf und lass uns gemeinsam herausfinden, was los ist.‘“

Viele Patienten kommen inzwischen von weit her. „Manche fahren zwei Stunden, manche kommen aus dem Ruhrgebiet oder vom Niederrhein. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mir Zeit nehme. Ich will wirklich wissen, wer da vor mir sitzt und nicht nur, was im Labor steht. Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder lernen, Verantwortung für sich zu übernehmen. Ich kann begleiten, Impulse geben, aber den Weg geht jeder selbst. Schritt für Schritt und Atemzug für Atemzug. Ich habe in den letzten Jahren viele Menschen erlebt, die dachten, sie seien ‚austherapiert‘ und plötzlich doch wieder Energie hatten. Das zeigt mir, wie viel möglich ist, wenn man hinschaut. Wenn man dem Körper wieder zuhört. Wenn man sich erlaubt, gesund zu werden.“

 

Epilog

Dr. Ulrike Frye wirkt auf mich wie ein Ruhepol. Eine Ärztin, die ganz da ist. Eine, die sich traut, Fragen zu stellen, wo andere schon Antworten liefern. Dieses Gespräch war in der Tat kein typisches Arztgespräch. Es war für mich eine Einladung, selbst mal wieder genauer hinzuschauen. Zu atmen. Zu fühlen.

Sich selbst wieder ernst zu nehmen, aber nicht zu streng. Ich freue mich über diesen „Kompass“, der einem zwischen Wissenschaft und Intuition, Schulmedizin und Achtsamkeit den Weg weisen kann …

Als wir uns verabschieden, sagt sie noch so ganz beiläufig im Flur: „Manchmal beginnt Heilung genau da, wo man aufhört, sich selbst zu überhören.“

Ich glaube, sie hat recht … 

… und einen besseren Schlusssatz hätte man nicht formulieren können.

The private site of Dr. Ulrike Frye

neugierig. diszipliniert. genussfreudig.

Zwischen Praxis, Garten und 99 Tomatenpflanzen Balance, Neugier und die Freude am echten Leben.

 

  • Sie steht früh auf, mit einem klaren Kopf und Lust, Dinge anzupacken. Disziplin ist für sie kein Muss, sondern eine Haltung. Stillstand? Gibts bei ihr nicht.
  • Sie will verstehen, nicht nur behandeln. Ob Mensch, Medizin oder das Leben selbst.
  • In ihrer Küche duftet es nach sizilianischen Kräutern, Mandeln, Minze und Zitrone. Levante trifft Italien. 
  • Tomatenliebe hoch 99! Es waren tatsächlich mal neunundneunzig Pflanzen. Jede einzeln gezogen, gegossen, gepflegt.
  • Gewächshaus inklusive. Am Ende wurde verschenkt, verkocht, eingekocht, getrocknet. Tomaten in allen
  • Farben, jede mit ihrer eigenen kleinen Geschichte. 
  • Nach einem langen Praxistag steckt sie die Hände in die
  • Erde und findet Ruhe zwischen Kräutern und Pflanzen.
  • Zwischen Basilikum, Thymian und Sonnenstrahlen findet sie ihren Ausgleich. 
  • Ob zur Praxis, in die Stadt oder einfach, um den Kopf freizubekommen. – Das Fahrrad ist ihr täglicher Begleiter. 
  • Yoga unter Apfelbäumen, Radtouren durch die Bocholter Felder oder Fitness mit Spaß. Hauptsache, der Körper bleibt in Schwung.
  • Sie lernt Italienisch bei Duolingo – täglich, versteht sich. 
  • Der Streak wird natürlich nicht gebrochen!
  • Gemeinsam mit ihrem Mann Andreas zieht es sie oft nach Italien. Sonne, Kultur, Kulinarik und dieses Lebensgefühl, welches sie sehr mag.
  • Amalfi für Zuhause?  Unbedingt! Zitronen aus dem Urlaub wachsen inzwischen in Töpfen auf ihrer Terrasse. Kleine gelbe Erinnerungen, auf dem Beifahrersitz importiert.
  • Genussmomente mit Freunden, ein gutes Glas Wein, ehrliche Gespräche, viel Lachen. Für Ulrike pure Lebensqualität.
  • Menschen wie Nelson Mandela erinnern sie daran, dass wahre Stärke still sein kann.
  • Lebensmotto: „Ohne Erdung kann ich keine Ärztin sein.“

Hausärztliche Praxis Dr. Ulrike Frye
Barloer Weg 127 a, 46397 Bocholt
Tel.: +49 (2871) 241610

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