Ein Gefühl, das nach Wärme riecht und schmeckt
Text: Kirsten Buß
„Manche Dinge wärmen,
weil sie echt sind.“
– über Handgemachtes,
Altbewährtes, Wiederentdecktes.
Es beginnt, wenn das Licht sich verändert. Wenn die Tage kürzer werden und die Wohnungen und die Häuser wieder heller leuchten als der Nachmittag draußen. Wenn die ersten Kerzen nicht nur brennen, weil es hübsch aussieht – sondern weil sie gebraucht werden, für ein gemütliches Flair. Dann, zieht der Winter ein. Und mit ihm die Sehnsucht nach Wärme, nach Nähe, nach Dingen, die duften und lecker schmecken und Dinge, die bleiben … und schon da sind und wieder rausgekramt werden.
Ich mag diese Zeit. Und ich mag es, wenn sich das Leben auch wieder mehr drinnen und auch um den Tisch dreht. Nicht um den großen, perfekt dekorierten Esstisch aus demKatalog – sondern um den echten. Den, an dem morgens noch eine Zeitung liegt, mittags die Kuchenkrümel kleben und abends der Rotwein im Glas schimmert. Den, an dem gelacht, gestritten, erzählt wird.Wo die Butter nicht perfekt in einer Butterdose liegt, sondern in einer Keramikschale, die evtl. schon ein paar Sprünge hat – aber umso mehr Geschichten
hat. Ihr wisst was ich mit diesem Beispiel meine …
Im Winter ist der Tisch oftmals wieder das Herzstück in unserem Wohnumfeld. Und zwar nicht, weil er so perfekt gedeckt ist, sondern weil wir dort wieder öfter zusammenkommen. Beispielsweise ein Bratapfel-Crumble in einer alten Auflaufform, ein dampfender Teller Suppe, eine Tasse Glühwein mit Orangenscheibe – das soll kein Menü sein, das ist Geborgenheit. Wenn draußen alles dunkler wird, brauchen wir innen Licht. Wärme. Duft. Und wieder ein bisschen das Gefühl, dass alles gut ist. Heimelig und gemütlich …
Ich habe in den letzten Jahren aufgehört, mich in Weihnachtsdeko-Katalogen zu verlieren. Stattdessen liebe ich es, mit ein paar Handgriffen echte Stimmung zu zaubern. Ein Tannenzweig auf dem Fensterbrett, ein paar Zimtstangen in einem alten Glas, ein Leinentuch, das aussieht, als hätte man es im letzten Urlaub auf dem Markt gefunden. Die traditionellen Vintage-Weihnachtskugeln, die ich wie in jedem Winter wieder hervorhole. Es sind diese kleinen und auch gewohntenDinge, die für mich diese Atmosphäre schaffen. Nicht das neue Funkeln – sondern das schöne traditionelle Flackern.
Ich habe mir für diesen Winter vorgenommen Gläser mit getrockneten Orangenscheiben, ein selbst gemischter Winterzucker aus Vanille, Kardamom und einem Hauch Chili, in unserer Küche zu platzieren. Auf dem Herd wird ein Quittenkompott köcheln und im Ofen werde ich Salbei-Walnüsse rösten. Das riecht doch nach Zuhause, oder? Und nach den Wintern, in denen wir uns als Kinder im Schlafanzug am Abend gemütlich aufs Sofa gekuschelt haben und es so schön nach Winter und Advent roch. Nach irgendwas Warmem. Irgendwas Gutem. Irgendwas Heimeligen.
Auch beim Servieren darf es jetzt wieder etwas langsamer zugehen. Kein Chichi. – Schon mal gar nicht! Am liebsten keine neuen Platten, die einen Designpreis gewonnen haben und gar wie auf Instagram künstlich aufgehübscht wurden. Lieber die alte anmutende Schale mit dem Goldrand, die schon bei Oma auf dem Tisch stand. Lieber die Karaffe vom Trödel mit dem silbernen Deckel, mit Wasser und Orangen- und Zitronenscheiben gefüllt, als noch ein gekauftes Accessoire. Oder anders, lieber ein tiefgründiges Gespräch als ein Smalltalk im Dresscode …
Was jetzt zählt, ist Stimmung. Und die kommt nicht von perfekt geplanten Menüs – sondern von Momenten, die man nicht geplant hat. Wenn jemand spontan noch bleibt, weil es so gemütlich ist. Wenn man feststellt, dass der Glüh- oder Rotwein nach dem zweiten Glas besser schmeckt als das erste. Wenn jemand fragt, was dieser Duft ist – und du sagen kannst: Salbei mit Walnuss. Und Winter. Und vielleicht ein bisschen Glück.
Ich glaube, genau das macht „Winter auf dem Tisch“ aus! Er muss nicht glänzen. Er darf leuchten. Er muss nicht beeindrucken. Er darf berühren. Und manchmal reicht ein Krümel vom Baguette, ein Rest Orangenlikör im Glas (wir haben nämlich den Grand Marnier wiederentdeckt), ein Lächeln über die Kerze hinweg – und der Abend nimmt seinen perfekten Lauf …
Denn wenn der Winter kommt, muss nicht alles neu sein. Es muss nur echt sein. Und warm. Und duftend. Und geteilt.
Der Winter kann kommen.












