Advertorial | Text: Roland Buß | Fotos: IBENA & Kirsten Buß | Startbild Jens Wiegrink
Von der Podiumsbrücke in die Zukunft: Ein exklusiver Rundgang durch zwei Jahrhunderte Bocholter Webkunst und gelebte Industriekultur
Der Prolog
Um zu verstehen, warum wir uns heute auf eine textile Zeitreise begeben, müssen wir gedanklich einen kleinen Schritt zurücktreten. Zurück zu einem unserer absoluten Herzensprojekte – dem KuBAaI-Quartier. Es war bei einem jener magischen Walking-Interviews für den PAN, als wir gemeinsam mit dem damaligen Stadtbaurat Ulrich Paßlick durch das aufblühende Areal an der Aa streiften.
Erst dort, beim Flanieren zwischen verwitterten Fabrikmauern und dem Puls einer neuen Zeit, ist bei uns der Groschen gefallen, welche gigantischen Fußabdrücke die Textilriesen in unserer Stadtgeschichte hinterlassen haben.
Ulrich Paßlick brachte es auf den Punkt: Ohne die Weitsicht, den Gemeinsinn und das Entgegenkommen der Familie Beckmann – den Inhabern von IBENA – könnten wir heute nicht über die elegante Podiumsbrücke flanieren. Sie machten es möglich, dass die Stadt entscheidende Flächen erwerben konnte, um uns Bocholtern eine riesige, grüne Lunge direkt an der Aa zu schenken. Ein Unternehmen, das nicht nur wirtschaftlich denkt, sondern das Gemeinwohl der Stadt tief in seiner eigenen Philosophie verankert hat.
Dieser Aha-Moment war der zündende Funke. Uns war klar: Wenn ein solches Familienunternehmen zwei Jahrhunderte vollmacht, kratzen wir nicht nur an der Oberfläche. Wir wollen hinter die Kulissen blicken, den wahren Puls des Unternehmens spüren und den Menschen zuhören, die den Faden unserer Stadtgeschichte in den Händen halten.
Donnerstag, 26. Februar 2026 | kurz vor 13:11 Uhr LWL-Museum Textilwerk | Spinnerei | Industriestraße 5 | 46395 Bocholt
Für gewöhnlich sind wir pünktlich wie die Maurer, doch an diesem Tag hat es uns erwischt: Kirsten und ich sind elf Minuten zu spät dran.
Heute ist es so weit, die Eröffnung der Jubiläumsausstellung „Textile Leidenschaft“ steht an. Über 300 Exponate warten darauf, entdeckt zu werden. Als wir das Museum betreten, fängt uns sofort diese spürbare familiäre Wärme auf. Der Vibe zwischen den historischen Maschinen ist keinesfalls verstaubt oder museal, sondern absolut pulsierend.
Wir stoßen diskret zu einer Runde von ungefähr 15 Personen dazu – ein Mix aus Medienvertretern und den Köpfen hinter der Ausstellung. Unter der charmanten Moderation von Valentina Vlašić, der Leiterin des LWL-Museums, läuft die Talkrunde bereits auf Hochtouren.
Die offizielle Begrüßung durch Anneli Hegerfeld-Reckert, Erste stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, haben wir knapp verpasst.
Dafür lauschen wir gespannt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, die gerade den weiten Bogen der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge der IBENA-Historie spannt. Auch die kuratorische Doppelspitze bringt es auf den Punkt: LWL-Kurator Martin Schmidt bricht eine Lanze für die absolute „Qualität“ und das handwerkliche Können, während IBENA-Kuratorin Sophie-Marie Hoelge den Fokus faszinierend auf die Meilensteine der technischen Textilien und die Innovationskraft lenkt.
Zwischen all diesen Experten suchen wir den Blickkontakt mit den Menschen, derentwegen wir unter anderem hier sind – unseren Haupt-Dialogpartnern Anne Beckmann (Eigentümerfamilie), Stephan Overbeck (Geschäftsleitung) und Tim Hesseling (Marketing Manager) – vom jubilierenden Unternehmen IBENA.
Wir verfolgen den abgewogenen Gesprächsmix der Protagonisten, um dann mit Tim unseren ersten persönlichen, nicht-digitalen Austausch bei einem Kaffee zu feiern.
Hey Tim, endlich Zeit für einen persönlichen Austausch. Wenn wir ehrlich sind, kannten wir IBENA lange Zeit vor allem durch Kuscheldecken und durch unser Erlebnis rund um das KuBAaI-Projekt. Aber was ihr hier aufgefahren habt, sieht nach einer echten, faszinierenden Zeitreise aus.
Ja, Wahnsinn, oder? Wir sind auch alle schon richtig hyped. Unser großes Jubiläumsfest mit der gesamten Belegschaft steht ja kurz bevor. Die Vorfreude ist gigantisch! Wir haben den Termin extra schon bei der Weihnachtsfeier 2024 bekannt gegeben, damit sich jeder diesen Tag freihält. Die Resonanz ist der Hammer: Von unseren dreihundert Mitarbeitern haben jetzt schon zweihundertsechzig fest zugesagt. Das wird eine richtig anständig gefeierte Party, da bin ich mir sicher.
Ein derartiges „Family Feeling“ entsteht nicht auf Knopfdruck, es webt sich über Generationen in die DNA eines Unternehmens ein. Hier, inmitten historischer Webstühle, getragen von der Vorfreude auf eine epische Jubiläumsnacht und den ehrlichen Worten von Anne Beckmann und Stephan Overbeck, wird uns bewusst: Es ist ein echtes Privileg, als Medienpartner mit dem PAN in diese Zeitreise einzutauchen und den Puls dieses Meilensteins festhalten und mit euch, liebe Leserinnen und Leser, teilen zu dürfen.
Tim, genau diese Energie, diese ungeschminkte B-Seite eurer 200-jährigen DNA möchten wir einfangen. Unsere kommende PAN-Ausgabe hat den internen Arbeitstitel „Meisterstück“.
Ehrlich? Wisst ihr, dass es in unserem Portfolio eine Marke mit dem Namen „Meisterstück“ gibt?
„Nein, woher auch?“, denke ich im Stillen. Bislang hatten wir keinen echten Link zur Firma IBENA – außer der Tatsache, dass wir es toll finden, über die imposante Kubaai-Brücke flanieren zu können. Als Ur-Bocholter ist das eigentlich verwunderlich – und ehrlicherweise auch etwas beschämend. Zumal mein inzwischen verstorbener Papa eine Zeit lang selbst als Weber bei Roth & Butenberg an der Moltkestraße gearbeitet hat. Vage kann ich mich noch daran erinnern, wie ich ihm dorthin einige Male den berühmten „Henkelmann“ mit dem Mittagessen gebracht habe. Ich werde diese rudimentären Erinnerungen demnächst mal mit meiner Mum aufzufrischen.
Zeit, etwas tiefer zu denken … zu recherchieren … zu schreiben:
Vor allem zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg boomte die Branche: Bocholt zählte bis zu 80 Textilbetriebe, in denen zeitweise bis zu 10.000 Menschen arbeiteten.
Quelle: https://textilwerk.lwl.org/de/geschichte/
Wir lassen unsere künstlichen Assistentinnen einen Blick durch die Spinnereien schweifen und versuchen, dieses Zeitalter gedanklich einzuordnen. Zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg war Bocholt eine Stadt im absoluten Goldgräberrausch – nur eben mit Baumwolle statt Nuggets. Zählte man 1871 noch beschauliche 6.100 Einwohner, schossen die Zahlen in den folgenden Jahrzehnten förmlich durch die Decke: 8.500 im Jahr 1880, 13.000 im Jahr 1890 und über 21.300 zur Jahrhundertwende, bis hin zu 26.400 Menschen im Jahr 1910. Das pulsierende Herz dieser Stadt waren die bis zu 80 Textilbetriebe, in denen in der Hochzeit 10.000 Menschen arbeiteten und das Bild Bocholts prägten. Angesichts dieser Dimensionen fragt man sich schmunzelnd: Wie viele Ur-Bocholter mag es eigentlich geben, die absolut keinen familiären Bezug zur Textilbranche haben? Wer lange genug in der Familiengeschichte forscht, stolpert wahrscheinlich immer über einen Faden, der zu einem Webstuhl führt.;-)
Eintauchen in die textile Leidenschaft
Tim, man spürt euren Vibe, euren Stolz über das Jubiläum, diese Ausstellung. Es wirkt nicht aufgesetzt, sondern echt. Lass uns gemeinsam in eure Welt eintauchen – jenseits der Bettwäsche, rein in das, was IBENA wirklich ausmacht. Wir sind bereit für den Rundgang.
Sehr gerne, kommt mit! Wir wollen an den Stellen zeigen, dass wir viel mehr sind als nur ein klassischer Traditionsbetrieb. Die Ausstellung ist keine isolierte Erfolgsstory – wir nehmen euch mit in die jeweiligen Zusammenhänge und Hintergründe. Da steckt so viel Herzblut drin. Lasst uns einfach durchgehen und schauen, was wir gemeinsam entdecken.
Wir schlendern los. Angeführt vom Kuratoren-Team Martin Schmidt (Kurator des LWL-Museums) und Sophie-Marie Hoelge (Kuratorin von IBENA) – die maßgeblich diese Geschichte hinter der Geschichte, sprich diese Ausstellung, entwickelt haben … und nun begeistert und anschaulich mit uns teilen.
Beim Zuhören und beim Blick auf die Exponate wird schnell klar: Der IBENA-Faden, den dieses Unternehmen seit 1826 spinnt, musste so manchen brutalen Reißtest überstehen. Hier geht es nicht um das übliche ‚Höher, schneller, weiter‘ … um sterile Jubiläums-Selbstbeweihräucherung. Wir erleben hier ungeschminktes Storytelling – mit allen Brüchen, Brandnarben und Kanten. Es ist die ehrliche Erkenntnis, dass das eigentliche Geheimnis von IBENA nicht im bloßen Konservieren der Vergangenheit liegt, sondern in der beispiellosen DNA, sich gerade in den dunkelsten Krisenzeiten immer wieder völlig neu zu erfinden.
Wir schlendern an einem Schaukasten vorbei. Hier wird deutlich, wie tief die Familie Beckmann mit jedem einzelnen Faden verwoben ist. Anne Beckmann gesellt sich zu uns. Sie strahlt diese unaufgeregte Herzlichkeit aus, die wir im Münsterland so schätzen.
Liebe Anne, wenn ein Unternehmen zwei Jahrhunderte überdauert, wird der eigene Name unweigerlich zur Legende. Wie wurde aus der Familie Beckmann eigentlich IBENA?
Das ist wirklich ein wunderbares Wortspiel. Zu Beginn hieß das Unternehmen J. Beckmann. Aus dem ‚J‘ für Josef wurde das lateinische ‚I‘. Das ‚Be‘ steht logischerweise für Beckmann und das ‚na‘ für Nachfolger. So simpel setzt sich IBENA zusammen.
Aber es gibt noch eine zweite, humorvollere Theorie – aus der Zeit, als ich meinen Mann Ralph kennenlernte. Damals flogen einige unserer Mitarbeiter für das Unternehmen oft in die USA, und man erzählte sich mit einem Augenzwinkern, die Abkürzung stünde für: ‚ik bün effkes no Amerika‘.
Herrlich … solche Prötkes oder? Sie sind ein ähnliches Stück Bocholter Stadtgespräch-Geschichte wie: „Ich bin efkes im Werk II.“ Für die Nichtwissenden: fragt gerne Camillo, den Patron dieser Herberge am Gasthausplatz, in der man extrem lecker essen kann, nach dem wahren Geschichte zur Namensgebung für diese Bocholter Institution.
Wurzeln, Wunder & Meilensteine
Wir folgen dem Tross und unseren Gesprächspartnern Anne Beckmann, Stephan Overbeck und Tim Hesseling weiter durch die Gänge der Ausstellung. Vorbei an alten Bügeleisen, wuchtigen Webstühlen und historischen Dokumenten, die stumme Zeugen einer bewegten Vergangenheit sind. Es wird schnell klar, dass zwei Jahrhunderte Firmengeschichte kein ruhiger Spaziergang auf dem Sonnendeck waren.
Anne, man sieht nicht nur Triumphe und Wachstum. In eurer eigenen Ausstellungsbeschreibung sprecht ihr bemerkenswert offen nicht nur über Weltkriege und den generellen Strukturwandel, sondern auch über eine fast existenzielle Insolvenz in den 2000er-Jahren. Wie übersteht ein Familienunternehmen all das, ohne den Mut zu verlieren?
Das ist genau der Punkt, diese unbedingte Resilienz. Es gab Zeiten, da lag hier fast alles in Trümmern. Wir hatten noch im 19. Jahrhundert einen großen Brand, der einen Teil der Produktion zerstörte, aber es wurde nicht aufgegeben, sondern direkt neu gebaut und in frische Maschinen investiert.
Über uns und um uns herum hängen Decken – ein echtes Meer aus Farben, Mustern und Epochen. Das hier hat nichts von einer tristen, musealen Strenge, die einen auf Abstand hält. Keine ,Bitte nicht berühren‘-Schilder, die den Entdeckerdrang bremsen. Im Gegenteil: Die Stoffe scheinen geradezu danach zu rufen, gefühlt zu werden.
Notiz am Rande: Stephan Overbeck, der seit vielen Jahren zur Geschäftsführung gehört, und Kirsten kennen sich aus Teenagertagen – wobei es einige Zeit in Anspruch nahm, den echten Faden neu aufzurollen. Anne Beckmann, die Ehefrau des heutigen Inhabers Ralph Beckmann, und mich verbindet seit einiger Zeit das ehrenamtliche Engagement.
Wenn man „200 Jahre Familienunternehmen“ hört,
rechnet man unweigerlich mit verstaubten Urkunden, endlosen Jahreszahlen und einer strikten ,Hände weg‘-Mentalität. Aber das hier – das ist ein echtes Erlebnis. Es ist so greifbar und lebendig. Wie seid ihr auf diese unkonventionelle Art der Präsentation gekommen?
Martin Schmidt: Die Idee zu dieser Ausstellung ist auf der IBENA-Seite recht pragmatisch entstanden. Die Gastgeber näherten sich dem großen Jubiläum zunächst mit einer echten Macher-Mentalität: Als Bocholter Haus mit ehemaligen Baumwollwebern im Familienstammbaum ließen sie sich anfangs einfach vom Tun leiten. Um diese greifbare Begeisterung dann jedoch in ein fesselndes, museales Format zu gießen, hat man Sophie-Marie Hoelge und mich als Kuratoren-Duo an die Seite geholt.
Sophie-Marie Hoelge: Wir haben das Ganze nicht klassisch an einem strengen roten Faden aufgehängt, sondern eine doppelte Erzählstruktur geschaffen. Es gibt eine Ebene für den historischen Kontext, wie etwa den Wiener Kongress, und eine Ebene für unsere eigenen Begriffe. Jedes dieser über 300 Exponate spricht zu einem und macht etwas mit unserer Geschichte.
Und ja, der Haptik-Wunsch der Besucher war uns extrem wichtig. Schon beim Aufbau war es schwierig, die Menschen davon abzuhalten, die Decken ständig anzufassen. Aber das ist völlig okay. Dafür hängen sie ja da.
Stephan Overbeck schmunzelt. Er ist seit 41 Jahren im Unternehmen und seit vielen jahren in der Geschäftsführung. Er kennt die Maschinen, die Gerüche der Produktion und vor allem die Menschen, die den Laden am Laufen halten.
Zeit, ein paar Fragen an ihn persönlich zu richten:
Stephan, wenn man Euch zuhört, klingt das nach flachen Hierarchien. Es wirkt extrem agil, vertrauensvoll und modern. Ich weiß nicht, wie sich das Bild einer „konservative Unternehmensführung“ im Zusammenhang mit IBENA zwischen meinen Ohren eingenistet hat?
Stephan Overbeck: Mit diesem Denken bist du nicht alleine unterwegs – zumindest aus der Fremdsicht.De facto pflegen wir eine sehr moderne Form der Unternehmensführung.
Bei uns gilt oft: Nicht denken, machen, einfach machen. Ich erinnere mich an einen Kollegen, der neu zu uns kam und bei einer Aufgabe fragte: ‚Stefan, was muss ich da machen?‘ Meine Antwort war: ‚Du, das ist dein Job, das herauszufinden. Sonst könnte ich es selbst machen.‘
Wir lassen Mitarbeiter selbst entscheiden. Andere Meinungen, neues Denken sind willkommen. Diese Leidenschaft für das Textil, gepaart mit diesem Vertrauen in unsere Leute, das hat uns extrem weit gebracht. Es geht darum, Erfahrungen der Vergangenheit festzuhalten und sie mit offener Hand in die Zukunft zu bringen.
Dieses Vertrauen, so wurde uns klar, ist die eigentliche Währung unseres zweihundertjährigen Bestehens. Krisen, Kriege, Strukturwandel – all das übersteht man nicht nur mit guten Maschinen, sondern mit Menschen, die mitdenken und anpacken.
Wie zum Beweis führt uns Kuratorin Sophie-Marie Hoelge vor Augen, mit welch absurden Hürden das Unternehmen in der Vergangenheit konfrontiert war. In einer Vitrine ruht eine kuriose Steuerrechnung aus dem Jahr 1923, auf der schier unfassbare 5,5 Billionen Mark eingefordert werden. Ein Dokument, das den Wahnsinn jener Zeit regelrecht konserviert hat. Es macht auf beeindruckende Weise deutlich, dass IBENA nicht nur historische Katastrophen, sondern auch die massiven Krisen der jüngeren Vergangenheit meistern musste. Die Lektion aus zwei Jahrhunderten lautet dabei unmissverständlich: Aufgeben war nie eine Option. Stets haben die früheren Generationen und auch die heutigen Lenker die Ärmel hochgekrempelt und beherzt den Neuanfang gewagt.
Eine Haltung, vor der man nur den Hut ziehen kann. Welche Ausmaße dieser unbändige Produktionswille in der Gegenwart angenommen hat, untermauert ein Fakt aus den offiziellen Firmen-Annalen, auf die wir später noch genauer blicken: Die rund 300 Mitarbeitenden verarbeiten hier in jedem Jahr unglaubliche 46 Millionen Kilometer Garn. Ein textiles Band, mit dem man unseren gesamten Planeten mal eben mehr als tausendmal stramm umwickeln könnte!
Quelle: Presse-Info des LWL-Museums zur IBENA-Ausstellung.
Die rund 300 Ibena-Mitarbeitenden verarbeiten hier in jedem Jahr unglaubliche 46 Millionen Kilometer Garn. Ein textiles Band, mit dem man unseren gesamten Planeten mal eben mehr als tausendmal stramm umwickeln könnte!
Wenn wir ehrlich sind, haben wir IBENA bislang fast ausschließlich in die Kategorie „Heimtextilien“ einsortiert – gedanklich verknüpft mit der klassischen Kuscheldecke auf dem heimischen Sofa. Was uns diese Ausstellung jedoch eindrucksvoll vor Augen führt, ist das zweite, gewaltige Standbein: technische Textilien, die Europas Feuerwehren oder die Automobilindustrie ausstatten. Mitten in dieser textilen Zeitreise stehen wir plötzlich vor dem feuerfesten Original-Rennanzug des Formel-1-Weltmeisters Kimi Räikkönen. Völlig unerwartet. Direkt daneben ein hochmoderner Schutzanzug der Feuerwehr.
Stephan, klär uns auf. Wir kommen gedanklich von der Biedermeier-Bettwäsche und stehen plötzlich vor Feuerwehr-Gear und Motorsport-High-Tech. Wie passt das zusammen?
Stephan Overbeck: Das ist exakt der Aha-Effekt, den wir uns von der Ausstellung erhoffen! Wir weben längst nicht nur Heimtextilien. Unsere zweite wichtige Kernkompetenz sind inzwischen die technischen Textilien – eine Welt, die im Alltag meist unsichtbar bleibt. Wir rüsten Sitze für Audi aus, liefern den schwarzen Bühnenmolton für Mega-Events und produzieren Hightech-Gewebe für die Bundeswehr und die Polizei. Nur um mal eine Hausnummer zu nennen: Fast jeder zweite Feuerwehrmann in Europa trägt eine Schutzbekleidung mit IBENA-Stoff. Wir sprechen über hochkomplexe Ware, bei der tausend Meter Gewebe ganz schnell mal einen sechsstelligen Euro-Betrag kosten. Das ist kompromisslose High-Tech direkt aus dem Münsterland.“
Eine Nische in der Nische, die von IBENA meisterhaft besetzt wurde. Das müssen wir erst einmal sacken lassen. Als wir unseren Rundgang fortsetzen, bleibe ich vor einer alten, grünen Uniformjacke stehen – bei mir fällt ein weiterer Groschen ;-): Ich habe in meinem früheren Leben knapp ein Jahrzehnt lang genau diese Uniformteile der NRW-Polizei getragen – und erfahre erst heute, dass der Stoff buchstäblich vor meiner Haustür in Bocholt gewebt wurde. Ein Wahnsinnsgefühl, wenn sich die eigene Vergangenheit auf einmal so mit der Stadtgeschichte verwebt.
Dass ich mit diesem persönlichen Aha-Moment offensichtlich nicht allein bin, stelle ich fest, als wir an Exponaten der jüngeren Vergangenheit ankommen. Dass die geballte High-Tech-Kompetenz von IBENA nämlich auch gepaart mit einer ordentlichen Portion Herzblut direkt vor unserer Haustür zum Einsatz kommt, beweist ein weiteres, sehr emotionales Ausstellungsstück. Wir bleiben vor einer Vitrine mit kleinen, bunt bemalten Stoffmasken stehen. Anne Beckmann, die sich seit jeher stark sozial in unserer Region engagiert, kennt die besondere Geschichte hinter diesen Relikten, die sie nun mit uns teilt:
Anne Beckmann: Das war ein Projekt, das uns allen extrem ans Herz gewachsen ist. Als die Pandemie ausbrach und besonders die Grundschulkinder verängstigt waren, haben wir ein spezielles Gewebe aus unserer eigenen Entwicklung zur Verfügung gestellt. Das Faszinierende daran war der Lotuseffekt – Wassertropfen perlten darauf ab wie Glaskugeln, während man gleichzeitig völlig frei durchatmen konnte. Kurzerhand hat uns die Firma Edding dann Textilstifte gesponsert, sodass die Kinder ihre eigenen Masken bunt bemalen durften und ihnen so ein wenig der Schrecken genommen wurde.
Genäht wurden die Masken übrigens in einem tollen Gemeinschaftsprojekt von Migranten hier aus Bocholt. Was ursprünglich eigentlich für eine einzige Klasse angedacht war, hat dann eine unfassbare Eigendynamik entwickelt: Am Ende der Pandemie hatten wir bis auf zwei, alle Grundschulen in Bocholt und Rhede versorgt. Selbst aus dem weiteren Umfeld haben sich Menschen die Sachen schicken lassen, um das an ihren Schulen umzusetzen.
Wir verlassen die Spinnerei, atmen tief durch und lassen die gesammelten Eindrücke einen Moment sacken. Was wir hier zwischen den historischen Mauern erlebt haben, war keine trockene Historie, sondern ganz großes Kopfkino. Bevor wir diesen Museumsrundgang also gedanklich abschließen, ist es Zeit für einen kurzen, aber ehrlichen Abspann: Ein dickes, wertschätzendes Danke an alle Gastgeber und offiziellen Protagonisten, die uns heute so leidenschaftlich in diesen Film gezogen haben. Unser Dank gilt Frau Dr. Kirsten Baumann (Direktorin der LWL-Museen für Industriekultur) für die herzliche Begrüßung, der LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger für die tiefgründigen Worte und Valentina Vlašić für die charmante Moderation. Ein echtes Chapeau geht an das Kuratoren-Duo Sophie-Marie Hoelge und Martin Schmidt, die aus 200 Jahren Firmengeschichte ein so lebendiges, textiles Drehbuch gemacht haben. Und natürlich ein riesiges Dankeschön an unsere Haupt-Dialogpartner Anne Beckmann, Stephan Overbeck und Tim Hesseling für die völlig ungeschminkten Backstage-Einblicke.
Der IBENA-Vibe & die lange Nacht
Zeitsprung: Einige Tage später, der Ausstellungs-Vibe wirkt noch spürbar nach, treffen wir Tim Hesseling in den IBENA-Räumlichkeiten an der Industriestraße in Bocholt.
Tim, fünf Nächte liegen zwischen der Jubiläumsparty und heute. Wie war es?
Das war der Wahnsinn, anders kann ich das gar nicht beschreiben. Um drei Uhr nachts waren noch hundert Leute auf der Tanzfläche.
Von unseren rund dreihundert Mitarbeitern waren zweihundertsiebzig da. Das ist natürlich cool und zeigt, wie die Leute hier ticken. Die Resonanz war einfach überwältigend.
So eine Quote bekommst du nicht mit Freibier allein hin, da muss das Fundament stimmen, oder? War das auch für die Inhaberfamilie ein besonderer Moment?
Absolut! Herr und Frau Beckmann waren bis ganz tief in die Nacht mittendrin und haben richtig Spaß gehabt. Es war einfach unfassbar authentisch. Alle reden im Nachgang nur noch freudestrahlend über diesen Abend und darüber, wie schön das war.
Zwischen den Zeilen deutet Tim einen wohltuenden Paukenschlag im Hinblick auf Zukunft und Next Generation an. Zeit, die Katze auch für euch aus dem Sack zu lassen:
Wir hatten Herrn Beckmann im Vorfeld gefragt, ob wir das Thema Nachfolge in den Abend einbauen sollten – was eher auf Zurückhaltung stieß. Herr Beckmann ist dann irgendwann noch einmal ganz spontan auf die Bühne gesprungen und hat mit der Belegschaft geteilt, dass sein Sohn Philipp ab dem ersten April bei uns einsteigt – dessen Partnerin fängt übrigens auch bei uns an. Der ganze Saal jubelte.
Wir lassen diese Szene kurz auf uns wirken. Ein Inhaber, der spontan seinen Sohn als Nachfolger präsentiert, und eine
Belegschaft, die nicht in skeptisches Murmeln verfällt, sondern in tosenden Applaus ausbricht.
Der Traum eines jeden Familienunternehmens, oder? Eine Belegschaft, die die nächste Generation quasi mit Standing Ovations im Betrieb willkommen heißt.
Genau. Mit so einem Feedback zu starten, wenn sich alle freuen, dass du kommst – das ist für die Firma einfach super. Die nächste Generation ist am Start und hat richtig Bock.
Besser kann man eine Recruiting-Botschaft kaum in Worte fassen. Wer als junger Mensch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einer neuen beruflichen Heimat ist, findet hier nicht nur einen modernen Arbeitgeber mit weltweiten Verbindungen. Er findet ein Stück Familie. Ein Unternehmen, das kuschelige Wärme für das Wohnzimmer und feuerfeste High-Tech für Europas Lebensretter webt, aber vor allem eines nicht verlernt hat: den Zusammenhalt zu feiern.
Epilog
Zeit, auf die Zielgerade dieser IBENA-Story im PAN einzubiegen. Als leidenschaftlicher Print-Freak blättere ich auch das vor mir liegende Druckprodukt:
Lass uns über Euer fantastisches Jubiläumsmagazin sprechen, das ihr herausgebracht habt. Da steckt unfassbar viel Arbeit und Tiefe drin. Wer darf das lesen?
Wir haben das Magazin erst einmal in einer Auflage von zweitausend Stück gedruckt, sogar mit einer zusätzlichen, englischen Variante. Das ging an unsere Kunden und natürlich an jeden unserer dreihundert Mitarbeiter. Man merkt einfach, wie groß das Interesse daran ist. Da steckt wirklich unser ganzes Herzblut drin.
Tim ist es wichtig, an dieser Stelle Beate Rademacher (Leitung Atelier) herauszustellen, welche die Jubiläumskollektion entworfen hat.
Um das zu spüren, liebe Leserinnen und Leser, legen wir euch wärmstens ans Herz, dieses Magazin online durchzublättern. Es gibt dort unter anderem die einzigartige Jubiläumskollektion zu entdecken, die für jedes Jahrzehnt seit 1826 ein eigenes, stiltypisches Design liefert. Ein textiles Archiv, das Modegeschichte atmet:
Lust auf mehr textile Leidenschaft?
Drücke den Button und ladet euch das großartige Ibena-Jubiläums-Magazin direkt auf euer Smartphone oder Tablet!“
Digitales Schmökern, das sich lohnt.
Unsere kommende PAN-Ausgabe trägt den internen Arbeitstitel „Meisterstück“. Bei unseren Vorgesprächen fiel auf, dass dieser Name bei euch bereits eine sehr tiefe Verwurzelung hat.
Ja, das war wirklich ein witziger Zufall. „Meisterstück“ hieß früher mal eine ganz bestimmte Decke bei uns. Das war so ein echtes Kulturgut. Unser Team hat dieses Wort dann irgendwann aufgegriffen und daraus eine eigene, hochexklusive Marke gemacht. Klassische Designs treffen hierbei auf handverlesene Qualität. Der Name spricht für sich – jeder Artikel ist ein wahres Meisterstück.
Tim, wenn ich jetzt genau so ein ‚Meisterstück‘ oder ein cooles Teil aus der Jubiläumskollektion für mein eigenes Zuhause haben möchte – wo schickst du mich hin?
Ganz klar: Kommt in unseren Werksverkauf hier in Bocholt und lasst euch inspirieren! Wer es bequemer mag, geht direkt in unseren Online-Shop. Und für das ganz große, exklusive Erlebnis klickt ihr euch einfach direkt in unsere Meisterstück-Kollektion von IBENA rein. Da bekommen die Menschen Qualität hautnah. Und für das Gesamterlebnis laden wir jeden Bocholter und jede Bocholterin herzlich ein, sich diese Ausstellung hier im Textilwerk selbst anzuschauen.
Info-Point
IBENA Werksverkauf
Industriestraße 9, 46395 Bocholt
Jubiläumsausstellung
„Textile Leidenschaft. 200 Jahre IBENA“
LWL-Museum Textilwerk | Spinnerei Industriestraße 5, 46395 Bocholt
Geöffnet bis zum 1. November 2026
Mit einem Dankeschön an Tim – stellvertretend für das gesamte IBENA-Team – mache ich mich auf den Weg in unseren Verlag. Was ich aus diesen Gesprächen mitnehme, sind absolut beeindruckende Einblicke in 200 Jahre Textilgeschichte. Eine Reise durch die Jahrzehnte, die uns eindrucksvoll bewiesen hat, dass dieses Familienunternehmen, aber auch die vielen damaligen, heute nicht mehr am Markt agierenden Mitbewerber und Kollegen, deutlich mehr Wurzeln in der Region … in jedem Einzelnen von uns haben könnten, als uns bislang bewusst war.











