Advertorial | Text: Roland Buß | Fotos: Kirsten Buß & VFK Renzel
Die Story hinter VKF Renzel
Eine Interview-Session mit dem Gründer
Daniel Düsentrieb trifft Goethe: Warum Heinz Renzel auch mit 84 Jahren noch lange nicht an den Ruhestand denkt und stattdessen lieber die Quantenphysik hinterfragt
Prolog
Vier Jahre ist es her, dass mir der 80. Geburtstag von Firmengründer Heinz Renzel auf Facebook vor die Augen gespült wurde. Ein guter Zeitpunkt für einen Rückblick auf sein bisheriges Lebenswerk – so meine Gedanken. Und … was passiert eigentlich im Inneren des Gebäudes, das wir regelmäßig passieren, um dann auf die A3 in Richtung Arnheim aufzufahren – zum Shoppen … oder um eine Auszeit an der Küste zu genießen? Wie bekommen wir die VKF Renzel in die Unternehmenslandschaft dieser starken Wirtschaftsregion richtig eingeordnet?
Klaus Koenen, der Vater vom Kunsthändler Peter Koenen ( Seite 82 bis 95), berichtete uns im Kontext eines Interviews von der Vielseitigkeit seines Freundes Heinz Renzel. Beide haben vor mehr als sechs Jahrzehnten als sogenannte „Schmücker“ (eine eigene Bezeichnung für Schaufenstergestalter) gemeinsam die Berufsschulbank gedrückt.
Irgendwo hatte ich mal aufgeschnappt, dass Heinz sein Unternehmen quasi aus der Garage heraus gegründet hat. „Aus dem Kleinen heraus Großes erschaffen zu haben“ – das ist die Art von Geschichten, die ich besonders gerne einfange. Wie war der Weg vom Schaufenstergestalter bis zu einem Global Player im Bereich Verkaufsförderung?
Wie tickt der Mann, der mit seinem Unternehmen 128 Millionen Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet und dabei 885 Mitarbeiter weltweit beschäftigt? Was kann man von ihm lernen? Wie ist seine Haltung zu unserem Kernthema ZukunftsZuversicht? Und … ganz wichtig: Was ist die B-Seite von Heinz Renzel?
Unlängst begegneten wir uns beim Neujahrsempfang der Ahmadiyya-Gemeinde. Wir waren dort, weil Ataf Chaudhry, ein super-sympathischer und engagierter Helfer beim GEMeinsam-Heilignachmittag, uns dazu eingeladen hatte. Heinz Renzel war dort u. a. als Arbeitgeber von Ataf zu Gast. Der lotste uns an den Tisch von seinem Chef und stellte uns vor. Am Ende unseres Gesprächs an diesem Abend stand die Übereinkunft, dass Kirsten und ich Heinz in seinem Büro besuchen, um den Fragen Antworten folgen zu lassen. Manchmal braucht es eben eine gewisse Zeit, bis die Ideen gereift sind – wie wir später auch von Heinz Renzel erfahren werden. Der ideale Zeitpunkt schien mit dem „Meisterstück“ gekommen.
Auf Geheiß von Heinz hatten wir mit seiner Assistenz Birgit, die wir in einem ganz anderen Zusammenhang kennengelernt hatten, einen Termin ausgedealt. Wir freuen uns auf die BEGEGNUNG mit Heinz Renzel … und sind gespannt, ob wir den „roten Faden“ vom „Meisterstück“ in die Story einweben können.
Warm-up mit dem Tüftler
Mittwoch, 11. März 2026, 14:56 Uhr Isselburg | Im Geer 15 | Hauptquartier der VKF Renzel GmbH
Wir befahren das weitläufige Gelände eines Unternehmens, das aus kleinsten Anfängen gewachsen ist. Birgit Nagel, die gute Seele und langjährige Assistentin des CEOs, nimmt uns mit einem herzlichen Lächeln in Empfang. Auf dem Weg durch die Flure werfen wir einen ersten Blick in die Welt der Verkaufsförderung, bevor wir den eigentlichen Kern des Unternehmens erreichen: das Büro des Gründers.
Der erste Eindruck: alles andere als eine aufgeräumte, sterile Chefetage mit aufgeräumten Schreibtischen und abstrakter Kunst. Eher das natürliche Habitat eines Tüftlers. Eine echte „Rumpelkammer“ der Kreativität, wie er sie später selbst liebevoll nennen wird. Für mich … dessen Schreibtisch auch alles andere als clean ist… erinnert das Setting vielmehr an eine Art Versuchswerkstatt. Überall liegen Skizzen, Prototypen für Bonbontüten-Verschlüsse in Frosch- und Katzenform, Produktmuster und – als absolut skurriler Kontrast – ein Samurai-Schwert auf dem Tisch. Man spürt sofort: Hier wird nicht nur verwaltet, hier wird gehandelt.
Heinz Renzel, Jahrgang 1942, betritt den Raum. Birgit Nagel versorgt uns mit Kaffee und Klargetränken.
Als wir uns beim letzten Mal zufällig getroffen haben, waren wir beim vertrauten „Du“ gelandet …
… das ist völlig in Ordnung, lass uns gerne dabei bleiben.
Wie schaut’s denn bei dir, lieber Heinz? Wie ist deine Tagesform?
Ich habe mich auf der EuroShop auf die Nase gelegt und hab ‘ne Rippenquetschung. Sie klingt gerade aus.
Zur Einordnung: Die EuroShop ist die weltweit führende Fachmesse für den Handel. Sie richtet sich an Händler, Architekten und Dienstleister und deckt Themen wie Ladenbau, Retail-Technologie und Gastronomie ab. Sie wird alle 3 Jahre veranstaltet und findet in Düsseldorf statt.
Autsch. Quetschen ist ja oft schlimmer als Brechen.
Aua, ja. Ich schlafe im Moment im Sessel und sitze auf der Bettkante. Aber es wird besser.
Kirsten läuft sich gerade schon mal mit der Kamera warm. Wir haben 100 Fragen vorbereitet. Da sind unkomplizierte dabei, quasi als Eisbrecher, und welche mit etwas mehr Tiefe. Wenn du schnell im Antworten bist, sind wir zügig durch. Bereit für ein kurzes Stakkato?
Legen wir los.
Wein oder Bier?
Ich bin eigentlich ein „Panscher“ – so ein Mischgetränketrinker, wenn ihr wisst, was ich meine?
Ich habe eine Vorstellung… aber werde gerne konkreter.
Ein Panscher, ja. Bier mag ich nicht. Gerne mal einen Whisky mit Cola, oder Jim Beam mit Apfelgeschmack. Auch Apfelsaft mit Wein oder Cola mit Wein. Ich mixe alles.
Meer oder Berge?
Berge.
Bist du eher ein früher Vogel oder eine Nachteule?
Früher Vogel, deswegen gehe ich meistens zeitig ins Bett … so gegen 23:00 Uhr.
Ich sehe da hinten auf dem Schreibtisch dein Arbeitsgerät. Mac oder PC?
PC.
Barfuß oder Lackschuh?
Barfuß.
In der Kommunikation: Hörst du lieber zu oder sendest du lieber?
Senden.
Liest du noch ein gedrucktes Buch oder hörst du eher Hörbücher?
Momentan lese ich mich intensiv in das Thema ‘Schule Weitblick’ ein … in allen möglichen Medien und Kanälen. Da geht es darum, wie Schüler selbst lernen. Wie sie nicht mehr nur klassisch doziert, sondern gecoacht und in ihrem Lernstreben begleitet werden.
Exkurs: Dieser Ansatz des selbstbestimmten, von echter Neugier getriebenen Lernens resoniert stark. Er erinnert mich an einen außergewöhnlichen Onlinekurs, den ich parallel zu dieser Niederschrift gebucht habe: Albert Einstein höchstpersönlich fungiert dort als virtueller Lehrer. Mit jener feinen Selbstironie, für die er bekannt war, erklärt das Genie dort nicht nur seine Relativitätstheorie und die Formel E = mc², sondern zeigt Schritt für Schritt, wie aus scheinbar einfachen Fragen radikale, bahnbrechende Ideen entstehen. Es ist weniger eine klassische Vorlesung als vielmehr die Einladung, die Welt mit völlig neuen Augen zu betrachten. Exakt dieses Coachen der Neugierde ist es, das Heinz Renzel für die Bildung der Zukunft einfordert.
Die Relativitätstheorie einfach erklärt mit Albert Einstein
Hardfacts VKF Renzel | Vom Bauernhof zum Weltmarktführer
• Der rasante Aufstieg: 1985 fiel der Startschuss für die VKF Renzel in den Scheunen von vier Bauernhöfen in Bocholt-Spork. In weniger als 40 Jahren skalierte Heinz Renzel diesen Improvisations-Betrieb zu einem international führenden Unternehmen der Verkaufsförderung.
• Wirtschaftliche Stärke: Die Unternehmensgruppe erwirtschaftet heute einen Jahresumsatz von über 128 Millionen Euro (Stand 2023).
• Das globale Team: Aus den landwirtschaftlichen Helfern der ersten Tage ist eine weltweite Belegschaft von rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herangewachsen.
• Der “Global Player”-Status: Bereits 1993, nur acht Jahre nach Gründung, begann die konsequente Internationalisierung. Heute blickt Heinz Renzel auf eine Holding mit 27 Gesellschaften. Die Gruppe unterhält Niederlassungen in Ländern wie den USA, China, England, Polen und quer durch Europa. Insgesamt ist die VKF Renzel in 29 Ländern rund um den Globus vertreten.
• Dimensionen & Portfolio: Das einstige Kernprodukt, die „Scannerschiene“, ist heute Teil eines gewaltigen
Portfolios von über 25.000 Artikeln rund um Ladenausstattung, Regaloptimierung und digitale Preisauszeichnung.
• Die Schaltzentrale: Gesteuert wird das globale Netzwerk aus der 1994 bezogenen Zentrale in Isselburg. Das gesamte Betriebsareal der Unternehmensgruppe umfasst mittlerweile mehr als 100.000 Quadratmeter.
Du bist Baujahr 1942, im Januar geboren, also Wassermann. Würdest du sagen, das ist ein Premium-Jahrgang?
An meine Geburt selbst habe ich wenig Erinnerungen 😉 … wohl an die Zeit danach … die Nachkriegsjahre. Ich bin unter meiner Mutter und ihren Schwestern groß geworden. Mein Vater kam erst 1948 aus russischer Gefangenschaft wieder zu uns.
Aus der lockeren Aufwärmphase katapultiert er uns mit einem einzigen Satz direkt in eine völlig andere Zeit. Aus dem fröhlichen Geplänkel über Whisky-Cola und Apple-Rechner wird plötzlich greifbare Zeitgeschichte.
Vom Kolonialwarenladen zum Global Player | Ein nicht ganz schnörkelloser Weg … auf dem „aus der Not geboren“ keine Floskel war
Erinnerst du dich noch an den Geruch eures Kolonialwarenladens?
Ja, ich bin ja da drinnen groß geworden. Wir haben noch Schinken und Käse geschnitten … Sauerkraut selbst angesetzt …, Heringe eingelegt… Mehl eingetütet… Kaffee gemahlen. Es gab viel zu schnuppern. Das sind Erinnerungen, die mich zutiefst geprägt haben.
Du hast mal in einem Interview von einem Kulturschock in deinen Kinderjahren gesprochen – was war der genaue Hintergrund?
Das war der Moment, als mein Vater einen Tisch an die Tür setzte und sagte: ‚Jetzt sind wir ein Selbstbedienungsladen!‘
Für mich war es entsetzlich zu sehen, dass die Kunden sich die Ware plötzlich selbst aus dem Regal nehmen konnten.
Der Blick von Heinz verliert sich für den Bruchteil einer Sekunde in der Vergangenheit. Die Atmosphäre in seinem Büro, umgeben von modernsten Prototypen und Skizzen für die Zukunft, steht in krassem Kontrast zu dieser Erinnerung an die rustikale Welt der Nachkriegsjahre. Kirsten nutzt diesen nachdenklichen Moment, um mit ihrer Kamera genau diese Tiefe in seinem Gesicht einzufangen.
Was war das Motiv deines Vaters für diesen Wandel?
Es lag in der Geburtsstunde der Discounter – allen voran ALDI, die alle Preise unterboten. Mein Vater war gezwungen zu reagieren und die Kosten runter zu fahren – das traf zunächst das Personal…
… später auch euch als Familie, wie ich gelesen habe – ihr musstet schließen, oder?
Ich war hautnah dabei, als der Laden sich einfach nicht mehr halten konnte. Letztendlich kam keiner mehr und die Ware, die noch da war, wurde dann auch nicht mehr abverkauft. Die Situation war sehr dramatisch. Die Schubladen waren leer, es war einfach kein Geld mehr da. In einer solchen Situation bekommst du auch keinen Kredit – da läuft dann nichts mehr.
Würdest du sagen, dass dieses prägende Erlebnis der eigentliche Ursprung deines heutigen, absoluten Überlebenswillens ist?
„Not macht erfinderisch.“ Wir haben wirklich von der Hand in den Mund gelebt.
Auch damals, als ich mich dann später selbstständig machte und mit meiner Frau zusammen war, da gab es dann Erbsensuppe mit Brot. Oder Linsensuppe mit Brot. Und das fünf Tage lang, bis endlich das erste Geld hereinkam. Gestartet bin ich mit einer Lehre zum Schaufenstergestalter, dann war ich beim Militär. Als ich vom Militär zurückkam, ging das Geschäft meines Vaters immer weiter in die Knie. Das führte zu harten Auseinandersetzungen mit ihm. Ich sagte: „Mach dein Geschäft zu, wir verdienen kein Geld mehr!“ Er sagte: „Lass den Laden, den habe ich aufgebaut.‘
Der Weg in deine erste Selbstständigkeit war ja kein klassischer roter Faden. Wie bist du nach der Schließung des väterlichen Ladens weitergegangen?
Das war eine sehr bewegende Zeit … ein ziemlich bewegtes Leben. Ich habe dafür gesorgt, dass Geld herein kam. Ich habe in Oberhausen beim Kaufhof gearbeitet … war sogar auf der Theaterbühne in Oberhausen aktiv. Danach habe ich bei Hemsing und bei Sinn gearbeitet. Wenn etwas Geld über war, habe ich es direkt wieder „verexperimentiert“.
Ich musste zweimal nachfragen, bis Heinz’ Wortschöpfung für die Finanzierung seiner Inspirationen und Geschäftsideen Einzug in meine Notizen fand. 😉
Dafür wurden sofort neue Experimente gemacht, damit wir überhaupt weiter überleben konnten.
Ein weltweites Unternehmen mit beinahe 900 Mitarbeitern, aufgebaut auf dem Fundament von fünftägiger Linsensuppe und einem unbändigen, fast schon trotzigen Willen. Das ist keine dieser aalglatten, durchgestylten Start-up-Storys, die man heute so oft hört. Das ist handfeste, ungeschönte Realität. Ein Überlebensmotor, der aus der puren Not heraus gestartet wurde und seitdem nie wieder ausgegangen ist.
Du warst in dieser Phase aber nicht nur angestellt, sondern hast dich schon langsam freigeschwommen, oder?
Stimmt, irgendwann bekam ich das Angebot, eine Werbeagentur zu unterstützen. Ich bekam ein Gehalt von 1.500 Mark im Monat – für Werbung, für Anzeigen, die ich für Messen machte. Das war für mich eine erste, sichere Grundlage.
Wie wurde aus dem kreativen Schaufenstergestalter der Unternehmer?
Ich hatte mir autodidaktisch ziemlich viel Wissen im Druck aufgebaut. Buchdruck, Offsetdruck, Tampondruck etc. Ich fing an, den Siebdruck weiter auszubauen.
In dem Zusammenhang habe ich mich mit meinem ersten Unternehmen „Effektgrafik“ selbstständig gemacht – gemeinsam mit einem Partner. Dieses Unternehmen haben wir über zehn Jahre betrieben. In der Spitze haben wir damit fünf Millionen Euro im Jahr umgesetzt
Und trotzdem hast du dieses erfolgreiche Unternehmen verkauft. Was war der Auslöser?
Das ist manchmal so im Leben, dass die Dinge auseinanderlaufen. Dann ist es Zeit, das Kapitel zu schließen und ein neues zu schreiben. Das war nicht einfach, meiner Familie zu erklären – dass ich den sicheren Hafen wieder verlassen werde … noch nicht wissend, wie es konkret weitergeht.
Wie bist du mit dieser existenziellen Ungewissheit umgegangen?
Ich hatte das Gefühl, dass ich den gewohnten Rahmen verlassen musste, um Neues zu denken. Ich habe mich auf ein Fahrrad gesetzt und bin von Bocholt aus losgefahren.
Einfach so? Wohin?
Nach Finnland. Acht Wochen war ich unterwegs. Bis nach Kajaani bin ich gekommen.
Warum ausgerechnet Finnland?
Das weiß ich auch nicht mehr. Ich bin einfach losgefahren. Alleine im Wald, das waren so unfassbar schöne Erlebnisse. Da kommst du endlich zu dir selbst.
Hauptquatier VKF Renzel | Isselburg | direkt an der A3
Mit welcher zentralen Erkenntnis bist du nach diesen Wochen in der skandinavischen Einsamkeit zurück in die Heimat gekehrt?
Das ist für mich eine essenzielle Erkenntnis gewesen: Mit wie wenig Geld man im Leben eigentlich auskommt. Draußen im Wald hast du dir mit Tütensuppe eine Mahlzeit gekocht. Das reicht.
Bei seinen emotionalen Schilderungen bekommen wir eine Ahnung, wie ihm dieser wochenlange Ausbruch aus der Normalität auf dem Fahrrad die Gedanken gewaschen hat. Wer sich selbst beweist, dass er mit einer einfachen Tütensuppe im finnischen Wald glücklich überleben kann, verliert die existenzielle Angst vor dem Scheitern. Klingt nach dem perfekten, mentalen Mindset für alles, was danach kommen sollte.
Tüftler Heinz beim Scribbeln
Von Bambus-Katastrophen, Bauernhof-Start-ups, Gamechangern und Ultraschall-Deals
Du hast ursprünglich als kreativer Schaufenstergestalter angefangen. Hilft diese optische, kreative Ader, wenn man später anfängt, zu tüfteln und technische Dinge zu entwickeln?
Wenn du Schaufenster gestaltest, musstest du dir … zumindest früher 😉 … immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Wir haben richtige Landschaften gebaut und Fantasien mit unseren Blickfängen entwickelt. Zeiten, in denen sich Kinder und Erwachsene an den Scheiben die Nase plattgedrückt haben. Das hat meistens toll funktioniert … aber nicht immer 😉
Sein ausuferndes Grinsen kündigt eine Story an …
Es gab in meinen Anfängen eine legendäre Bambus-Katastrophe – damals bei Karstadt in Bocholt. Die wollten damals seine Szenerie im Safari-Look haben … mit ganz viel Bambus.
Ich habe ihnen gleich eine ganze Schiffsladung davon verkauft. Zuerst klingelte die Kasse, dann knallte die Deko. Der lukrative Bambus-Deal hatte einen kleinen, aber lauten Haken: Die Rohre waren noch feucht. Als die behagliche Kaufhauswärme ihnen den Rest an Feuchtigkeit entzog, rissen sie unter enormer Spannung auf und platzten wie Kanonenschläge. Das bescherte den Kunden ein unfreiwilliges Action-Erlebnis und mir eine Flut von Beschwerdeanrufen und ordentlich Kopfzerbrechen.
Ein Schmunzeln geht durch den Raum. Man stellt sich unweigerlich die Szenerie vor: ein amtliches Kaufhaus, in dem plötzlich ohrenbetäubende Knallgeräusche aus der Safari-Dekoration feuern. Doch aus genau solchen Rückschlägen formte sich ein Unternehmer, der keine Angst vor unbekanntem Terrain hatte.
Wie wird man vom Schaufenster-Dekorateur zum Lieferanten für hochkomplexe Elektronikbauteile?
Das hiesige Unternehmen Benning bekam damals einen Großauftrag der Bundeswehr: Es sollte die Elektronik für neue Panzer-Funkgeräte entwickeln. Bislang war das eine extrem mühsame Handarbeit. Da kam ich ins Spiel, denn ich war schon immer gerne experimentell unterwegs. Statt mich mit den üblichen, komplizierten Foto-Verfahren aufzuhalten, habe ich mein Wissen aus dem Druckgewerbe genutzt. Ich habe einfach einen Versuch gemacht und die benötigten Leiterbahnen mit Siebdruck und etwas Asphaltlack direkt auf die Kupferplatten gedruckt. Es hat auf Anhieb funktioniert!
Kurz darauf kam der Einkäufer und überreichte mir meinen ersten Scheck über 10.000 D-Mark – das war damals ein echtes Vermögen. Um das Ganze rund zu machen, habe ich denen gleich noch eine kleine Anlage aufgebaut, damit die Firma Benning das in Zukunft selbst produzieren konnte.“
Wenn man deine Geschichte so hört, kommst du einem vor wie ein echter Daniel Düsentrieb 😉 …
… ein durchaus passender Vergleich. Dieser Benning-Coup sprach sich in der Industrie rum. Kurz danach kam Siemens auf mich zu. Die brauchten dringend neue elektronische Steuerungen. Hätten die den offiziellen Weg über ihr Berliner Werk gewählt, hätte das ein halbes Jahr Verzug bedeutet. Ich habe Tag und Nacht getüftelt – ich habe mit so viel Einsatz gebastelt, dass mir die Chemikalien glatt die Socken durchgeätzt haben. Es war ein wahnsinniges Gefummel. Die größte Hürde war die komplizierte beidseitige Lötung auf feinstem Raum. Aber ich habe nicht locker gelassen, bis das Problem gelöst war.
Sogar die Technische Hochschule Aachen stand plötzlich bei mir auf der Matte. Die steckten damals bei einem medizinischen Projekt fest: Sie wollten Gallensteine mit Ultraschall zertrümmern und brauchten dafür spezielle elektronische Platinen. Die habe ich denen dann gebaut.
Das Verrückte daran war die Bezahlung: Statt Geld bekam ich von der Elite-Uni ihr geballtes Wissen. Die haben mir im Gegenzug beigebracht, wie man mit Ultraschall eine Schraube in Kunststoff vibrieren kann. Das war für mich der absolute Startschuss in die intensive Kunststoffverarbeitung.
Wir lassen das kurz sacken. Ein gelernter Schaufenstergestalter baut nachts Elektronik für Panzer-Funkgeräte, revolutioniert die Steuerungen von Siemens mit „durchgeätzten Socken“ und tauscht mit der TH Aachen sein Handwerk gegen Ultraschall-Wissen zur Gallenstein-Zertrümmerung ein. Wenn das nicht der Inbegriff eines echten Tüftlers ist, was dann?
1985 fiel der offizielle Startschuss für die VKF Renzel. Ich habe im Vorfeld mal aufgeschnappt, das sei ganz klassisch aus einer Garage heraus passiert. Stimmt dieser Mythos?
Nicht ganz, das hatte eine ziemlich kuriose Vorgeschichte. Nach dem Verkauf meiner ersten Firma hatte ich eigentlich ein Grundstück im neu entstehenden Industriegebiet gekauft und wollte dort in ausgemusterten Hapag-Lloyd-Containern kleine Betriebe ansiedeln. Da hat der Bocholter Stadtrat aber quergeschossen – die wollten keine „Containerlandschaft“. Also musste ich alles rückabwickeln. Die ersten Container, die schon geliefert waren, stellte ich kurzerhand bei mir hinten im Garten auf. Kurz danach kamen Landwirte aus meiner Nachbarschaft, die mit ihrer Viehhaltung in eine Schieflage geraten waren, und fragten, ob ich Arbeit für sie hätte. Letztendlich waren es vier meiner Nachbarn, auf deren Höfen wir VKF an den Start gebracht haben.
Der erste große Durchbruch für dein Unternehmen – wie sah der aus?
Ich kannte jemanden bei Herlitz in Berlin. Deren System für die Schulshops war eine Katastrophe, die Papprohre sind im Laden ständig zusammengekracht. Also habe ich mir kurzerhand Gardinenrohre und clevere Drehgelenke geschnappt und einfach einen völlig neuen Verkaufsstand entworfen. Die waren hin und weg und bestellten direkt 250 Stück auf einen Schlag. Um diese Menge bewältigen zu können, sind meine Nachbarn aus Spork in die Bresche gesprungen und haben bei mir tagelang im Akkord Displays geschraubt.
Das Produkt, das euch letztendlich weltweit groß gemacht hat, ist eine Scannerschiene, wie ich gelesen habe – ohne zu wissen, was das ist.
Heinz bittet Birgit, ein Muster aus seinem Büro zu holen, damit es für einen Nichttechniker wie mich, begreifbar wird … in den Synapsen … und in der Hand.
Die Entwicklung habe ich damals zusammen mit niederländischen Partnern vorangetrieben. Das Problem im Einzelhandel war Folgendes: Die Vertreter liefen damals noch mit einem Lesestift durch die Gänge, um die Barcodes auf den Preisschildern für den Warenbestand zu erfassen. Weil die herkömmlichen PVC-Schienen an den Regalen aber völlig flach waren, sind sie mit dem Stift beim Scannen ständig abgerutscht. Meine Lösung war total simpel: Wir haben eine Schiene entwickelt, die an der Oberkante eine kleine Nase hatte. Dadurch hatte der Stift eine feste Führung und man konnte beim Scannen nicht mehr abrutschen.
Eine kleine Nase aus Kunststoff als globaler Gamechanger. Frei nach Neil Armstrongs legendären Worten vom Mond müsste es hier wohl heißen: ein kleiner Schritt für einen Tüftler, aber ein riesiger Sprung für den weltweiten Einzelhandel. Manchmal sind es eben die scheinbar unscheinbarsten Details, die eine ganze Industrie verändern.
Ich habe gelesen, dass Du im Zusammenhang mit den hemdsärmeligen Aktionen auf den Bauernhöfen, etwas eingerichtet hast, was man heute Betriebskindergarten nennen würde …
Das könnte man so nennen, auch wenn es viel bescheidener zuging. Viele unserer Mitarbeiterinnen wurden in dieser Zeit Mutter. Ich habe damals einfach einen Raum hergerichtet, wo sie ihr Kind wickeln und bei sich haben konnten.
Eine Mutter, die Beruf und Kind so unkompliziert verbinden kann, ist eine wahnsinnig starke Kraft für das Unternehmen.
Als wir später das große Grundstück in Isselburg kauften, stand für mich sofort fest: Wir bekommen hier einen Betriebskindergarten.
Die Wertschätzung weiblicher Fachkräfte, geboren aus purer Notwendigkeit. Heinz Renzel verstand offensichtlich früh: Wer das Potenzial von Frauen im Beruf nutzen will, muss die Rahmenbedingungen an ihre Lebensrealität anpassen. Ganz ohne moderne Leitfäden zur „Vereinbarkeit von Familie und Karriere“ baute er eine Brücke, die Müttern den schnellen Wiedereinstieg erlaubte. Einfach, weil es für alle Beteiligten die intelligenteste Lösung war.
Der Tenor des Interviews ist vertraut. Bei bestimmten Passagen schaut man sich kurz in die Augen – danach ist klar: Es war nur für unsere Ohren … zum Verständnis. Es ist genau diese ungeschminkte Authentizität, die eine solche Begegnung zu einem Meisterstück macht. Ein kurzer Blickwechsel zwischen Kirsten und mir – wir sind uns einig, dass ein rasanter Themenwechsel ansteht. Wir beabsichtigen, die echte B-Seite dieses Mannes kennenzulernen, der gerade so unaufgeregt von seinem rasanten Aufstieg erzählt hat. Was sind die „untold-Stories“ … wie es der legendäre Fotograf Peter Lindbergh bezeichnet hat?
Die legendäre Scannerschiene
Samtmalerei, Spaghetti Bolognese & Beaujolais | die B-Seite von Heinz Renzel – mit viel Musik drin
Komm, wir wechseln mal ins Schöne. Was ist dein ultimatives Lieblingsgericht?
Was ich gerne esse, ist Lammcarré. Aber die schönste Geschichte, die ich hinter mir habe, war Spaghetti Bolognese mit einem Beaujolais im Glas in Paris.
Wie passend, wir kommen gerade aus Paris zurück. Die Stadt hat es uns echt angetan. Erzähl gerne, wenn du magst. Wie kam es zu den Spaghetti in Paris?
Das begann eigentlich in der Schweiz und in Südfrankreich. Ich hatte in Genf einen Mann kennengelernt, Per Olov Jansson. Der hatte Samtbilder gestaltet, die er verkaufen wollte. Da ich Dekorateur war und ein bisschen Geld hatte, bin ich mit ihm nach Nizza heruntergefahren, um unten am Strand diese Bilder zu verkaufen. Und dann habe ich dort angefangen, selbst auf der Straße zu malen.
Du warst Straßenmaler?
Ja ich war Straßenmaler und ich habe auf Samt gemalt – Peinture sur velours de France nannte sich das.
Für mich als Kunst-Unbeflissenen: Wie genau darf man sich so ein Samtbild vorstellen?
Dabei nimmt man einen weichen, oft dunklen Velours-Stoff als Leinwand. Die Farben leuchten darauf durch den Kontrast ganz besonders intensiv und bekommen eine weiche Tiefe. Wir haben dann einfach mit Getreide darübergewischt statt mit dem Pinsel, um blitzschnell Schwäne und Palmen zu malen. Da kam ein Passepartout drum, und die haben wir vielfach verkauft. Irgendwann bin ich dann weiter nach Paris.
Man muss sich dieses Bild für einen Augenblick auf der Zunge zergehen lassen. Wir sitzen im Chefbüro eines global agierenden Unternehmens, umgeben von technologischen Prototypen, und der Gründer erzählt uns mit einem leuchtenden Funkeln in den Augen, wie er als junger Bohemien in Südfrankreich und im Pariser Künstlerviertel Saint-Germain-des-Prés auf dem Asphalt saß, um mit Getreide auf Samt zu malen. Das ist das genaue Gegenteil eines geradlinigen, durchgeplanten Business-Lebenslaufs.
Und in Paris gab es dann die besagten Spaghetti Bolognese?
Ja, auch dort habe ich auf der Straße gemalt. Aber die Bilder waren manchmal schwer zu verkaufen. Damit wir überhaupt einen Platz hatten und nicht weggeschickt wurden, haben wir uns immer eine Tasse Kaffee bestellt. Die konnte man dann gerade noch so von dem wenigen Geld bezahlen. Und wenn es gut lief, gab es eben diese herrlichen Spaghetti Bolognese mit einem Beaujolais. Das war ein Fest.
Wenn wir schon beim Essen sind: Wie ist dein Geschick im Umgang mit Töpfen und Pfannen? Was machst du dir, wenn du selbst am Herd stehst?
Suppe.
Visionsentwicklung Marktmobilität
Gerne genauer…
Eine Erbsensuppe.
Da schließt sich der Kreis zu den harten Anfangsjahren der Selbstständigkeit. Egal ob in den Wäldern Finnlands, auf den Bauernhöfen in Spork oder heute in der heimischen Küche – eine ehrliche Suppe erdet und macht satt. Kein Chichi, keine Allüren.
Hast du für uns den ultimativen Restauranttipp in der Region? Wo gehst du gerne hin?
Hier bei uns zum Griechen, zum Mythos.
Verlassen wir die Kulinarik und kommen zum Geistigen. Bei mir ist es so, dass es Bücher gibt, die das Leben zwar nicht komplett umkrempeln, die einen aber prägen und in eine etwas andere Richtung bringen. Gibt es ein solches Buch bei dir?
Ja, 1984. Von George Orwell. Das hat mich stark geprägt. Sätze wie „Krieg bedeutet Frieden“, das hallt nach.
Gibt es ein Lebensmotto oder ein Zitat, das dich trägt und das du gerne teilen würdest?
Ja, ein Zitat habe ich. Das ist von Goethe: ‚Erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.‘
Wie lebst du das im Alltag?
Wenn die neuen Lehrlinge zu mir kommen, dann sage ich denen immer: Bleibt neugierig! Lasst euch nicht einfach sagen: Das ist ein Stuhl. Kümmert euch darum, wie der Stuhl gemacht wird. Hinterfragt die Dinge. Lasst euch nicht alles einfach aufoktroyieren, sondern erkennt, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Einerseits Orwells düsterer Zukunftsroman, andererseits Goethes tiefes Bedürfnis, die Welt bis ins Letzte zu verstehen. Eine spannende Bandbreite der Gedanken. Doch genau das erklärt so vieles in diesem Raum. Es zeigt, warum Heinz Renzel sich auch mit 84 Jahren nicht einfach zurücklehnt. Ihn treibt offensichtlich nicht das Geld an, sondern der pure Drang, die Dinge zu begreifen. Im Herzen scheint er der neugierige Straßenkünstler geblieben, der die Businesswelt heute genauso fasziniert betrachtet wie damals seinen Stoff in Paris.
Themenwechsel: Wer oder was kann einem Visionär wie dir so richtig auf die Nerven gehen?
Meine größten Reibungspunkte habe ich mit Menschen, die stets alles besser wissen und sich selbst niemals infrage stellen. Oftmals kollidiert dort unternehmerische Kreativität mit zäher Bürokratie.
Meine Konzepte sind oft fünf bis sechs Jahre in der Warteschleife, bevor sie tatsächlich greifen. Das liegt an der Natur der Sache: Echte Neuerungen provozieren zunächst Abwehrhaltung. Man muss die Menschen gedanklich erst abholen und sie spüren lassen, dass dieser völlig neue Weg der richtige sein könnte.
Wer Grenzen verschieben will, trifft unausweichlich auf jene, die sie bewachen. Ein bemerkenswerter Einblick in die Frustrationstoleranz eines Mannes, der seit Jahrzehnten erfolgreich gegen das „Das haben wir immer schon so gemacht“ ankämpft.
Wir streifen ein Thema, über welches ich bei meinen
Recherchen gestoßen bin: Die Überdachung der Innenstädte.
Ich erinnere mich, dass es solche Gedanken vor ca. 25
Jahren mal in unserer Heimatstadt Bocholt gab. Ich fand den
Gedanken damals grundsätzlich toll – mit meinem schwach ausgeprägten technischen Verständnis. Fakt ist: Heinz bleibt bei seinem Herzensprojekt am Ball … sprich, er arbeitet an der Umsetzung. Ich habe immer noch nicht verstanden, warum das nicht in Teilbereichen unserer Fußgängerzone realisiert wird – sicherlich dadurch beeinflusst, dass ich mit geschulterten Markteinkäufen und Labrador-Retrieverhündin Paula einige Male pudelnass nach Hause gekommen bin,
Du hast mittlerweile knapp 900 Mitarbeiter weltweit.
Wie viele davon kennst du noch mit Vornamen?
Ca. 20 Prozent werden es schon sein.
Wie würdest du dein eigenes Führungsverhalten beschreiben?
Ich bin nicht laut … Birgit könnte das bestätigen. Wenn mir etwas falsch vorkommt, mache ich mir Gedanken darüber und spreche es an. Ich führe durch Überzeugung … ziemlich diplomatisch.
Wir sprechen über die Bedeutung der Arbeit … darüber, dass es ihm wichtig ist, den Sinn der Arbeit … das Warum dahinter zu verstehen – dass Arbeit fürs Überleben notwendig ist. Das erörtere er insbesondere mit den Auszubildenden. Mit einer gesunden Einstellung zur Arbeit könne man ein zufriedenes Leben führen.
Ich hatte gelesen, dass Mitarbeiter im Unternehmen Renzel auch über das Rentenalter hinaus die Möglichkeit haben, dort zu arbeiten. Ziemlich logisch für unseren Gesprächspartner, der sich in seinem gereiften Alter noch jeden Tag auf den Weg in die „Brutstätte seiner Ideen“ macht – wie wir beim abschließenden Blick auf seinen Schreibtisch … sein Büro noch feststellen werden.
Wir sprechen über den heutigen Betriebskindergarten … über soziales Engagement … über den unermüdlichen Einsatz, jungen Menschen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen … ihnen den Reiz von Lernen zu vermitteln, um auf die Zielgerade dieser kurzweiligen Interview-Session einzubiegen…
Ein kleiner Wildwuchs | Ein wacher Geist macht vor dem Alter nicht halt
Kennst du den Begriff Bucket-List? Also eine Liste mit Dingen, die man in seinem Leben unbedingt noch gemacht haben möchte. Gibt es so etwas bei dir?
Wo soll ich mit meiner Aufzählung anfangen? Ich muss mich damit abfinden, dass mein fortgeschrittenes Alter es mit sich bringt, dass ich all die Dinge, die mich beschäftigen, unmöglich zum Abschluss bringen kann.
Einer der leisesten und tiefsinnigsten Momente im Dialog mit den Tüftler …
Die faszinierenden Möglichkeiten der Digitalisierung… die Weiterentwicklung der Technik … was heute bereits alles möglich ist … wie sich unter anderem die Themen wie Logistik, Transportwege, Mobilität entwickeln …
Ich notiere „Aufsitzdrohnen“ … autonome Taxis der Zukunft, um bei der Niederschrift dieser Zeilen festzustellen, dass dies keine Vision mehr ist – sondern greifbare Realität. Eine Erkenntnis, die mir bislang verborgen war. Wie schaut’s bei Euch?
Du bist viel herumgekommen in der Welt … was würde dich noch reizen … reisetechnisch gesehen?
Ich war einmal in Russland und wollte in Nowosibirsk Nowgorod in einen Zug der Transsibirischen Eisenbahn steigen. Der Plan war, bis nach Wladiwostok zu fahren – fünf oder sechs Tage quer durch Sibirien. Eine Reise auf jener legendären Strecke, die schon zu Zeiten der Zaren den Kontinent durchquerte. Doch vor Ort zerschlug sich das Vorhaben. Mit dieser Etappe wäre ich meinem Traum, einmal um die Welt gereist zu sein, ein gutes Stück näher gekommen.
Du hast sicherlich schon zahlreiche Interviews in deinem Leben gegeben. Was ist die wichtigste “Untold Story”, die noch niemand über dich aufgeschrieben hat?
Ich würde gerne erzählen, dass ich nicht müde werde, mich mit der Zukunft zu beschäftigen. Ich arbeite mich gerade mithilfe der künstlichen Intelligenz in die Quantenphysik ein. Ich möchte verstehen, wie Quanten funktionieren und wie ich die erkennen kann. Ich gehe solche Themen immer locker an. Zunächst habe ich gedacht, dass ich nicht intelligent genug dafür sei. Aber ich habe gemerkt, dass man vernünftige Antworten bekommt, wenn man ChatGPT fragt ;-).
Ein 84-jähriger Unternehmer, der sich abends von einer Künstlichen Intelligenz die Quantenphysik erklären lässt, weil er verstehen will, wie die Welt von morgen funktioniert. Spätestens in diesem Moment wird endgültig klar, dass das Alter auf dem Papier für den Geist absolut keine Bedeutung hat. Seine unbändige technologische Neugierde ist kein Lippenbekenntnis, sie ist sein Lebenselixier.
Was würdest du dir wünschen, was die Menschen in 50 Jahren über dich lesen?
Heinz hat dazu beigetragen, dass es uns heute gut geht ;-).
Die letzte Frage: Welche Frage haben wir heute vergessen zu stellen, die du aber wahnsinnig gerne beantwortet hättest?
Ihr könntet noch fragen, warum ich in all diese Länder gegangen bin.
… und deine Antwort darauf lautet?
Das war diese tiefe Sehnsucht in mir, die Welt kennenzulernen. Schon als ich 15 war, habe ich einen Zettel auf den Küchentisch gelegt und mich verabschiedet. Ich bin damals nach Schweden getrampt. Meine Mutter hat oft unter meinem Lebensstil gelitten. Da flossen auch Tränen, wenn Lieder wie „Junge, komm bald wieder“ im Radio liefen. „Ich war ein kleiner Wildwuchs.“ 😉
Das schelmisch vorgetragene „war“ ringt ihm und uns ein Dauerschmunzeln ab. Mein Eindruck: Der uns gegenübersitzende Visionär, scheint im Kopf jünger und freier zu sein als so mancher Start-up-Gründer.
Ich klappe meine Schreibkladde zu. Kirsten schnappt sich ihre Kamera für das finale Shooting. Wir verzichten auf gestellte Posen in sterilen Konferenzräumen oder im riesigen Logistiklager. Stattdessen lichten wir ihn genau dort ab, wo all diese Visionen entstehen: in seinem Büro, seiner geliebten “Rumpelkammer”. Er sitzt an seinem Schreibtisch, den Blick nachdenklich aus dem Fenster gerichtet, umgeben von Prototypen, Meilenstein-Impressionen, Fotos von Begegnungen … Monitore, Tastatur, Tablet, Webcam, Monitorboxen, Kopfhörer in Griffweite – allzeit bereit, mit der Welt zu kommunizieren.
Authentischer geht es nicht.
Wir danken Heinz Renzel für seine Zeit, sein Vertrauen und diese unglaubliche Reise durch seine Welt!
Epilog
Als wir das Werksgelände der VKF Renzel in Isselburg nach knapp zweieinhalb Stunden wieder verlassen, tun wir das mit einem nachhaltig veränderten Blickwinkel. Als Stammleserinnen und -leser kennt ihr Kirstens ersten Satz nach einem solchen Interview: „Was sie alle so machen.“
Den Begriff „unruhiger Geist“ erachte ich als zu oberflächlich – dafür war unser Gespräch auch zu entspannt und in sich ruhend. Wir saßen einem Menschen gegenüber, der aus der puren existenziellen Not der Nachkriegsjahre einen unbändigen Überlebenswillen entwickelt hat, der ihn bis heute antreibt. Einem Mann, dem das Wort „Ruhestand“ blankes Unbehagen auslösen würde … und den die Sehnsucht nach echter Erkenntnis einfach nicht loszulassen scheint. „Erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ – Goethe hätte an diesem Nachmittag in Isselburg sicherlich seine wahre Freude gehabt.
Wir sind euch noch den roten Faden zum Meisterstück schuldig. Wir trafen auf den „Meister der Patente“ – möglicherweise mit einer Standleitung zum deutschen Patentamt 😉
VKF Renzel
Im Geer 15, 46419 Isselburg
+49 (0) 2874 910-348











