Wenn geschriebene | Ahnungen Realität werden | Hommage an das MetzgerHandWERK
Foto: Kirsten Buß & Text: Roland Buß
Prolog
Im Allgemeinen gilt, dass der „gemeine“ Deutsche dazu neigt, gerne Recht zu haben. Wir persönlich kennen wenig „gemeine“ Deutsche. Hin und wieder mag es vorkommen, dass es Menschen gibt, die „einfach Pech beim Denken haben“ – wie Max’ Opa Egon gesagt hätte … oder die keine Zeit zum Denken finden. Vielleicht ergibt sich um die Jahreswende ein Zeitfenster, um Versäumtes nachzuholen … sprich NACHdenklich zu sein. Wir haben selten so ungern richtig gelegen, mit einer Ahnung, die uns etwa siebeneinhalb Jahre beschäftigt:
Damals habe ich mich über eine Reportage von WISO echauffiert, die Fertig-Bolognese unter die Lupe … bzw. mit ins Labor nahmen. Testsieger: Der günstigste Kandidat aus der Reihe der Discounter und Supermärkte mit 21 Prozent Fleischanteil – für 80 Cent das Glas – vor Corona wohlgemerkt.
Daraus wuchs der Kontrakt zwischen der Gattin und mir: Wir verwenden / verarbeiten keine Wurst- oder Fleischwaren, die uns nicht über eine amtliche Theke angereicht werden – sprich keinesfalls vom Discounter.
Um das mit dem Artikel vorzuleben hatte Kirsten fünf Kilogramm Rindfleisch bei einem der Metzger unseres Vertrauens durch den Fleischwolf drehen lassen. Dieses haben zu HomeMade-Bollognese verarbeitet, in Weckgläser aufgeteilt und Family & Friends damit beglückt.
Das Rinderhack stammte von der Fleischerei Benning. Dieser im Jahre 1908 gegründete Betrieb dreht zum 30. November 2025 letztmalig den Schlüssel zum vertrauten Verkaufsraum um. DANKE liebe Familie Kösters & Team für euren Einsatz und eure Produkte.
Unter dem Motto „Koche nichts, worüber du keine Geschichte erzählen kannst“ tauschten wir uns mit einem anderen Metzger unseres Vertrauens zum Thema „Vergessenes Fleisch“ aus – konkret mit Metzgers-Gemahlin Claudia Buchow. In unseren Einkaufskorb wanderten Scheiben vom Schweinbauch, mit denen wir Claudias Tip „Arbeiter-Kotelett“ umsetzten und genossen, sowie Rinderrippen und ein amtliches Stück Schweineschulter „wie gewachsen.“
Claudia und ihr Mann Manfred haben Ende 2022 ihren Betrieb eingestellt. Auch an Euch ein herzliches DANKE für die stets tolle Beratung und die leckeren Waren.
Wir haben leider (noch) keine Zahl, wieviel Metzgereien es in der Region mal gab. Überlieferungen zu folge könnten es ca. 40 gewesen sein – heute sind es gerade noch eine Handvoll. Unsere ernste gemeinte Empfehlung an Euch, liebe Leserinnen und Leser: Zollt den Menschen jenseits des Tresens euren Dank und euren Respekt. Wir wissen, wem wir zur Weihnachtszeit eine Flasche Wein als Auszeichnung für ihr Schaffen vorbeibringen werden!
Apropos Auszeichnung … wir bedanken uns bei dem Team von EDEKA Elskamp für die tolle Interview-Session und die Backstage-Einblicke hinter eurer „ausgezeichneten“ Wursttheke.
Epilog
Es gibt sie, diese Lichtblicke in einer disruptiven Epoche … in der es bisweilen scheint, dass kein Stein auf dem anderen bleiben könnte … aber … großes ABER … noch können wir wählen, dass uns qualitätsbewusste Genuss-Handwerker Schinken, Salami und Co. übereinanderlegen.
Wir sind zuversichtlich, dass es nie dazu kommen wird, dass „Deutschlands einzige Wursttheke“ gekürt werden muss.
ps: An die Menschen, die keinem fleischerbearbeitenden Betrieb nachtrauern, der seine Türen schließen muss: Das ist okay, Ihr müsst nicht trauern. Ihr müsste aber auch nicht die Schließungs-Meldungen in den Sozialen Medien mit Spott und Häme kommentieren. Hinter jeder dieser Geschichten stehen Menschen – das zu vergessen … zu missachten … ist nicht anständig.















