Gefürchtete Zoonose
Spätestens während der Familienplanung stolpern Katzenbesitzer über das Thema Toxoplasmose. So werden Tierärztinnen und Tierärzte in ihrer Sprechstunde immer wieder mit den Sorgen schwangerer Katzenhalterinnen konfrontiert, die Angst vor einer möglichen Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii haben. Inwieweit dieser Kummer begründet ist und was Sie bezüglich der Vorbeugung tun können, erfahren Sie in diesem Artikel.
Die winzig kleinen Toxoplasmen gehören zu den Sporentierchen und sind zoonotische Erreger. Eine Zoonose ist eine Infektion, die von Tier zu Mensch und umgekehrt übertragen werden kann. Toxoplasma gondii kann sich nur im Darm von Katzen, die als Endwirt fungieren, vermehren. Aus diesem Grund werden die für andere Lebewesen infektiösen Oozysten (Dauerstadien) nurvon infizierten Katzen mit dem Kot ausgeschieden. Der Erreger bleibt dann insbesondere in feuchter Erde monatelang infektiös.
Werden diese Oozysten von anderen Säugetieren, Vögeln oder auch dem Menschen aufgenommen, verläuft deren Infektion im besten Fall symptomlos oder nur mit leichten grippeähnlichen Symptomen. Allerdings bilden sich während dieser Infektionsphase Muskelzysten. Frisst eine Katze beispielsweise eine mit Muskelzysten infizierte Maus, können die Toxoplasmen sich wieder in der Katze vermehren. So schließt sich der Infektionskreislauf. Auch der Mensch kann sich auf zwei Wegen mit Toxoplasmose anstecken: Die Aufnahme der Oozysten aus dem Katzenkot ist die eine Möglichkeit und der Verzehr von mit Muskelzysten belasteten rohem Fleisch zum Beispiel von Schwein, Schaf oder Ziege ist die alternative Infektionsquelle.
Der Krankheitsverlauf einer Toxoplasmose ist abhängig von der individuellen Leistung des Immunsystems. Immungesunde Menschen beschreiben nach einer Inkubationszeit von einigen Wochen Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber. Problematisch ist die Erstinfektion von immunschwachen Menschen oder Schwangeren, die bisher keine Toxoplasmoseinfektion durchlitten haben, da Toxoplasmen bei diesen Personenkreisen zu schweren Erkrankungen der Augen und des Gehirns sowie zu Missbildungen beim ungeborenem Kind führen können.
Ob Sie zu den etwa 70 % aller Personen zählen, die schon durch einen früheren Kontakt eine Immunität aufgebaut haben, erfahren Sie durch eine Titerbestimmung bei Ihrem Arzt. Antikörper im Blut schützen vor einer weiteren Infektion mit Toxoplasmen, so dass auch während einer Schwangerschaft eine Ansteckung ausgeschlossen ist. Kompliziert wird es aber bei Katzenbesitzerinnen, die eben keinen Antikörpertiter aufweisen. Hier überwiegt die Angst, sich durch die Katze mit Toxoplasmose zu infizieren, da keine Immunität besteht und vor allem das ungeborene Kind schwere Schäden durch eine Erkrankung davontragen kann.
Zwar sind Katzen die einzigen Ausscheider der gefürchteten Oozysten, aber das Ansteckungsrisiko geht nicht nur von der häuslichen Katzentoilette aus. Da die Erreger jahrelang lebensfähig sind und sich im feuchten Erdreich tummeln, kann Gartenarbeit, das Essen von ungewaschenem Obst und Gemüse, welches kontaminiert sein kann, genauso zu einer Infektion führen wie der Verzehr von mit Muskelzysten belastetem Fleisch in rohem oder halbgegartem Zustand.
Werden verschiedene Vorsichtsmaßnahmen beachtet, steht auch der Familiengründung mit Katze selten etwas im Wege. Hierzu sollten gerade Personen ohne bestehenden Antikörperschutz folgende Hygienevorschriften beachten: Da die Oozysten erst nach 2-5 Tagen infektiös werden, ist eine tägliche Reinigung der Katzentoilette zu empfehlen. Um auch die letzten Unsicherheiten auszuschließen, sollten die Schwangeren selbst dies nicht oder nur mit Schutzhandschuhen tun. Nach der Reinigung der Toilette ist das Ausspülen der Wanne mit heißem Wasser sinnvoll. Hierbei sterben die Oozysten ab. Ansonsten sollten schwangere Personen Gartenarbeit ohne Schutzhandschuhe unterlassen, da sich die Dauerstadien im Erdboden tummeln. Last but not least denken Sie bitte daran, auf den Verzehr von ungewaschenem Obst, Gemüse und rohem Fleisch zu verzichten.
Um bei der eigenen Samtpfote auch die letzten Zweifel einer möglichen Infektionsquelle auszuschließen ist eine wiederholte Kotuntersuchung auf Parasiten sowie die Entnahme einer Blutprobe sinnvoll. Negativ getestete Tiere sind demnach keine Oozystenausscheider und wenn ihnen kein Freigang gewährt wird und sie auch nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden, dann können sie sich auch in Zukunft nicht mit Toxoplasmen infizieren. Zu diesem Thema berät Sie Ihre Tierarztpraxis gerne.
Ihnen wünsche ich schöne Stunden an den jetzt wieder länger werdenden Tagen im Januar. Im Februar werde ich
Sie mit dem Thema „Karneval der Tiere – Sinn und Unsinn der Tierbekleidung“ überraschen.
Ihre DR. SIMONE MÖLLENBECK








