Mo.-Fr., 8 – 17 Uhr

Die Giardieninfektion

Jun 28, 2024 | Allgemein

Kleine Plagegeister 

 

Die Wichtigkeit der regelmäßigen Gabe von Wurmkuren ist vielen Hunde- und Katzenbesitzern geläufig. Der Schutz vor durch Endoparasiten ausgelösten Magen-Darm-Erkrankungen und vor Übertragungen auf den Menschen ist den Haltern ein besonderes Anliegen. Doch selbst bei vierteljährlicher Anwendung wähnen sich viele  Besitzer vierbeiniger Begleiter in falscher Sicherheit, denn so manche herkömmliche Präparate wirken nicht gegen die zurzeit häufig auftretende Giardiose. Darüber hinaus lassen sich die kleinen Einzeller durch gewöhnliche parasitologische Kotuntersuchungen kaum nachweisen.

Die weltweit verbreiteten Giardien befallen viele Säugetiere und auch den Menschen. Sie sind sogar die am häufigsten vorkommenden Darmparasiten bei Hund und Katze überhaupt. Die Durchschnittswerte für Deutschland besagen, dass immerhin jeder 6. Hund und jede 8. Katze teils klinisch symptomlos von Giardien befallen ist. Bei einem Ausbruch in größeren Tierhaltungen wie Pensionen, Tierheimen oder Zwingern reagieren sogar bis zu 70 % der Junghunde und 75 % der Jungkatzen beim Nachweis positiv, so dass man dann von einem Bestandsproblem ausgehen muss.

Die ungebetenen Untermieter sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie haben in der aktiven, im Dünndarm lebenden Form eine birnenförmige Gestalt und
Geißeln, die ihrer Fortbewegung dienen. Die ruhende, aber infektiöse Zystenform wird vom Erkrankten ausgeschieden und wartet in der Umwelt auf die orale Aufnahme durch einen möglichen Wirt, damit der Kreislauf von Neuem beginnen kann. Die Infektion erfolgt also über die Aufnahme von Zysten in verseuchten Auslaufgebieten oder durch kontaminiertes Futter bzw. Trinkwasser. Die kleinste Infektionsdosis liegt bei nur 10 Zysten.

Das ist vergleichsweise gering, wenn man bedenkt, dass in einem Gramm Kot bis zu 10 Millionen Zysten ausgeschieden werden können. Diese sind je nach Wetterlage 7-12 Wochen ansteckungsfähig.

Damit ist klar, dass die Therapie nicht nur den Patienten, sondern auch die Umgebung miteinbeziehen muss. Wie eingangs erwähnt, sind nicht alle Antiparasitika gegen Giardien wirksam. Als Faustregel gilt, dass Wurmmittel, die nur einmalig verabreicht werden, nicht helfen. Wirksam sind dagegen Präparate, die an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht werden und den Wirkstoff Fenbendazol enthalten. In besonders hartnäckigen
Fällen kann auf das Antibiotikum Metronidazol zurückgegriffen werden. 

Wie schon gesagt, existieren in der Umgebung eines jeden an Giardien erkrankten Patienten Millionen von ansteckungsfähigen Stadien. Daher ist die Umgebungsbehandlung unerlässlich. Hierzu zählen das regelmäßige Waschen langhaariger Tiere, die zügige Entfernung von Hunde- und Katzenkot und dessen Beseitigung über den Hausmüll, die Dampfstrahlreinigung oder Reinigung mit 60-70° C warmer Seifenlauge der Umgebung bzw. alternativ
die Benutzung von ammoniakhaltigen Desinfektionsmitteln, die Trockenlegung feuchter Areale und nicht zuletzt die Reinigung der Fress- und Trinknäpfe mit kochendem Wasser, um Reinfektionen zu vermeiden. 

Wenn Ihr Tier an Symptomen leidet wie zum Beispiel wiederkehrenden Durchfällen mit hellem, schleimigem, übelriechendem Kot mit oder ohne Blutbeimengungen, Gewichtsverlust und even-tuell Übelkeit, dann sammeln Sie doch schon mal ein paar Kotproben und bringen sie diese Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt mit. Im Labor kann mittels Antigennachweis ein Test auf Giardien gemacht werden. Infolgedessen kann in der Tierarztpraxis gleich die entsprechende Therapie eingeleitet werden. Wichtig ist es, sofort alle Tiere in einem Haushalt behandeln zu lassen, um den sogenannten Ping-Pong-Effekt auszuschalten. Last but not least achten Sie bitte im Umgang mit Ihrem Liebling auch selbst auf eine sorgfältige Hygiene und bedenken die potentielle Übertragbarkeit auf den Menschen. 

Unbedingt muss nach einer Behandlungspause von etwa einer Woche eine Kontrollkotuntersuchung durchgeführt werden, um ein Ansprechen auf die
Therapie zu beweisen. In der Regel wird nach einer Behandlungspause eine Wiederholung der Tabletteneingabe empfohlen.

Weil ich uns allen einen traumhaften Sommer wünsche, werde ich auch im nächsten Artikel über ein ernstes Thema berichten: „Unterschätztes Risiko – Der Hitzschlag“. Bis dahin wünsche ich allen Lesern eine schöne Zeit im Juli. 

Dr. Simone Möllenbeck
Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

Hovesath 7 · 46414 Rhede

Tel.: 0 28 72 – 80 33 44

Mobil: 0 151 – 5 69 64 3 64

www.rhede-tierarzt.de