Mo.-Fr., 8 – 17 Uhr

Interview-Session Ramon Volmering – dem Gründer des PAN

Jun 28, 2024 | Specials

Interview: Roland Buß

Prolog 

Als wir uns im April 2023 mit dem Gründungsvater des PAN, Ramon Volmering, trafen, um gemeinsam zu den Wurzeln des PAN abzutauchen, hatte Ramon das gerahmte Original der Erstausgabe des PAN für uns bereitgestellt. Wie ihr auf dem abgebildeten Cover unschwer erkennen könnt … vom Juli 1999. Beinahe hätten wir das Vierteljahrhunderts-Jubiläum schon im letzten Jahr gefeiert. Viele Erklärungen für diesen Irrtum lagen in der Cappuccino-geschwängerten Luft unseres damaligen Meetings. Am Ende waren wir uns einig, dass es der Geist dieses Mythos PAN gewesen sein musste, der uns beinahe zu früh hätte feiern lassen. So ist er halt, der PAN, der griechische Gott der Hirten und Herden. Das Leben verkörpernd, singend, auf der „PANflöte“ spielend, tanzend, Wein trinkend, auf Festen unterwegs und die neuesten Nachrichten verkündend. 

Möglicherweise hätte er sich leichter damit getan, diesen Fauxpas mit einer fröhlichen Leichtigkeit zu kaschieren. Für uns aber hieß es, „beinahe zu früh gefeiert“ zu
verkünden und ein Jahr Delay in unser Jubiläum zu bringen. Unplugged authentisch, wie es unsere Art ist – Fake News überlassen wir anderen. Zudem fühlte es sich noch besser an, im Jahre 2024 zu feiern – dem Jahr, in dem Kirsten als „Gesicht des PAN“ auf zwanzig Jahre als Chefredakteurin und Herausgeberin zurückblicken darf. 

Ein herzliches Merci auch im Jahre 2024 an Ramon, ohne dessen 99er-Idee und seine fünf Gründerjahre wir diese Zeilen in diesem Magazin nicht schreiben würden … und ihr jetzt nicht lesen könntet.

Freitag | 14. Juni 2024 | 14.30 Uhr | Bocholt | Münsterstraße 12 | Meetingraum des MÜ12 Verlages | Interview-Session mit dem Founder des PAN – Ramon Volmering

So, Ramon, mit einem Jahr Versatz frischen wir noch mal deine und unsere Erinnerungen gemeinsam auf. Okay?
Hau rein.

Zunächst ein paar Hardfacts zu dir: 

Hardfacts Ramon 

Baujahr 1971 | Studierter Bilanzbuchhalter | Einstieg in die väterliche Firma als unspannend empfunden, weil völlig deplatziert in einem solchen Job | Gründer einer
Werbeagentur – mit 28 Jahren | Parallel dazu die Idee, als Webseiten-Designer zu agieren | Ebenso parallel Founder, Autor, Herausgeber des Monatsmagazins PAN von Juli 1999 bis Dezember 2004 | Fußballer in den Altherren von TUB Bocholt | Fitnessstudio-Gänger | Longboard-Fahrer und Zocker am heimischen PC
 

Was war dein Motiv, den PAN zu ersinnen und zu verlegen?
Das war zunächst ziemlich diffus. Ich hatte Bock drauf, irgendetwas mit Zeitschriften in Bocholt zu machen – eine Art Freizeitmagazin, wie den Kolibri. Ich hatte aber überhaupt keine Ahnung, wie das geht. 

Wie kamst du an den Namen?
Das war ursprünglich die Idee von Thomas Junglas – der kam aus dem Doch-Du-Milieu. Er hatte diese Idee in der Schublade, aber nie umgesetzt. Dass es sich beim PAN um eine Anleihe aus der griechischen Mythologie handelt, brauchen wir ja wahrscheinlich nicht mehr erklären. Ich fand den tieferen Sinn dahinter mega. Zum einen sollte der PAN die Menschen durchs Flötenspiel beruhigen und zum anderen auch wachrütteln. Der Schriftzug, sprich das Logo, kam von mir. 

Welche Geschichte gibt es zum ersten Cover?
Ursprünglich hatte ich einfach meine Hand abgescannt. Ich hatte ein wenig drumherum gebastelt – das Ergebnis war toll – zumindest aus meiner Sicht. 

Aber Josef Middelkamp, den ich als ersten Anzeigenkunden gewonnen hatte, sah das anders. Er hat mir das Bild „Bocholt ist Gold“ als Titel angeboten, vom Künstler Michael Globisch, den er vertritt.  

Wo bist du gestartet? 
Zunächst in einem kleinen Büro auf der Wesemannstraße 11 – da, wo jetzt das Architekturbüro ist. Das waren gerade mal 20 Quadratmeter. Später bin ich umgezogen zur Hüttemannstraße 4.  

Da hast damals ziemlich viele Bälle in der Luft gehalten, wie man in der Fußballersprache so sagt. Was hatte es mit dem Webdesign auf sich?
Ich hatte damals schon einen ziemlichen Pinn im Kopp – müsst ihr wissen. Ich fand, das war einfach eine mega-geile Zeit. Ende der Neunziger saß ich vor meinem ersten PC und hatte überhaupt keine Ahnung vom Programmieren. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Ich erinnere den Moment, wo ich meinen ersten HTML-Code geschrieben habe. Ich hatte mir bei Strato ein Kundenkonto angelegt. Mein Claim war seinerzeit www.kreativ-bocholt.de. Als ich „Background:red“ aktualisiert und hochgeladen habe, wechselte der Hintergrund des Screens von weiß auf Rot. Mega! Als dann mit „Background:blue“ der Bildschirm auf Blau wechselte, wusste ich: Das ist mein Ding. Ursprünglich war die Idee für mein Geschäftsmodell, dass ich Bilanzen schön mache. 

Das machen viele 😉
Ich meinte grafisch schön 😉  Daran hat sich bis heute nichts geändert – außer dass 25 Jahre dazwischenliegen und ich mittlerweile mehr als 100 Kunden beim Webdesign betreue.  

In welcher Auflage hast du damals den PAN an den Start gebracht? 
Ich hatte damals die Idee, den PAN mit ganzseitigen Anzeigen von Marlboro etc. zu füllen. Die Voraussetzung dafür war ein sogenannter IVW-Stempel (Anm:. Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.). Den gab es damals ab einer Auflage von 10.000 Stück – also habe ich 10.000 Stück drucken lassen.  

Hat Marlboro jemals eine Anzeige in deiner PAN-Epoche geschaltet?
Nö. 

Das verbindet uns 😉
Genauso wenig wie Diebels und all die anderen Konsorten, die ich spannend gefunden hätte. 

Moment mal, auf der Rückseite des Premieren-PAN prangt doch ein Diebels-schlürfender Jüngling …
Den habe ich mir damals „geliehen“ 😉 – dafür gab es keinen Pfennig. Aber es war cool 😉  

Wo hast du den PAN drucken lassen? 
Das ist eine lange Geschichte … letztendlich bei Richie Benning in Moers.  

Ein Telefonat mit Richie ließ den Entschluss reifen, sich an diese lange Geschichte mal im Kreise der PAN-Gefährten der ersten Stunde bei einem Glas Wein zu erinnern. Ebenso wie die vielen kreativen Stationen mit all ihren Hürden, mit denen Ramon uns in ein kopfschüttelndes Schmunzeln versetzt hat. 

War das nicht alles ein bisschen viel? Schöne Bilanzen auf bunten Webseiten? Eine eigene Agentur für Druckvorstufen und der PAN?

So war ich damals, ihr könnt euch das nicht vorstellen 😉 Das war ja auch anders gedacht. 

Aber das Leben hielt damals eine Menge Komik für mich parat. Mein Geschäftspartner wollte sich um die Druckvorstufen, die Agentur kümmern und ich mich um den PAN. Den hat aber dann eine Trennungsgeschichte ziemlich aus der Bahn geworfen, und plötzlich hatte ich alles an den Hacken – inklusive eines mega-teuren Large-Format-Print-Druckers, der den Segen bringen sollte. Kurze Zeit danach ging Flyeralarm in den Markt und mein Geschäftsmodell pulverisierte sich. 

Keine leichten Zeiten damals, meine Ernährung bestand aus Fleischwurst und Toast. Mit einem Kringel Wurst und einem Toastbrot kam ich drei Tage aus – begleitet von Unmengen von Kaffee. 

Und trotzdem hast du zeitgleich das Projekt PAN gestartet?
Jau. Tagsüber als One-Man-Show. Und wenn er gedruckt war, bin ich nachts mit einem Kumpel in meinem silberfarbenen Audi A3 verteilen gefahren. Als dann das Geld noch knapper wurde … ich musste mein „Wagnis-Kapital“ ja irgendwann zurückzahlen, habe ich nachts bei Siemens Telefone montiert.

Der PAN war immer mit der heißen Nadel gestrickt und ich wurde immer kurz vor knapp fertig. Die ganzen Kontaktanzeigen, die dort drinstanden, waren alle
gefakt – in fünf Jahren hat sich nicht eine einzige Person gemeldet. Die Horoskope habe ich am Anfang mit der Hand zusammengeschnippelt. Die Witze schienen einigen auch zu derb zu sein. In der Stadtsparkasse hatte der PAN Hausverbot 😉 Von der Volksbank wurde ich ebenfalls gebeten, den PAN dort wieder abzuholen. Mein Humor schien nicht massenkompatibel zu sein und auch nicht förderlich für das Anzeigengeschäft – zumindest bei den Banken. 

Du armer Kerl, wann trat denn Besserung ein?
Als Jerry Bußmann den Anzeigenvertrieb übernommen hat und ich 2001 meine ersten Auszubildenden eingestellt hatte.

Das klingt nach Mehrzahl …
Genau, das waren drei … Thorsten Gramke, Verena Tenbensel und Sarah Kannemann. 

Drei Azubis, einen Außendienstler, die ausbleibenden Marlboro-Werbungen, Hausverbote bei den Banken 😉 … die Altlasten. Hast du da eigentlich noch ruhig schlafen können? 
Wenn ich dazu Zeit gehabt hätte, hätte ich es zumindest versucht ;-). Inzwischen hatte sich bei der Druckerei in Moers auch ein stattlicher Deckel angesammelt. Als Richie dann von dort wegging und zur Druckerei Enk wechselte, bin ich auch mit rüber und habe dort den PAN drucken lassen. Gegen Ende 2004 wurde die Luft dann extrem dünn für mich. Ich konnte das ganze Projekt PAN einfach nicht mehr stemmen und habe es Franz-Hermann und der Kirsten angeboten – quasi als Ablösung für den Druckkosten-Deckel, der sich dort angestaut hatte. Gott sei Dank habt ihr eingewilligt. Es war echt befreiend, den Druck nicht mehr zu haben, so schön die Zeit auch gewesen war. Es war mir wichtig, alle Verbindlichkeiten zurückzuzahlen. Das hat lange gedauert, aber Ende 2021 habe ich die letzte Rate bezahlt. 

Lieber Ramon, danke für deine herzerfrischende, zwerchfellreizende Offenheit. Du scheinst mit dem Glück bisweilen ein wenig auf Kriegsfuß zu stehen, oder? 
Roland, ich habe eine ernst zu nehmende Trottelitis … ich ziehe den Driss nahezu an. 

Gibt es eine Partnerin, die dich dann abfedert? 
Die Evolution ist noch nicht so weit – das dauert noch 500 bis 600 Jahre. 

Was genau?
Dass Männer und Frauen wirklich dauerhaft zusammenleben können. Bislang sind wir nur Teile einer Beta-Phase 😉 Es gibt da zwar jemanden in meinem Leben – aber es ist gut, dass jeder seinen eigenen Bereich hat. Was nützt das, wenn du ein Schwan bist, aber deine wirkliche Schönheit nicht erkannt wird? 😉 

Das ist der Moment, wo Kirstens und mein Zwerchfell zu bersten scheinen. Gefühlte drei Minuten dauert es, bis der Lachtränen-Fluss ruht. Ramon hatte uns als Geschenk die Originalausgabe des PAN zum Einjährigen, aus dem Jahr 2000 mitgebracht, sowie eine am Morgen geschriebene Neuauflage seiner damaligen Jim-Beam-Kolumne.  

Merci, lieber Ramon, dafür. Ist das okay, wenn wir deine Kolumne im zweiten Teil der Jubiläumsausgabe im August präsentieren?
Vollkommen okay, ihr beiden. Kirsten, noch mal der Dank an dich, dass du meine ursprüngliche Herzensangelegenheit – den PAN – in ganz herausragender Form weitergeführt hast. Herzlichen Dank!!!