Advertorial | Text: Roland Buß | Fotos: ATEA & Kirsten Buß
Wie aus radikalem Upcycling, 50 Metern Höhe und lokalem Macher-Gen das neue Einfallstor für Bocholt entsteht – einer Stadt, die Kante zeigt.
Prolog
120 Tage ist es her, dass Florian (genannt Flo) Schillings im Meetingraum unseres PAN-Verlages Platz genommen hat und wir gemeinsam die Story zu Weidemann + Schillings Bauunternehmung & Projektentwicklung – Part I entwickelt haben.
Die legendäre Herzblatt-Susi hätte den Extrakt des Dialoges möglicherweise wie folgt resümiert:
Vor 17 Jahren zogen der handfeste André Weidemann und der visionäre Flo Schillings zu zweit mit Maurerkelle und Bulli los. Heute bilden die beiden ein perfekt eingespieltes Geschäftsführer-Duo mit 65 Mitarbeitern, bei dem André als technischer Fels in der Brandung die Baustellen meistert, während Flo als kreativer Kopf die großen Zahlen und Visionen jongliert.
Wollt ihr wissen, wie aus dieser unerschrockenen „Zwei-Kellen-Gang“ echte regionale Big-Player wurden, noch bevor ATEA überhaupt das Licht der Welt erblickte? Dann zückt jetzt euer Smartphone, scannt den QR-Code und taucht ein in Part I dieser Erfolgsgeschichte!
Donnerstag | 04. März 2026 | 17:00 Uhr | Altweiber |46397 Bocholt | Münsterstraße 12 | Meetingraum PAN Verlag & Agentur
Pünktlich wie die Maurer … beziehungsweise wie diejenigen, die mit ihren Zeichnungen und Detailplanungen die Maurer überhaupt erst arbeitsfähig machen, präsentieren sich zwei tagesbedingte Möhnen der Studio S Architekten bei uns im Verlag. Passend zu Altweiber in dezenter Kostümierung – aber außergewöhnlich nüchtern (an einem solchen „Feiertag“ für Ladys) ;-). Verständlicherweise, denn heute steht ein Projekt im Fokus, für das man mehrere kühle und klare Köpfe benötigt. Isil Schaeffler, Dipl.-Ing. (FH) Architektin AKNW, Frontfrau und Inhaberin, wird begleitet von Nicola Liebers, Executive Assistant & Head of Marketing von Studio S.
Isil, Nicky – willkommen im PAN-Meetingraum an diesem Altweiber-Nachmittag! Bevor wir gleich die ganz großen Projektmappen aufschlagen und über das Leuchtturmprojekt ATEA sprechen, müssen wir unsere Leserinnen und Leser erst einmal abholen. Wer dich, Isil, aus unserer vergangenen Homestory kennt, hat vermutlich noch das Bild vom Tiny House, den Alpakas und dem naturverbundenen Leben auf dem Land im Kopf. Heute sitzt du hier als Chefin eines 25-köpfigen Architekturbüros, das die „Skyline“ von Bocholt prägt.
Auch hier eine Kurzvorstellung im Herzblatt-Style:
Isil Schaeffler jongliert als visionäre Frontfrau von STUDIO S nicht nur ein 25-köpfiges Team und brillante Bauentwürfe, sondern ganz nebenbei auch mit Ehemann Deniz, zwei Kids und einer eigenen, flauschigen Alpaka-Gang. Während ihre Jugendliebe Deniz als IT- und Finanzexperte ihr charmant den Rücken freihält, führt sie das Unternehmen mit ganz viel Herz und Struktur auf das nächste Level.
Wollt ihr wissen, wie die Powerfrau aus dem Ruhrgebiet nach einer Weltreise ausgerechnet in Bocholt gelandet ist und warum sie heimlich noch immer ihren alten Schul-Taschenrechner nutzt? Dann scannt fix den QR-Code und taucht ein in die private Homestory von Isil!
Es klingelt. Flo Schillings steht in der Tür und bereichert die Runde. Die entspannten Möhnen-Vibes weichen einer spürbaren, knisternden Macher-Energie. Wir rücken zusammen, richten die Mikrofone aus und schärfen den Fokus.
Records on – wir starten den Multilog. Es geht um nicht weniger als ein Projekt, das für unsere Region frei nach Xavier Naidoo das absolute Prädikat trägt: „Das hat die Welt noch nicht gesehen.“ Zumindest nicht in der Bocholter Skyline. Vorhang auf für ATEA 2.0.
Das Geheimnis aus der Projektmappe
Wir knüpfen exakt dort an, wo wir im November Euch, liebe Leserinnen und Leser, das erste Kapitel der Weidemann&Schillings-Story präsentiert haben.
Damals, am Ende unserer ersten Session, schob Flo uns „off the record“ eine Projektmappe über den Tisch. Ein kurzer, fast atemberaubender Blick auf etwas, das für unsere Region ein beispielloses Statement setzen wird: ATEA 2.0.
Heute, ein paar Monate und unzählige intensive Planungsnächte später, ziehen wir die Projektschublade ganz weit auf, um die Vision und die dahinter liegenden Gedanken mit euch, liebe Leserinnen und Leser, zu teilen.
Flo, als wir beim letzten Mal an diesem Tisch zusammensaßen, hast du uns am Ende verheißungsvolle Einblicke in die ATEA-Mappe werfen lassen. Wir haben dichtgehalten. Aber jetzt ist die Zeit reif.
Bevor wir über 15 Etagen und 50 Meter Höhe sprechen: Was treibt dich bzw. euch an, ein solches Leuchtturmprojekt in der Stadt Bocholt zu etablieren?
Florian Schillings: Ganz ehrlich? Ich habe einfach Lust auf Projekte. Ich lebe dafür. Mich fasziniert es, Ideen zu entwickeln, sie auf Papier zu bringen und sie dann in eine funktionierende Wirtschaftlichkeit umzusetzen.
Natürlich darfst du dabei nicht vergessen, wo du herkommst. André und ich, haben die „gemeinsame Sache“ … sprich, ein Unternehmen zu gründen … damals quasi an der Theke beschlossen und sind quasi mit nichts angefangen.
Heute haben wir eine bisweilen schwer begreifbare Komfortsituation. Wenn ich mir anschaue, was wir an Volumen vor uns haben – das Aa-Quartier, ATEA, den Heilig-Kreuz-Campus … um die größeren Projekte zu nennen –, dann haben wir für die nächsten sechs bis acht Jahre eine 130-prozentige Auslastung.
Er lehnt sich ein wenig zurück. Die Zufriedenheit in seiner Stimme ist greifbar, aber es schwingt keine Überheblichkeit mit. Es ist der ruhige, abgeklärte Blick eines Unternehmers, der weiß, dass dieser Status quo nicht im Vorbeigehen oder durch bloßes Glück entstanden ist.
Welcher Bauunternehmer in Deutschland kann morgens aufstehen und sagen: „Ich habe meine Auslastung für die nächsten sechs Jahre safe“? Das muss dir doch eine unglaubliche innere Ruhe geben, gerade wenn du so ein millionenschweres Brett wie ATEA bohrst.
Florian Schillings: Recht hast du … aber das ist uns ja nicht gestern einfach so in den Schoß gefallen, dafür haben wir jahrelang hart gearbeitet. Diese innere Ruhe, die du ansprichst, brauchst du in der Projektentwicklung zwingend. Wenn du bei jedem Gegenwind oder jeder Rückfrage nervös wirst, hast du den falschen Job.
Ich bin absolut kein reiner Geldmensch. Ich kann morgen früh meine Brötchen kaufen, ob ich drei oder zehn kaufe, macht den Braten nicht fett. Will ich in einigen Jahrzehnten Millionen auf dem Konto haben, wenn mich jemand im Altenheim im Rollstuhl von rechts nach links schiebt? Nein. Ich will meine Wertigkeit jetzt auf die Straße bringen. Ich will einfach geile Sachen machen, an denen wir alle Spaß haben.
Kein ausbalancierter Business-Sprachstil, der jedermann gefallen soll – sondern die einfache, klare unplugged-Sprache eines Vollblutunternehmers, die wir gerne 1:1 übernehmen.
Du stehst mittlerweile nicht mehr selbst auf dem Gerüst. Eure Doppelspitze funktioniert so gut, weil ihr euch komplementär ergänzt. André ist der Fels in der Brandung, was das Management und die Prozesse auf den Baustellen angeht, und du bist der kreative, kaufmännische Kopf, richtig?
Florian Schillings: Absolut. Mein Tag hat auch nur 24 Stunden. André übernimmt die technische Geschäftsführung, der macht die Abwicklung vor Ort. Ich kümmere mich um die Finanzierung, die Wirtschaftlichkeitsberechnungen und die Projektentwicklung.
Dafür ziehe ich mich meistens nachmittags ab halb fünf zurück, wenn das Tagesgeschäft durch ist und kein Telefon mehr klingelt. Da beginnt meine kreative Phase. Ich habe immer einen Block und einen Stift bei mir – ich bin da noch richtig oldschool. Wenn eine Idee kommt, muss sie schnell aufs Papier.
Und genau auf einem solchen Blatt Papier, nach halb fünf in der Stille des Büros, nahm auch die unerwartete Neuausrichtung von ATEA ihren Anfang.
Lass uns den Bogen zu ATEA spannen. Ursprünglich hattet ihr einen fertigen Entwurf auf dem Tisch – ATEA 1.0. Ein international renommiertes Architekturbüro aus Rotterdam war im Boot. Warum habt ihr auf die Bremse getreten?
Florian Schillings: Weil auf einmal die Zinsen durch die Decke gingen und die KfW-Mittel wegfielen. Das sorgte für eine mächtige Konfusion in unseren Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Ich habe damals gesagt: Ein Schnellschuss bringt uns jetzt überhaupt nichts. Wenn ich mich bei einem 50-Millionen-Projekt verrechne, erholen wir uns nicht mehr davon.
Da nützt es dir auch nichts, wenn du zwar das politische Ziel der Nachverdichtung erreichst – also auf engem Raum neuen Wohnraum schaffst –, aber wirtschaftlich völlig gegen die Wand fährst. Also haben wir die Schublade mit den Plänen erst einmal wieder zugeschoben.
Ein harter, aber mutiger Schritt. Anstatt sich in faulen Kompromissen zu verrennen, zog er lieber den Stecker. Doch Macher wie er wissen: Leuchttürme sind nicht dafür gemacht, in dunklen Schubladen zu verstauben.
Das Projekt hat dich offensichtlich nicht losgelassen. Wann war der Punkt erreicht, an dem du die Schublade wieder aufgezogen und beschlossen hast, das Projekt noch einmal neu anzupacken?
Florian Schillings: Irgendwann holst du so ein Ding wieder raus und denkst dir: Das kann es ja nicht gewesen sein. Nur bunte Bilder in der Mappe, das reicht einfach nicht. Mir war klar: Komm, wir werfen einmal alles in die Tonne und denken das komplett neu.
Wir mussten wirklich bei Null anfangen und – das war der entscheidende Punkt – den alten, 25 Meter hohen Bestand zwingend in den Neubau einbeziehen. Aus reiner Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ging es gar nicht mehr anders. Mir wurde auch bewusst, dass ich das nicht mehr mit dem niederländischen Büro machen will. Ich wollte etwas Einfaches, Innovatives, Professionelles – mit deutlich mehr Nähe.
Nähe. Ein Schlüsselwort in dieser Geschichte. Warum in die Ferne zu distanzierten Star-Architekten nach Rotterdam schweifen, wenn die geballte Leidenschaft für visionäre Architektur direkt vor der eigenen Haustür in Bocholt sitzt? Der Moment, in dem STUDIO S und Isil Schaeffler das Spielfeld betreten, markiert die Geburtsstunde von ATEA 2.0
Weitere eindrucksvolle Impressionen findet ihr hier:
Von Rotterdam nach Bocholt | Warum es gut sein kann, die Propheten im eigenen Land zu suchen
Aus unseren Vorgesprächen mit Flo weiß ich: Es gibt in der Immobilienbranche einen ungeschriebenen Reflex: Sobald die Bausumme an der 50-Millionen-Euro-Marke kratzt … das Objekt an den Wolken schnuppert, richtet sich der Blick automatisch nach außen. Man sucht die großen Namen in den Metropolen, die Star-Architekten aus Berlin, Hamburg oder eben Rotterdam, um dem Projekt den internationalen Glanz zu verleihen.
Auch Flo Schillings erlag zunächst diesem Reflex. ATEA 1.0 lag fix und fertig auf dem Tisch – gezeichnet von einem renommierten niederländischen Büro. Optisch ein Aufschlag, der sich sehen lassen konnte. Doch auf dem Bau gewinnt man keine Schlachten nur mit schönen Renderings, wenn die Chemie im Maschinenraum nicht stimmt.
Ihr hattet für den ersten Aufschlag absolute Schwergewichte im Boot. Das international tätige und renommierte Büro Barcode Architects aus Rotterdam und als Mittelsmann S1-Architektur aus Berlin. Klingt nach Champions League. Warum hast du diese extrem prominente Reißleine gezogen?
Florian Schillings: Weil die geografische und strukturelle Distanz in der Praxis für mich eine zu große Hürde war. Architektonisch waren die Entwürfe top. Aber wenn du ein Projekt hier in Bocholt mit unserem Tempo entwickeln willst, brauchst du schnelle Entscheidungen.
Das Set-up mit dem Berliner Architekten Pfeiffer und Caro van de Van aus Holland war hochprofessionell, aber eben auch sehr hierarchisch organisiert. Spontane Abstimmungen waren da kaum möglich, alles brauchte lange Vorläufe für feste Termine. Da habe ich gemerkt: Das passt nicht zu meiner Philosophie. Ich brauche kurze Wege und Projektentwicklung auf absoluter Augenhöhe.
Ein ehrliches, fast schon schonungsloses Fazit. Flo Schillings ist ein Macher, der es gewohnt ist, Dinge auf dem kurzen Dienstweg zu klären und Entscheidungen lieber auf der Motorhaube seines Fahrzeugs auf der Baustelle als in sterilen Videokonferenzen zu verhandeln. Er sucht tatsächliche Nähe im Projekt, kein elitäres Termin-Tetris. Mit dem Haken an Rotterdam traf er eine Entscheidung, die für den Standort Bocholt rückblickend ein echter Glücksfall war.
Der harte Cut: Von der unnahbaren Star-Architektur zur visionären Prophetin im eigenen Land. Wie bist du auf Isil zugegangen?
Florian Schillings: Ganz unkompliziert. Ich bin zu ihr gefahren, habe mich mit ihr an den Tisch gesetzt und gefragt: Hast du Bock auf dieses Projekt? Hast du Lust, deinen Gedanken mal völlig freien Lauf zu lassen?
Mir war klar: Ich brauche keine Hierarchien und keine drei Monate Wartezeit für ein Meeting. Wenn mir nachmittags um halb fünf eine Idee durch den Kopf schießt, schreibe ich Isil kurz eine WhatsApp oder rufe sie an. Eine solche Zusammenarbeit auf dem kurzen Dienstweg hast du bei den großen internationalen Büros einfach nicht.
Isil Schaeffler, die Frontfrau von STUDIO S Architekten, sitzt während dieser Schilderung ruhig am Tisch. Sie lächelt, als Flo diese Situation schildert. Es war genau der Moment, in dem aus einer namenlosen Hochhaus-Idee ihr Projekt, ihr Meisterstück wurde. Ein Ritterschlag für ein junges, 25-köpfiges Bocholter Architekturbüro.
Isil, Hand aufs Herz: Als Flo die Reißleine bei den internationalen Namen zog, bei dir im Büro aufschlug und dir quasi die architektonische Vision für die Toreinfahrt Bocholts anvertraute – was ging in diesem Moment in dir vor?
Isil Schaeffler: Ich wusste im Vorfeld schon grob von dem Projekt und hatte damals zu meinem Kollegen Sebastian Euting gesagt: „Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, das wird unser Projekt.“ Als Flo dann tatsächlich da war, war ich im ersten Moment irritiert. Ich habe ihn ganz direkt gefragt: Flo, wieso bist du damit bei uns? Brauchst du noch ein Vergleichsangebot? Soll ich mit spitzem Bleistift rechnen? Worum geht es dir?
Und seine Antwort war das schönste Lob, das man als Architektin bekommen kann. Er sagte: „Nein, ich bin hier, weil ich das Gefühl habe, ihr brennt für das, was ihr tut.“
Ein Vertrauensvorschuss in dieser Dimension ist für uns die stärkste Währung – und genau der kreative Zündstoff, den ein solches Projekt braucht.
Wenn jemand mit so einer Vision zu uns kommt und sagt: ‚Macht mal!‘, dann geht es nicht mehr darum, einfach nur Raummeter zu verplanen. Dann möchtest du nicht bloß Architektur abliefern, sondern ein Meisterstück erschaffen, das der Stadt wirklich etwas Einzigartiges gibt.
Leidenschaft als harte Währung in der Projektentwicklung. Ein Faktor, der in keiner Wirtschaftlichkeitsberechnung steht und doch den Unterschied zwischen einem seelenlosen Betonklotz und einem echten Wahrzeichen ausmacht.
Flo und Isil spielen sich gekonnt die Bälle zu. Man merkt, wie die DNA dieser beiden Firmen perfekt matcht. Aber Leidenschaft und Begeisterung bauen am Ende keine 50 Meter hohen Leuchttürme. Um das durch Zinswende und KfW-Kürzungen quasi totgesagte Projekt ATEA wieder wirtschaftlich auf die Beine zu stellen, brauchte es einen konzeptionellen Geniestreich. Dass dieser Turnaround gelingen konnte, verdankt das Projekt einer geradezu perfekten Symbiose – einer glasklaren Aufgabenteilung zwischen den Projektentwicklern und dem Team von Studio S Architekten.
Leidenschaft ist ein starker Motor, aber in der Realität wehte euch ein kalter Wind ins Gesicht. Das erste Konzept ATEA 1.0 lag im wirtschaftlichen Wachkoma. Wie habt ihr es geschafft, dieses Mammutprojekt wieder zu reanimieren? Und … wie schlagt ihr den Knoten durch, um ATEA 2.0 wirtschaftlich und bautechnisch an den Start zu bringen?
Florian Schillings: Zunächst einmal haben wir alle schönen Gedanken in die Tonne verbannt, um wieder nahezu bei Null zu starten. Wie? Indem wir alle Gedanken auf den Tisch gebracht haben – Brainstorming halt.
Aus reiner Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ging es gar nicht anders, als den 25 Meter hohen Bestand zwingend einzubeziehen.
Isil Schaeffler: Das trifft natürlich exakt den Nerv unserer Zeit. Wusstest du, dass Bauabfall zu den größten Müllströmen Europas gehört und fast dreißig Prozent unseres Gesamtmülls ausmacht?
Für einen Investor ist es eigentlich immer der einfachere Weg, zu sagen: Komm, mach das Ding einfach platt und wir bauen neu. Dass Flo genau das nicht getan hat, sondern wir den alten Bestand integrieren, macht dieses Projekt unglaublich wertig. Wir setzen auf intelligentes Upcycling, denn Sanierung hat heute nicht nur eine ökologische, sondern eine knallharte wirtschaftliche Bedeutung.
Architektonisch haben wir das so gelöst: Wir lassen den alten Bestand stehen und docken den Neubau einfach wie einen Rucksack dran. Daraus entsteht eine Art Kranhaus, das wir in der Vertikalen noch ein wenig eindrehen. So retten wir nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern machen das Gebäude optisch richtig spannend.
Upcycling auf einem völlig neuen Level. Wo andere einfach die Abrissbirne anrollen lassen, macht dieses Duo den alten Bestand zum Herzstück eines hochmodernen Turms. Ein architektonischer Geniestreich. Er führt uns direkt zu den harten, nachhaltigen Fakten, mit denen ATEA 2.0 künftig nicht nur die Skyline prägen, sondern den leidenschaftlich diskutierenden Meckermännern im Stadtgespräch auch charmant den Wind aus den Segeln nehmen dürfte.
Das Making-of von ATEA 2.0 | Die Chemie des Machens
Man merkt der 38-jährigen Architektin Isil an, dass sie in genau solchen Momenten voll in ihrem Element ist. Sie brennt für das, was sie tut – und sieht sich dabei selbst weniger als abgehobene Visionärin, sondern vielmehr als strategische Gestalterin. Denn Begeisterung allein reicht nicht, um ein 50-Meter-Hochhaus in den Himmel zu ziehen. Es braucht ein unerschütterliches Konzept, das Mut und Struktur vereint – und am Ende selbst der strengen Überprüfung durch Isils legendären, alten Schul-Taschenrechner standhält.
Es ist genau diese besondere Chemie des Machens, die hier am Tisch förmlich greifbar wird. Auf der einen Seite der pragmatische Investor, der auf kurze Wege setzt, seinem geschäftlichen Instinkt vertraut und echte Macher-Qualitäten schätzt. Auf der anderen Seite die strukturierte Gestalterin, die mit ihrem Taschenrechner dafür sorgt, dass Architektur mit Seele am Ende auch kaufmännisch funktioniert. Zwei Welten, die sich ergänzen. Ein klassischer Win-Win-Moment aus Not und ökologischer Überzeugung. Upcycling in einer Dimension, die Bocholt so noch nicht gesehen hat. Doch architektonisch gleicht diese Vorgabe der Quadratur des Kreises. Ein 25 Meter hohes, eher tristes Bestandsgebäude erhalten und daran/darauf einen hypermodernen, 15-stöckigen Leuchtturm an- bzw. aufzusatteln?
Wie löst man so etwas visuell und statisch, ohne dass es am Ende aussieht, als hätte jemand einfach zwei Legosteine lieblos aufeinandergestapelt?
Isil Schaeffler: Genau an diesem Punkt fängt man an, echte Architektur zu machen. Diese anfängliche Masse ist für uns quasi wie ein roher Block Knetmasse, den wir auf den Tisch packen und formen. Wir haben uns ganz bewusst für eine Verdrehung der Etagen entschieden. Das schafft nicht nur wertvolle Privatsphäre für die Flächen, sondern gibt dem Gebäude eine ungeheure Dynamik. Der Turm wirkt dadurch zu keiner Sekunde monoton – du hast nicht einfach identische Wohnungen übereinandergestapelt, sondern jede Ecke, jede Etage bietet einen völlig neuen, spannenden Blickwinkel. Um das Ganze zu erden, wird es nach unten hin abgestaffelt. Wir nehmen die Baumasse gezielt zurück und haben vorn an den Ecken quasi zwei Etagen weggenommen. So lassen wir das Gebäude optisch weich in die Nachbarschaft hineinfließen, führen die Kante sanft zur Bestandsbebauung herab und vermeiden einen harten architektonischen Bruch
Es ist faszinierend zuzuhören, wie aus einer harten kaufmännischen Notbremse – dem Erhalt des Altbaus zur Kostenersparnis – durch kreative Intelligenz plötzlich die größte architektonische Stärke des Gebäudes wird. ATEA 2.0 wird kein starrer Monolith, sondern ein in sich gedrehtes, dynamisches Bauwerk, das auf die drängendsten Fragen der modernen Bauwelt antworten soll.
Das Fundament des Hintergrundwissens zu ATEA 2.0 steht – jetzt ist es Zeit, sich die inneren und äußeren Werte dieses neuen Bocholter Wahrzeichens genauer anzusehen.
Second Skin und grüne Lungen – die „Anatomie des Leuchtturms“
Wir tauchen tief in die DNA dieses Bauwerks ein, sezieren die 50 Meter Höhe … geben Isil den Raum, den Faktor Nachhaltigkeit mit echtem Leben zu füllen, während Flo sein absolutes Veto gegen graue Jalousien begründet.
Aus dem massiven Block der „Grobknetmasse“, wie Isil den Entwurf liebevoll nennt, schält sich nun die eigentliche Anatomie dieses Leuchtturms heraus. Ein 15-stöckiges Gebäude, knapp 50 Meter hoch, das nicht nur durch seine raffinierten Verdrehungen besticht, sondern auch eine glasklare Antwort auf die drängendsten Baufragen unserer Zeit liefern soll. Wer heute in diese Dimensionen wächst, steht schnell unter dem Generalverdacht, einen unökologischen Betonklotz in die Landschaft zu setzen. Doch genau hier beginnt die eigentliche Magie von ATEA 2.0.
Wenn man das Wort „Leuchtturmprojekt“ in den Mund nimmt, erwarten die Menschen heute mehr als nur ein hohes Haus. Isil, du sprichst von extremer Nachhaltigkeit – was bedeutet das konkret?
Isil Schaeffler: Das ist momentan wirklich die absolute Königsklasse und mit das Komplizierteste, was man überhaupt bauen kann. Wir streben für das Gebäude die QNG-Zertifizierung an – das staatliche Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“. Und da zählen am Ende nur harte Fakten: Wir dürfen in der Herstellung pro Quadratmeter Wohnfläche maximal 24 Kilogramm CO₂ verursachen. Dafür wird ein kompletter Bauteilkatalog erstellt. Jeder Bodenbelag, jedes Fenster, bis hin zur kleinsten Fuge wird auf seinen CO₂-Wert durchleuchtet. Das zwingt uns als Architekten zu einem messerscharfen Fokus. Wir greifen nicht mehr blind ins Regal, sondern arbeiten ausschließlich mit handverlesenen, kompromisslos grünen Materialien. Dass wir den massiven Altbestand integrieren und konsequentes Upcycling betreiben, anstatt alles abzureißen und neue Betondecken zu gießen, ist unser größter Hebel. Das zahlt massiv auf dieses CO₂-Konto ein.
Flo nickt zustimmend. Er weiß: Diese strengen ökologischen Vorgaben sind längst keine grüne Romantik mehr, sondern knallharte kaufmännische Realität, die ein Investor bis in die letzte Fuge durchkalkulieren muss. Vor allem dann, wenn ein solches Gebäude am Ende nicht nur auf dem geduldigen Papier grün sein, sondern in der Realität auch wirklich leben und atmen soll.
Das heißt, die oftmals zitierten „bunten Bilder“ mit den begrünten Terrassen und vertikalen Gärten sind kein architektonisches Chichi für die Präsentationsmappe, sondern knallharte bauliche Realität?
Florian Schillings: Definitiv. Wir pflanzen da oben echte Bäume. Wir reden hier von massiven Kübeln, die mit Baum und Erde mal eben zwei bis drei Tonnen auf die Waage bringen. Das treibt dem Tragwerksplaner erst einmal den Schweiß auf die Stirn, aber genau das ist ja die Herausforderung.
Und damit das Ganze im Hochsommer nicht nach drei Monaten vertrocknet – du kannst ja nicht 100 Mietern vorschreiben, alle 14 Tage brav mit der Gießkanne herauszugehen –, bauen wir eine voll automatisierte Wasserkreislaufwirtschaft.
Das Dach- und Oberflächenwasser rauscht nicht einfach nutzlos in die Kanalisation, sondern wird in einem Regenrückhaltebecken gesammelt und bei Bedarf intelligent wieder hochgepumpt.
Ein autarkes Ökosystem in der Vertikalen. Doch das grüne Gewissen ist nur die eine Seite der Medaille. Das Gesicht des Gebäudes, seine äußere Haut, birgt noch ein weiteres radikales Konzept – eines, das direkt aus einer sehr persönlichen Abneigung des Bauherrn entstanden ist:
Lass uns über das Gesicht von ATEA sprechen. Eine klassische Glas-Beton-Fassade wird es nicht. Ihr arbeitet mit einer sogenannten „Second Skin“, einer zweiten Haut. Was hat es damit auf sich?
Florian Schillings: Mir war von der allerersten Skizze an extrem wichtig: Dieses Gebäude darf unter keinen Umständen klassische Außenjalousien bekommen! Stell dir vor, du hast da über 100 Wohnungen, 30 Parteien sind im Sommerurlaub und haben die Rollläden unten. Bei diesem enormen Glasanteil blickst du plötzlich auf eine einzige, traurige graue Wand. Das Gebäude sieht von außen völlig leblos aus. Ich wollte dem Turm stattdessen einen echten Hotelcharakter verleihen. Große Premium-Hotels haben aus gutem Grund niemals außen liegende Jalousien. Zum einen würde der Wind in solchen Höhen die Anlagen auf Dauer einfach zerlegen. Zum anderen muss die Fassade eine homogene, lebendige Visitenkarte bleiben und darf nicht wie ein unaufgeräumtes Schachbrett wirken. Die Verdunkelung funktioniert dort deshalb immer extrem elegant von innen, über schwere, lichtdichte Vorhänge. Genau diesen hochwertigen Vibe, dieses aufgeräumte Gesicht, wollte ich zwingend auch für ATEA 2.0.
Keine Jalousien in einem 50 Meter hohen Turm? Wie regelt ihr dann Sonnenschutz und Privatsphäre, ohne dass die Bewohner im Sommer gegrillt werden oder abends auf dem Präsentierteller sitzen?
#show me your work
Florian Schillings: Genau da kommt diese zweite Fassadenebene ins Spiel. Du hast das eigentliche Hauptgebäude, und davor liegt quasi als schützende Pufferzone noch einmal eine zweite Haut, die den kompletten Loggiabereich umschließt. In dieser Ebene laufen smarte, verschiebbare Elemente. Wenn die Sonne voll von Süden knallt oder du einfach deine Ruhe haben willst, schiebst du dir dein Element genau dorthin, wo du es brauchst – und hast sofort perfekten Schatten und absolute Privatsphäre.
Isil Schaeffler legt nach: Wir erschaffen hier eine Architektur, die nicht starr ist, sondern in ständiger Interaktion mit ihren Bewohnern steht. Jeder Handgriff verändert das Gesicht des Turms. Die Fassade lebt. Weil die Bewohner die Elemente immer wieder neu anordnen, hat das Gebäude morgens, mittags und abends eine völlig andere Wirkung. Das ist nicht nur ein smartes Designelement zum Schutz vor Wind und Sonne, sondern es sorgt auch für eine extrem lebendige Erscheinung. Das ist Architektur, die man aktiv gestaltet, anstatt nur in ihr zu wohnen.
Ein mutiger Ansatz, durch den sich die Toreinfahrt zu Bocholt im Rhythmus der Tageszeiten neu erfinden wird. Doch so spektakulär diese Hülle auch sein mag, das eigentliche Leben spielt sich im Inneren ab. Wer zieht in einen solchen Leuchtturm ein? Wird ATEA 2.0 am Ende ein elitärer Elfenbeinturm für Gutbetuchte, oder hält es sein Versprechen, auch echten, durchmischten Wohnraum für die Mitte der Gesellschaft zu schaffen?
Von der Studentenbude bis zum Penthouse
Wenn man über 15 Etagen, rund 8.200 Quadratmeter Wohnfläche und voll automatisierte Bewässerung spricht, haben viele sofort das Bild vom unbezahlbaren Luxustower im Kopf. Das klingt schnell nach vergoldeten Wasserhähnen und einem elitären Elfenbeinturm für Gutbetuchte. Florian, für wen baut ihr ATEA 2.0 wirklich?
Florian Schillings: Vergoldete Wasserhähne sind ohnehin nicht mein Ding, außerdem wäre das am Bedarf dieser Region vorbei geplant. Wir wollen keinen isolierten Elfenbeinturm, sondern einen Mix schaffen, der wirklich alle Lebensphasen und Einkommensschichten abdeckt. Das Spektrum reicht von „smarten Nestern“ für die Studenten in der gegenüberliegenden Fachhochschule, über Einzimmer-Apartments für Singles und barrierefreie Wohnungen für Senioren bis hin zum öffentlich geförderten Wohnraum. Und ja, natürlich gibt es obendrauf auch exklusive Einheiten wie ein 180-Quadratmeter-Penthouse
Ein starkes soziales Statement: ATEA 2.0 soll kein Fremdkörper sein, sondern ein echter, vertikaler Mikrokosmos der Stadt. Doch gerade das Thema geförderter Wohnraum ist bei solchen Großprojekten oft das heiße Eisen, um das Investoren normalerweise einen weiten Bogen machen – die Protagonisten von ATEA offensichtlich nicht. Nachgefragt:
Lass uns beim öffentlich geförderten Wohnraum konkret werden. Wie hoch ist der Anteil und über welche Mietpreise sprechen wir hier?
Florian Schillings: Wir planen mit etwa 20 Prozent gefördertem Wohnraum, was ungefähr 20 Einheiten entspricht. Dieser Wohnungsmix macht das Gebäude erst wirklich nachhaltig. Uns bringt es doch nichts, wenn da oben nur 15 vermögende Leute wohnen und der Rest leersteht. Erst durch diese soziale Durchmischung bekommt das gesamte Gebäude seine wahre Qualität.
Um euch eine konkrete Zahl zu nennen: Wir reden hier beim geförderten Wohnraum über Mieten, beginnend ab 6,70 Euro pro Quadratmeter nach momentanem Stand. Das ist genau der Preis, der in unsere Welt passt und den die Regierung für solche Projekte veranschlagt.
6,70 Euro pro Quadratmeter in einem nagelneuen, hochmodernen Leuchtturmprojekt. Das ist eine harte Ansage, die vielen Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Geschickt gelöst ist dabei auch die Verteilung: Ein großer Teil des gesamten Wohnungsmixes – exakt 46 Wohnungen – findet organisch im integrierten Altbestand Platz. Doch die soziale Mischung ist nur die eine Seite der Medaille. Wer einen solchen Giganten baut, muss in Jahrzehnten denken.
Wie sieht es mit dem Verkauf aus? Werden am Ende das Gros der Wohnungen an unterschiedliche Käufer veräußert, und seid ihr als Projektentwickler nach der Schlüsselübergabe fein raus?
Florian Schillings: Auf gar keinen Fall. Ein solches Gebäude darf niemals in 100 verschiedene Hände kommen. Stell dir vor, wir müssen in 30 oder 40 Jahren eine energetische Sanierung an der Fassade machen oder die Haustechnik erneuern. Dann stehst du auf einer Eigentümerversammlung und die Leute winken ab: ‚Nö, wir haben keine Rücklagen, da machen wir nicht mit.‘ Dann hast du ein handfestes Problem und der Turm kommt in eine Schieflage hinsichtlich seiner Qualität. Und ganz ehrlich: Anders als beim Turm von Pisa lockt das in Bocholt dann keine Touristen an, sondern das Gebäude verrottet einfach. Das wäre das absolute Gegenteil von Nachhaltigkeit.
Die obersten Etagen werden wir voraussichtlich frei verkaufen – da gibt es sogar jetzt schon erste Anfragen, etwa von jemandem, der aus Berlin nach Bocholt zurückkehren möchte. Aber den großen Kern des Gebäudes werden wir fest im eigenen Bestand halten. Nur so können wir langfristig die Qualität sichern.
Ein starkes Bekenntnis. Hier spricht ein Unternehmer, der nicht auf den schnellen Exit schielt, sondern echte Verantwortung für seinen städtebaulichen Fußabdruck übernimmt. ATEA 2.0 wird keine Spekulationsmasse, sondern ein funktionierendes Zuhause für Generationen.
Apropos Zuhause: Die Zahl 106 Wohnungen schwirrt durch den Raum – ist die schon in Stein gemeißelt?
Florian Schillings: Nein, überhaupt nicht. Das sind aktuell 106 Platzhalter. Die genauen Grundrisse müssen wir jetzt erst im Detail modellieren. Ob wir am Ende des Tages bei 94, 99, oder 102 Wohnungen landen, wird sich im weiteren Verfahren ganz organisch ergeben. Entscheidend ist für uns das Gesamtvolumen von rund 8.200 Quadratmetern Wohnfläche – und vor allem die Frage, wie wir diese Fläche intelligent und sozialverträglich aufteilen.
Gegenwind im Schatten des Turms: Warum ATEA 2.0 die Nachbarschaft nicht verdunkelt … und sich die Meckermännder bisweile zurücknehmen sollten
Das Fundament für ein urbanes, durchmischtes Leben ist damit gelegt. Doch wer in Bocholt 50 Meter hoch baut, wirft unweigerlich Schatten – manchmal eben auch auf das Gemüt der Anwohner. Dass sich diese Skepsis gerne mal in digitalen Kommentarspalten entlädt, sollte man niemandem krummnehmen. Schließlich steht im Langenbergpark unser legendärer „Meckermann“ – eine kleine Statue, die mit erhobenem Zeigefinger und dem im Sockel gemeißelten Satz „Ich bin dagegen“ auf Parkregeln hinweist. Wann genau dieser Reflex in die Bocholter DNA übergegangen ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Anstatt diese Haltung an den Pranger zu stellen, nehmen wir sie mit einem Schmunzeln an.
Zeit für uns, in die Rolle des Advocatus Diaboli zu schlüpfen. Heißt: Wir machen uns an dieser Stelle ganz bewusst zum „Anwalt des Teufels“, nehmen die Position der Kritiker ein und spiegeln lediglich die ungefilterten Kommentare aus den sozialen Netzwerken wider. Nicht, weil es unsere Meinung ist, sondern um genau dort nachzuhaken, wo sich die Entrüstung (bislang) entlädt.
Lass uns über die harten Kommentare aus den sozialen Netzwerken sprechen. Da fallen Sätze wie: „Ein hässlicher Stahlbau!“, „Viel zu modern!“, „Das passt nicht nach Bocholt!“ – und vor allem spürt man die Angst der Anlieger vor ewiger Dunkelheit. Florian, was entgegnet ihr denen, die fürchten, dass ATEA 2.0 ihnen buchstäblich die Sonne nimmt?
Florian Schillings: Wir nehmen diese Ängste absolut ernst, begegnen ihnen aber ganz bewusst mit Fakten. Wir haben im Vorfeld eine detaillierte Schattenstudie erstellen lassen. Diese Visualisierungen zeigen glasklar: Der Schattenwurf fällt selbst im August fast komplett Richtung Süden auf die breite Münsterstraße. Wir verdunkeln definitiv nicht die Nachbarschaft. Zum Vorwurf des ‚hässlichen Stahlbaus‘: Genau dafür haben wir dieses umfassende Begrünungskonzept mit echten Bäumen und der lebendigen Second-Skin-Fassade entwickelt. ATEA 2.0 wird kein toter Klotz, der sich der Stadt verschließt, sondern ein durch und durch grünes Statement.
„Treffer versenkt“ – würde man beim Spiel „Schiffe versenken“ sagen. Ein Fakt, der sitzt. Doch das nächste kommentierte Unbehagen lässt im Netz meist nicht lange auf sich warten: Wer über 100 neue Wohnungen in ein bestehendes Quartier pflanzt, bringt unweigerlich die Angst vor der großen Blechlawine mit sich.
Schatten wäre also geklärt. Aber was ist mit dem Verkehr? Über 100 Wohnungen bedeuten in Bocholt statistisch fast 200 Autos plus Fahrräder. Wo sollen die alle hin? Die Nachbarn haben völlig zu Recht Angst, dass ihre Straßen demnächst komplett zugeparkt werden.
Florian Schillings: Das Problem haben wir absolut auf dem Schirm. Wir werden nicht nur ausreichend Parkplätze zur Verfügung stellen, sondern sogar mehr bauen, als rechtlich überhaupt von uns gefordert wird. Auch für Fahrradstellplätze ist in großem Stil gesorgt.
Der Clou ist, wie wir das baulich lösen – und das ist eigentlich ganz simpel: Wir graben kein tiefes Loch. Das Grundstück de ATEA fällt zur Münsterstraße ordentlich ab. Genau dort unten bauen wir unsere Garage hin. Man fährt quasi ganz normal auf Straßenhöhe hinein. Weil das Ganze aber in einer Senke liegt, verschwindet das Parkdeck von oben … von der Wagenfeldstraße betrachtet … komplett unter der Erde. Wir nutzen dieses natürliche Gefälle des Areals clever aus.
Damit wären die technischen und logistischen Bedenken pulverisiert. Bleibt die psychologische Hürde: die Meckermann-DNA. Die tief verwurzelte Skepsis gegenüber vielem, was den vertrauten Horizont überragt.
Technisch habt ihr auf alles eine smarte Antwort. Aber wie geht ihr mit Aussagen wie „Ein Hochhaus gehört nach Frankfurt, das passt nicht zu uns“um? Braucht man ein dickes Fell, wenn man diesem Denken einen Spiegel vorhält?
Florian Schillings: Ich kann absolut verstehen, dass ein 50-Meter-Turm erst einmal Respekt einflößt und bei manchen Fragen aufwirft. Wir reden hier schließlich über das Gesicht unserer Stadt. Schade finde ich es nur, wenn aus gesunder Skepsis ein pauschales ‚Dagegen‘ wird, bevor man sich die Fakten ansieht.
Ich erinnere einen Glaubenssatz von Dr. Reinhard K. Sprenger, der mich seit Anfang dieses Jahrtausends begleitet, der sinngemäß lautet: „Lasst doch einen Gedanken erst einmal zu, bevor ihr ihn ablehnt.“ Nachdenken – Umdenken – Neudenken ist das Angebot, das er seinen Zuhörern in seinen Vorträgen macht. „Denk in Lösungen, nicht in Problemen – seht den Käse, nicht die Löcher.“
Florian Schillings: Was viele nicht bedenken: Bocholt ist eine Zuzugsregion. Wir wachsen, und das bringt städtebauliche Verantwortung mit sich. Wir wollen mit ATEA 2.0 ganz bewusst ein Statement setzen. Ein Statement für Mut, für Wandel und für eine Stadt, die genau weiß, wo sie hinwill.
Bei echten Leuchtturmprojekten ist die Mechanik doch am Ende fast immer dieselbe: Anfänglich ist die Zurückhaltung riesig und die Gegenstimmen sind laut. Das war bei der Elbphilharmonie in Hamburg so, das war bei den Kranhäusern in Köln nicht anders.
Aber wenn das Ding dann erst einmal steht und seine absolute Strahlwirkung entfaltet, sind plötzlich alle unfassbar stolz darauf.
Das Gebäude ist schließlich unser Einfallstor. Wenn jemand von der B67 aus Richtung Rhede nach Bocholt hineinfährt, sieht er unweigerlich: Hier beginnt eine moderne, mutige Stadt, die Kante zeigt.
Man spürt in diesem Moment kein taktisches PR-Sprech, sondern echten Lokalpatriotismus. Hier sitzen zwei Unternehmer, die ihre Stadt nicht einfach nur verwalten, sondern im besten Sinne aktiv gestalten wollen – auch wenn der Wind mal von vorn weht.
Warum Bocholt genau dieses Statement braucht
Es ist spät geworden an diesem Nachmittag. Die Kaffeetassen sind leer, doch die Energie im Raum ist nach all den detaillierten Plänen, architektonischen Raffinessen und knallharten Wirtschaftlichkeitsberechnungen noch immer greifbar. Wir haben die lautesten Bedenken der Skeptiker auf den Tisch gelegt und die Fakten seziert. Doch am Ende eines solchen städtebaulichen Mammutprojekts geht es eben um weit mehr als nur um Schattenwurf, Bauleitpläne oder Quadratmeterpreise. Es geht um die Identität, die Strahlkraft und das neue Selbstbewusstsein einer ganzen Stadt.
Ein Gedanke, der nicht nur von den Planern geteilt wird: Erst vor wenigen Tagen saß an genau diesem Tisch der neue Bürgermeister Christian Mangen, um nach seinen ersten 100 Tagen im Amt Rede und Antwort zu stehen. Als wir ihn auf die Entwürfe von ATEA 2.0 ansprachen, lieferte er eine Antwort, die wie ein Maßanzug zu diesem Schlussakkord passt:
Es ist spät geworden an diesem Nachmittag. Die Tassen sind leer, doch die Energie im Raum ist nach all den detaillierten Plänen, architektonischen Raffinessen und harten Wirtschaftlichkeitsberechnungen noch immer greifbar. Wir haben die Bedenken der Skeptiker auf den Tisch gelegt und die Fakten seziert. Doch am Ende eines solchen Mammutprojekts geht es um weit mehr als um Schattenwurf, Bauleitplanung oder Quadratmeterpreise. Es geht um die Identität und das Selbstbewusstsein einer ganzen Stadt.
Ich teile ein Erlebnis mit der Runde, indem ich unter anderem aus einem Interview zitiere: Erst vor wenigen Tagen saß an exakt diesem Tisch der neue Bürgermeister Christian Mangen, um nach seinen ersten 100 Tagen im Amt Rede und Antwort zu stehen. Auf die neuen Entwürfe von ATEA angesprochen und mit der direkten Frage konfrontiert, ob eine solche Dimension zu Bocholt passt, gab er uns ein unmissverständliches Ja – und eine Antwort, die auf das Gefühl aller Beteiligten am Tisch einzahlt:
Flo, den Namen ATEA hast du dem Baskischen entnommen … er bedeutet „Toreinfahrt“. Ist dieses Projekt genau der bauliche Weckruf, den diese Stadt jetzt braucht, um aus ihrer gedanklichen Mittelstadt-Deckung zu kommen?
Florian Schillings: Der Name ist da absolutes Programm. ATEA … ein kurzes, prägnantes Wort, das man nicht mehr abkürzen oder mit irgendwelchen Kosenamen verheizen kann. Wir wollten mit diesem Projekt eigentlich genau das zeigen: Jetzt zeig doch mal ein bisschen Kante, Bocholt!
Wenn jemand von der B67 aus Richtung Rhede kommt, muss er sofort sehen, dass hier eine moderne, mutige Stadt beginnt. Das Gebäude ist unser Einfallstor, und das muss einfach etwas Spannendes, etwas Ikonisches sein. Bocholt verdient dieses Statement für Mut und Wandel.
Isil, was wünschst du dir, wenn die Bocholter künftig auf euer Meisterstück schauen?
Isil Scheffler: Ich wünsche mir, dass sie spüren, wie viel Herzblut und Leidenschaft in diesem Entwurf stecken. Es ist so viel mehr als nur eine spektakuläre Fassade. Wir geben hier Antworten auf die drängendsten Fragen der modernen Bauwelt – mit intelligentem Upcycling, dem Erhalt von Ressourcen und einer lebendigen, begrünten Architektur. Ich freue mich einfach unbändig darüber, dass wir beweisen können, dass herausragende Architektur und zukunftsweisende städtebauliche Lösungen direkt hier bei uns in der Region entstehen können. Wir brennen für dieses Projekt, und ich hoffe von ganzem Herzen, dass dieser Funke überspringt.
Stolz. Mut. Leidenschaft. Kante zeigen. Dafür … statt dagegen zu sein. Es sind Worte, die dem Bocholter Stadtgespräch unheimlich guttun. Wer nach all dieser Euphorie glaubt, er könne morgen früh an der Wagenfeldstraße den Baggern bei der Arbeit zusehen, dem sei gesagt: Echte Leuchttürme wachsen nicht über Nacht 😉
Flo, wie sieht eine realistische Timeline aus? Wann setzt ihr die ersten Bagger in Bewegung … wann könnten die ersten Menschen in der neuen Toreinfahrt wohnen?
Florian Schillings: Wir müssen jetzt erst einmal ganz saubere Hausaufgaben machen. Der nächste wichtige Schritt ist der erneute Aufstellungsbeschluss in der Bauausschusssitzung.
Danach müssen sämtliche Gutachten – vom Verkehr bis zum Naturschutz – im beschleunigten Verfahren an den neuen Entwurf angepasst werden.
Das ist die Phase, in der man draußen auf der Straße erst einmal gar nichts sieht, die im Hintergrund aber extrem viel Arbeit bedeutet. Unser klares Ziel ist es, im ersten Quartal 2028 die Baugenehmigung in den Händen zu halten und mit dem Bau zu starten.
Wir rechnen dann mit einer Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren. Aber unser eigenen Anspruch ist, die Fertigstellung für das Jahr 2029 anzupeilen. Das klingt auch viel besser als 2030, weil das weiter weg klingt ;-).
2029 – gar nicht mehr so weit weg. Für ein Bauwerk, das unsere für Jahrzehnte prägen wird, ist das nur ein Wimpernschlag. Als Flo am Ende unseres Gesprächs die Projektmappe mit den Plänen von ATEA 2.0 schließt, bleibt mehr im Raum zurück als nur die bunten Bilder eines 15-stöckigen Hochhauses. Es bleibt die absolut beruhigende Erkenntnis, dass die größten Propheten manchmal gar nicht aus der Ferne eingeflogen werden müssen.
Manchmal sitzen sie einfach direkt um die Ecke, haben das Herz am rechten Fleck und den Mut, die Dinge gemeinsam in die Hand zu nehmen. ATEA 2.0 ist der eindrucksvolle Beweis dafür, was möglich ist, wenn zwei lokale Big-Player ihre Kräfte bündeln: Ein visionärer Investor, der das finanzielle Fundament gießt und den Mut beweist, auch bei Gegenwind auf dem Gaspedal zu bleiben – und eine leidenschaftliche Architektin, die einem gewaltigen Stahl- und Betonkonstrukt mit Kreativität und kompromissloser Nachhaltigkeit eine echte Seele einhaucht.
Das obligatorische Murren der letzten Skeptiker mag im Stadtgespräch noch leise mitschwingen, doch die Aufbruchstimmung für Bocholts neues, grünes Einfallstor hat diese Stimmen an diesem Abend längst übertönt. Die Bühne ist bereitet – das Meisterstück nimmt Fahrt auf.
P.S.: Ein großes Dankeschön an die Entwickler und Gestalter dieses Mega-Projektes für die klaren, offenen Worte. An einem Abend, an dem sich große Teile der Stadt dem Karneval hingaben, war es für uns eine Selbstverständlichkeit, unseren Gästen am Ende auch gute Gastgeber zu sein. Wir stiegen hinauf in unsere Private-Kitchen-Suite und ließen am Herd ein Gericht aufleben, das definitiv ein Revival verdient hat: Chicken Piri-Piri … inspiriert von unserem letzten Talk mit Christian Mangen. Für Kirsten und mich das ideale Soulfood, weil es die DNA des ATEA-Projekts perfekt auf den Teller bringt: Es ist mutig, es zeigt Kante, es macht wach – und im Kern steckt einfach verdammt viel Wumms und Herzblut. 😉
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